Schwarzer Montag für die Beschäftigten des Göppinger Pressenherstellers Schuler. Das zum österreichischen Andritz-Konzern gehörende Unternehmen hat gestern angekündigt, an seinen Standorten in Deutschland rund 500 Stellen zu streichen. Die meisten davon  – etwa 300 – werden am Stammsitz in Göppingen wegfallen, bestätigte Schuler-Sprecher Hans Obermaier auf Nachfrage unserer Zeitung. Zwei Drittel davon entfallen auf die Bereiche Produktion und Fertigung.

In Göppingen endet eine Ära

Als Schuler die Bombe gestern platzen ließ, wurde schnell klar: In Göppingen wird damit schon bald eine Ära enden, denn Schuler kündigte an, die Neumaschinen-Produktion in seinem Stammwerk komplett einzustellen. Das bedeutet: Über kurz oder lang werden in Göppingen keine Schuler-Pressen mehr hergestellt. Göppingen bleibe aber Unternehmenssitz des Schuler-Konzerns mit den entsprechenden Zentralabteilungen und auch „wichtiger Standort“ für Forschung und Entwicklung, Innovation, Engineering und Service.

„Es wird Entlassungen geben“

Der Stellen-Abbau soll „relativ zügig“ beginnen und in den kommenden drei Jahren abgeschlossen sein. Obermaier  betonte, das Unternehmen habe das Ziel, den Personalabbau „sozialverträglich“ zu gestalten. Er sagte auf Nachfrage aber auch: „Es wird Entlassungen geben.“ Ohne „einzelne und einige“ Kündigungen sei die geplante Verringerung der Zahl der Arbeitsplätze „nicht zu machen“. Betroffen sein werden in erster Linie technische Berufe, darunter auch Ingenieure. Die konkrete Umsetzung des Stellenabbaus soll jetzt mit den Arbeitnehmervertretungen erörtert werden.

Göppingen

Der Vorstand der Schuler AG reagiert nach eigenen Angaben auf die „veränderten Wettbewerbsbedingungen und den gestiegenen Kostendruck“. Die Pressenproduktion für den europäischen Markt soll an den Standort Erfurt verlagert werden, wo allerdings ebenfalls knapp 100 Arbeitsplätze gestrichen werden. Weitere Jobs werden in den Werken in Weingarten und Waghäusel sowie in Heßdorf und Gemmingen gestrichen. Die internationalen Standorte sollen dagegen gestärkt und intensiver genutzt werden. Dies gilt vor allem für China und Südostasien, aber auch für Brasilien. In dem südamerikanischen Land soll das Hydraulik-Geschäft ausgebaut werden.

Deutschland sei teurer Standort

„Wir sind kein nationales Unternehmen, deshalb haben wir überhaupt die Chance, dort zu produzieren, wo die Nachfrage groß ist“, erläuterte Schuler-Sprecher Obermaier am Montagabend. Deutschland dagegen sei ein „teurer Standort“ mit gesunkener Nachfrage, vor allem aufgrund des schwächelnden Automobilmarkts.

Sparen will Schuler auch bei den Verwaltungs-, Vertriebs- und Allgemeinkosten des Konzerns. Dies betreffe alle Standorte in Deutschland, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung.

Schuler hatte Ende 2018 konzernweit 6574 Beschäftigte, in Deutschland waren es 4195. In Göppingen waren in dem Unternehmen bisher 1300 Menschen beschäftigt, künftig sollen es nur noch 1000 sein. In Erfurt soll die Zahl der Beschäftigten von derzeit 520 auf knapp über 400 sinken.

Der Göppinger Pressenbauer  war schon mit dem vergangenen Jahr alles andere als zufrieden. Domenico Iacovelli, der seit April 2018 auf dem Chefsessel von Schuler sitzt, hatte im Frühjahr seinen ersten Geschäftsbericht vorgestellt. Das Betriebsergebnis EBITA war von 111,9 auf 45,3 Millionen Euro gefallen, auch beim Konzernergebnis nach Steuern musste Schuler kräftig Federn lassen: Es sank von 67,4  auf 13,5 Millionen  Euro.

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