Die Stadt Göppingen gilt nicht gerade als prädestiniertes Reiseziel. Nun will die Kommune zumindest attraktiver für Wohnmobilisten werden. Die Kurzzeit-Touristen, die in ihren fahrbaren Unterkünften durch die Lande rollen, halten dort, wo die Stellplatzbedingungen reizvoll sind –  und lassen womöglich auch einiges Geld in Gaststätten oder Freizeiteinrichtungen liegen. Viele Umlandgemeinden wie Heiningen, Rechberghausen oder Wäschenbeuren haben deshalb schon eigene Stellplätze mit der entsprechenden Infrastruktur aufgebaut oder sind dabei.

In der Wohnmobilszene ist der derzeitige Göppinger Camper-Stellplatz am hinteren Rand des Parkplatzes bei der EWS-Arena aber nicht sonderlich beliebt, wie Lisa Herr vom Referat Stadtmarketing und Tourismus, jetzt im Ausschuss für Umwelt und Technik einräumte. Sie berichtet, es gingen immer wieder Mails ein mit dem Tenor: „Der Platz ist furchtbar. Wir kommen nie wieder.“ Deshalb hat die Stadt nun auf einen Antrag der CDU reagiert: Die Wohnmobil-Stellplätze werden im Frühjahr auf den von Bäumen umsäumten Parkplatz auf der Westseite der Schockensee-Anlage an der Mozartstraße verlegt. Dort haben – ungefähr gegenüber der Einmündung Frommannstraße – künftig acht Fahrzeuge Platz, zwei mehr als bisher. Die Fläche direkt neben der Grünanlage biete den Touristen „eine sehr schöne und ruhige Lage“, sagte Lisa Herr. Der Parkplatz werde bisher ohnehin kaum benützt, sagte sie.

Die neuen Stellplätze sollen auch mit Stromanschlüssen versehen werden, die es bisher nicht gab. Die Ver- und Entsorgungsstation für Wasser und Abwasser wird von der Lorcherstraße ebenfalls in die Mozartstraße verlegt. Das soll zusammen etwa 5000 Euro kosten.

Stadtrat Rudi Bauer wollte wissen, ob mit den Anwohnern im Reusch schon über die Verlegung gesprochen worden sei, denn der neue Platz rücke sehr viel näher an die Wohnbebauung. Anwohnergespräche habe es nicht gegeben, sagte Lisa Herr: „Bisher war die Einschätzung, dass wir da nicht groß mit Widerstand rechnen müssen.“

Ziel war es, auch am touristischen Anziehungspunkt Hohenstaufen Wohnmobilstellplätze einzurichten, schließlich hat der Göppinger Hausberg einen hohen Bekanntheitsgrad. Doch die Suche gestaltetet sich dort schwieriger, weil Parkplätze im am höchsten gelegenen Stadtbezirk ohnehin Mangelware sind.

Die Stadt habe mehrere Alternativen geprüft, berichtete Lisa Herr. Übrig geblieben ist eine kleine Lösung: Ein Schild auf dem Parkplatz am Aasrücken, der die Fläche für ein Wohnmobil ausweist. Als sogenannter „Naturstellplatz“ müsse er auch keine Strom- oder Wasseranschlüsse aufweisen.

Im Ausschuss für Technik und Umwelt stieß das schmale Angebot in Hohenstaufen auf Skepsis. Tenor: Wenn sich die Aussicht vom Aasrücken erst einmal herumgesprochen hat, dann würden viele Wohnmobilisten den Platz ansteuern, auch wenn dort nur ein Stellplatz ausgewiesen ist. „Wenn der voll ist, parken die anderen den Rest zu“, unkte Michael Freche (Piraten). Der Stellplatz auf dem Aasrücken soll nun probeweise für ein Jahr eingerichtet werden.

In der heutigen Ausgabe der NWZ (29. November) ist noch ein Kommentar zu dem Thema zu lesen.

Gebühren für Stellplätze sind umstritten


Strom Die Stromanschlüsse an den neuen Stellplätzen für Camper werden mit  Automaten versehen, an denen die Nutzer sich gegen eine Gebühr mit Energie versorgen können. Die Höhe dieser Gebühr liege üblicherweise bei 50 Cent pro Kilowattstunde, könne aber auch anders festgelegt werden, sagte Lisa Herr vom Referat Stadtmarketing und Tourismus.

Tagesgebühr Umstritten war im Ausschuss die Frage, ob für die Stellplätze auch Nutzungsgebühren pro Nacht verlangt werden sollen. Einige Lokalpolitiker forderten dies. Lisa Herr machte jedoch darauf aufmerksam, dass alle Umlandgemeinde ihre Stellplätze für Wohnmobilisten gratis anböten, so wie die Stadt Göppingen bisher auch. Wenn man nun eine Gebühr verlange, würde dies abschreckend wirken. Volker Allmendinger (CDU) schlug vor, zunächst zu beobachten, wie die Stellplätze genutzt werden und dann neu zu entscheiden.