Service Packstation: Post beklagt Vandalismus

Ausgerechnet im Weihnachtstrubel waren die Öffnungszeiten der Packstation in der Postfiliale in der Gartenstraße in Göppingen eingeschränkt. Momentan ist wieder rund um die Uhr geöffnet.
Ausgerechnet im Weihnachtstrubel waren die Öffnungszeiten der Packstation in der Postfiliale in der Gartenstraße in Göppingen eingeschränkt. Momentan ist wieder rund um die Uhr geöffnet. © Foto: Staufenpress
Axel Raisch und Susann Schönfelder 09.01.2018
Ärger um vorübergehend gekürzte Öffnungszeiten bei einer Packstation. Postbanksprecherin verweist auf Verunreinigungen.

Rund um die Uhr geöffnet.“ Damit wirbt die Posttochter DHL für ihre Packstationen. An diesen Automaten könnten Pakete 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche abgeholt und versandt werden. Allerdings gibt es auf der Homepage auch einen Verweis aufs Kleingedruckte. Dort steht dann: An einzelnen Standorten können die Öffnungszeiten abweichen. Einer dieser Ausnahmestandorte war bis vor wenigen Tagen der in der Gartenstraße 50, der Postfiliale am Bahnhof. Werktags endete der Zugang um 18.30 Uhr, samstags um 12.30 Uhr, sonntags war ganz zu. Auch ein Zugang mit EC-Karte war nicht möglich.

Dass in Göppingen ausgerechnet vor Weihnachten die Öffnungszeiten geändert wurden, findet Tobias Lechner schlecht. Der Göppinger arbeitet in Plochingen und berichtet, dass er zusammen mit weiteren ratlosen Kunden im Dezember vor verschlossener Tür an seiner bisherigen „Stammpackstation“ gestanden sei, als er ein Paket einstellen wollte.

Die Informationspolitik von DHL findet er in diesem Zusammenhang ebenfalls verbesserungswürdig. Auf seine Nachfrage hin sei ihm in einem Telefonat von einer DHL-Mitarbeiterin lapidar mitgeteilt worden, dass es sich um eine Entscheidung der Filiale aufgrund von „Vandalismus“ handle, womöglich hätten Obdachlose dort genächtigt. Das wiederum wundert Tobias Lechner, da es bei der Kreissparkasse, nur wenige Meter entfernt, problemlos möglich sei, mit Karte zu den Automaten zu gelangen. KSK-Pressesprecher Thomas Wolf bestätigt, dass der dem Bahnhof zugewandte SB-Bereich mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker 24 Stunden geöffnet sei. Glücklicherweise hätte die Sparkasse keine Störungen und Vandalismusschäden zu beklagen.

Zumindest bis 22 Uhr

Lechner hat durchaus Verständnis, dass im schwierigen Umfeld des Bahnhofs keine 24-Stunden-Öffnung möglich ist. Allerdings würde er sich zumindest eine Öffnung wie im Einzelhandel bis 22 Uhr und samstags auch länger als bis 12.30 Uhr wünschen. Dies würde es auch Pendlern ermöglichen, noch ihre Päckchen einzustellen.

Allerdings hat die Post-DHL keinen Einfluss auf die dortige Erreichbarkeit ihrer Packstation. Sie stehe im „24-Stunden-Bereich des Postbank Finanzcenters“, somit entscheide auch die Postbank „über den Personaleinsatz, die Öffnungszeiten und auch über die Zugangszeiten zum 24- Stunden-Bereich“, erklärt der Sprecher der Pressestelle Süd der Deutsche Post DHL Group, Hugo Gimber.

Iris Laduch-Reichelt von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Postbank bestätigt, dass die Öffnungszeiten des „SB-Bereichs“ eine Zeitlang auf die Öffnungszeiten der Filiale beschränkt waren und bedauert die Unannehmlichkeiten, die Kunden dadurch entstanden. Nur in begründeten Ausnahmefällen werde von der „7x24 Stunden“-Öffnung abgewichen, betont sie. Häufigster Grund sei Vandalismus. Leider sei dies auch in Göppingen der Fall, so Laduch-Reichelt weiter: „Seit im Zuge der Umbauarbeiten die öffentlichen Toiletten im Bahnhof geschlossen sind, haben wir massive Verunreinigungen durch Exkremente in unserem Selbstbedienungsbereich festgestellt. Die Belästigungen waren so groß, dass sie für Kunden, Mitarbeiter und auch für das Reinigungspersonal unzumutbar waren.“

Seit dem 2. Januar ist der Zugang wieder rund um die Uhr möglich, sagt die Pressesprecherin der Postbank. „Aber prompt tauchen die alten Probleme wieder auf“, fügt sie hinzu. Immer wieder gebe es ungebetene Übernachtungsgäste, die den SB-Bereich verunreinigen. Die Postbank arbeite eng mit der Polizei zusammen, es wurden auch schon Platzverweise ausgesprochen, sagt Laduch-Reichelt. Wenn dies nicht fruchte, werde man über eine neuerliche Schließung nachdenken, kündigt sie an.

Verstärkte Präsenz

In Göppingen weiß man um die aufgetretenen Problematik und versucht ihr zu begegnen. „Der städtische Gemeindevollzugsdienst zeigt im Umfeld des Bahnhofs verstärkt Präsenz im Rahmen der Möglichkeiten. Die aktuelle Personalausstattung des GVD wird im Rahmen einer konzeptionellen Betrachtung zusammen mit der Polizei überprüft“, erklärt der stellvertretende Pressesprecher der Stadt Dejan Birk-Mrkaja.

Sollte die Packstation in der Gartenstraße wieder schließen, verweist Postsprecher Gimber auf „Packstation 125“. Diese befindet sich in der Hohenstaufenstraße 5 bei der Aral-Tankstelle. Auf diese ist auch Tobias Lechner bereits ausgewichen. Allerdings sei diese oft schon voll, jedenfalls sei dies vor Weihnachten so gewesen. Daher geht er nun statt zu seiner „Stammstation“ am Göppinger Bahnhof immer öfter zu einer Packstation in Plochingen. Sie stehe auf einem Aldi-Parkplatz und sei immer erreichbar, erzählt Lechner.

So funktioniert es auch in Göppingens Nachbarstadt Eislingen. In der großen Kreisstadt steht die Packstation im Durchgang des Bahnhofsgebäudes. Obgleich auch das dortige Umfeld nicht als Schmuckstück bezeichnet werden kann, funktioniert die Packstation problemlos. Weder Postsprecher Hugo Gimber noch die Pressesprecherin der Stadt Eislingen, Heike Rapp, haben dort Vandalismus zu beklagen. „Unserer Ortspolizeibehörde liegen keinerlei Beschwerden vor“, erklärt Pressesprecherin Rapp.

Frei zugängliche Packstationen seien die Regel, bestätigt Hugo Gimber: „Packstationen, zu denen man außerhalb der Öffnungszeiten nur über eine EC-Karte gelangt, sind die Ausnahme.“ Mit Blick auf den Vorschlag, vom Göppinger Bahnhof auf einen anderen Standort auszuweichen, gibt der Pressesprecher zu bedenken, dass sich Packstationen „nicht beliebig umsetzen“ ließen. Neben diversen Genehmigungen, die eingeholt werden müssten, seien auch bestimmte Anschlüsse, wie etwa für Strom und Telekommunikation, erforderlich.

Info Es gibt rund 3400 Packstationen der DHL mit über 340 000 Fächern in über 1600 Kommunen in ganz Deutschland. Mehr als acht Millionen registrierte Kunden nutzten laut DHL die Automaten. Damit könnten 90 Prozent der Bundesbürger eine der DHL-Packstationen innerhalb von zehn Minuten erreichen, erklärt die DHL.

24 Stunden

24 Stunden an sieben Tagen pro Woche sind die Packstationen der Posttochter DHL in der Regel geöffnet. Wenn Probleme wie Vandalismus auftreten, können die Zeiten gekürzt werden.