Es war kein rührselig-trauriger Abschied von der Stadtkirchengemeinde Oberhofen, den zahlreiche Menschen gestern dem nach 18 Jahren scheidenden Pfarrer Andreas Weidle beschert haben. Mit einem Gottesdienst und mit anschließenden Vorführungen gehe es um „eine neue lebendige Hoffnung“, angeschlossen an den Sonntag Quasimodogeniti („wie neu geboren“), sagte Weidle.

Dieses Motto hatte sich Andreas Weidle für die Predigt in der Oberhofenkirche gewählt und in seiner unnachahmlichen Art in bilderreicher Sprache auf diverse konkrete Lebenssituationen von Menschen angewendet. Ebenso durchzog dieses Motto bei allem Bedauern des Weggangs des beliebten und umtriebigen Pfarrers auch sämtliche Beiträge. So hatte der Gottesdienst schon mit einer witzigen Bemerkung des Pfarrers begonnen, den Kirchenbesucher Jürgen Hofmann aus Holzheim mit „diesen Humor kann keiner ersetzen“ kommentierte.

Nach einem feierlich-virtuosen Orgelvorspiel von Klaus Rothaupt begleitete die Gruppe „Some Voices“ aus Plochingen mit vielen poppigen Mitmach-Songs den Gottesdienst. Dekan Rolf Ulmer sagte zu Andreas und Christel Weidle: „Ihr habt mit vollem Herzen in der Gemeinde gelebt.“ Er dankte dem Kollegen für seine große Schaffenskraft, seinen Ideenreichtum und seine selbstkritischen Fragen.

Dann gab es in der Kirche leckere Häppchen und Getränke, bevor die beiden Pfarrkollegen Annett Bräunlich-Comtesse und Tobias Comtesse alias Clowns Gloria und Massimo auf den Plan traten. Zuvor hatten sie als Zwillinge im Bauch ihrer Mutter ein fiktives witziges Gespräch geführt. Sie konnten sich ein Leben nach der Geburt kaum vorstellen, was zugleich im Sinne von Weidle eine Illustration der Glaubenshoffnung war.

Die Clowns thematisierten die Energie des Pfarrers, der vor Langeweile umkommen werde. Die Gruppe der Männerpilger sang ihm zu Ehren ein Lied, setzte ihm „ein kleines Rucksäckle fürs Leben“ auf und überreichte ihm ein Fotobuch von den vergangenen Pilgerreisen. Kirchengemeinderätin Claudia Schetter sagte Dank und überreichte stellvertretend einen Gutschein für eine Ballonfahrt. Gerhard Kneile beschrieb launig die vielen Aktivitäten des „Hans Dampf in allen Gassen“. Walter Keller vom Verein zur Erhaltung der Oberhofenkirche würdigte die Verdienste Weidles bei der Renovierung und überreichte zusammen mit Jürgen Hilse eine Plastik des Faurndauer Künstlers Werner Stepanek.

Nach dem umgedichteten Mitarbeiter-Lied „Über den Wolken“ las und sang Pfarrkollegin Mechthild Friz eine Geschichte von einem Regenbogenfisch, der seine schillernden Schuppen mit einfarbigen Fischen teilt und den sie mit Weidle verglich. Eine Expeditionsgruppe ließ verschiedene Erkundungen wie die „nach dem eigenen Ich“ Revue passieren und verabschiedete Weidle in die „neue Expedition Ruhestand“.