Im neuen Einkaufszentrum „Agnes“ an der Göppinger Bleichstraße wird es keinen Media-Markt geben: Der Ankermieter ist abgesprungen. Pressesprecherin Eva Simmelbauer bestätigte am Mittwoch, was schon länger vermutet wird: „Wir werden nicht nach Göppingen kommen.“ Investor Simon Schenavsky hatte erst im März bekräftigt, dass das „Agnes“ wie geplant gebaut werde und alles soweit nach Plan laufe. Da wusste er längst, dass der wichtigste Filialist abgesprungen war. „Wir haben bereits Ende des vergangenen Jahres wegen der Bauverzögerungen das Sonderkündigungsrecht genutzt“, sagt Media-Markt-Sprecherin Simmelbauer.

Geplante Investition: 100 Millionen Euro

Seit rund zehn Jahren wird das Einkaufszentrum geplant, an derselben Stelle stand das ebenfalls Schenavsky gehörende Frey-Center, das 2017 abgerissen wurde. Bei einem Treffen im Februar hatte Oberbürgermeister Guido Till dem Investor vorgeschlagen, die Verkaufsfläche in dem geplanten Komplex massiv zu reduzieren oder das ganze Gelände samt bisheriger Planung an die Stadt zu verkaufen. Schenavsky will an seinen Plänen festhalten, sagte der Rathausspitze dennoch eine Prüfung zu. Er plant nach eigenen Angaben, gemeinsam mit seinen Projektpartnern 100 Millionen Euro zu investieren.

Von der Investorengruppe war am gestrigen Mittwoch keine Stellungnahme zu erhalten, Sprecher Andreas Schweickert sagte lediglich: „Wegen 450 Quadratmetern wird das Einkaufszentrum nicht platzen.“ Insgesamt soll das „Agnes“ nach seiner Fertigstellung rund 23 000 Quadratmeter Fläche umfassen.

Görtz will sich nicht äußern, Deichmann zögert

Dabei ist unklar, wie viele der vorgesehenen Mieter an ihren Verträgen festhalten. Der Schuh-Filialist Görtz etwa hielt sich bislang bedeckt: „Nach Rücksprache mit der Geschäftsführung möchten wir uns hierzu aktuell nicht äußern“, meint Sprecherin Lillemor Brandenburg. Informationen würde sie gerne dann weitergeben, „sobald wir Neuigkeiten haben“.

Auch beim Schuhhändler Deichmann ist offenbar noch nichts entschieden: „Aktuell kann ich Ihnen nur sagen, dass das Thema bei uns noch offen ist“, sagte gestern der Leiter der Unternehmenskommunikation, Ulrich Effing. Weitere Mieter, die bereits in der Öffentlichkeit bekannt sind, sind die Drogeriemarktkette „dm“, das Einrichtungshaus „Depot“ sowie der Textil-Discounter „TK Maxx“.

Oberbürgermeister nicht über alles informiert

Der Göppinger OB ist nach eigener Aussage von Schenavsky nicht über die Entwicklung informiert worden. „Das hat er uns so nicht gesagt, da bin ich schon verwundert“, meinte Till gestern. Zwar könne er die Situation auf der Baustelle nicht einschätzen, aber: „Ich sehe, dass die Baugrube stabil bleibt, es wird weiter im Untergrund gebuddelt. Es wächst aber nicht nach oben.“ Offiziell haben die Arbeiter vor wenigen Tagen mit dem Rohbau des neuen Einkaufszentrums begonnen. Eine Gasleitung habe den Baustart verzögert, hieß es seitens der Investoren.

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Freie Wähler beantragen Debatte über Bleichstraße


Antrag Wegen der aktuellen Entwicklung hat die Fraktion der Freien Wähler Göppingen (FWG) im Gemeinderat beantragt, einen „Sonder-Tagesordnungspunkt ,Die Zukunft der Bleichstraße’“ zu beraten. „Dabei soll die Verwaltung nicht nur den Gemeinderat wieder in die Diskussion um die Bleichstraße einbinden, sondern auch ein Alternativkonzept vorlegen“, schreibt Fraktionsvorsitzender Emil Frick. Sinnvoll sei es sicher auch, neben Schenavsky Vertreter der benachbarten Kaufhäuser Kaufhof und C&A einzuladen.

Vorschläge Die FWG-Fraktion schlägt konkret vor, die Bleichstraße als „modifizierte Einkaufs-Meile“ zu erhalten. Schnellstmöglich soll im Umfeld der Bleichstraße ein vollwertiger Ersatz für das mittlerweile abgerissene Parkhaus erstellt und die „sinnvolle Schaffung von Wohnraum“ intensiv geprüft werden, heißt es in dem Antrag.