Konzert Kantorei überzeugt mit Schubert und Bach

Intonationssicher interpretierte die Kantorei Rechberghausen unter ihrem Leiter Gerhard Großmann (am Orgelpositiv) zwei Bach-Kantaten sowie als dritten Programmpunkt und Höhepunkt die Messe in G-Dur von Franz Schubert.
Intonationssicher interpretierte die Kantorei Rechberghausen unter ihrem Leiter Gerhard Großmann (am Orgelpositiv) zwei Bach-Kantaten sowie als dritten Programmpunkt und Höhepunkt die Messe in G-Dur von Franz Schubert. © Foto: Giacinto Carlucci
Rechberghausen / Lilli Ell 20.11.2018

Die Kantorei Rechberghausen unter der Leitung von Gerhard Großmann hatte in diesem Jahr den Volkstrauertag für ihr Konzert für die NWZ-Aktion „Guten Taten“ in der Katholischen Kirche ausgewählt und konnte sich über eine fast volle Kirche freuen. Der Chor musizierte mit dem Kammerorchester Riedbach und Solisten Werke von Johann Sebastian Bach und Franz Schubert.

Zur Eröffnung wurde die Kantate Nr. 156 von Johann Sebastian Bach aufgeführt. Der Text bezieht sich auf zwei biblische Geschichten, die von der Heilung eines Aussätzigen und die von der Heilung des Knechtes des Hauptmanns von Kapernaum. Von Leiden und Krankheit wird erzählt sowie von der Erlösung davon durch Gottes Willen. Vor die Kantate hat Bach eine instrumentale Sinfonia für Solo-Oboe, Streicher und Basso continuo gestellt. Sehr melodisch und mit feiner Tongebung erklang diese instrumentale Eröffnung. Besonders gelungen war die Tenorarie von Hubert Mayer, die mit einem Choral der Sopranistin Cathrin Lange feinsinnig und sehr geradlinig verwoben war. Der Chor, präsent von Anfang an, sang den Choral am Schluss der Kantate ausdrucksstark und bewegend.

Dann stand Bachs Kantate Nr.157 „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ auf dem Programm. Tenor Hubert Mayer und Bass Manuel Wienke sangen die Rezitative und Arien in klaren Linien. Die fast heitere Tongebung bildete einen Kontrast zum Text, der wie die erste Kantate von Kummer und Leid erfüllt ist. Manuel Wienke sang seine Partie fast spielerisch, jedoch mit einem eindringlichen Duktus. Die Altistin Cecilia Tempesta bewältigte ihren einzigen Auftritt kraftvoll, wenn auch etwas verschwommen in den Koloraturen. Flöte, Geige und Basso continuo gelangen ein stringentes Zusammenspiel, manchmal ein wenig zu dominant, aber in den Instrumentalphasen gefällig.

Der dritte Programmpunkt, die „Messe in G“ von Franz Schubert, geriet zu einem beeindruckenden Höhepunkt des Abends. Bedenkt man, dass Schubert gerade einmal 18 Jahre jung war, als er die Messe komponierte, kann man ins Schwärmen geraten. Die später dazu genommenen Pauken und Trompeten verliehen dem Werk Glanz. Gerhard Großmann erwies sich einmal mehr als unaufgeregter, sicher führender Dirigent sowie als einfühlsamer Begleiter am Orgelpositiv bei den Kantaten.

In der Messe sang der Chor die Hauptrolle, ergänzt vom Solistentrio, das in kluger Weise mit dem Chor und den Instrumentalisten korrespondierte. Das „Credo“ wurde mit romantischer Zartheit musiziert. Die „Osanna“-Fugenabschnitte gelangen aus einem Guss, gefühlsbetont, ohne überschwängliches Pathos. Klare Abschlüsse der Kadenzen erweiterten das musikalische Einfühlungsvermögen des Chors, der mit sichtbarer Freude die einzelnen Passagen sang und mit den anderen Musikern ergreifende Musik darbot. Er meisterte die sehr hohen Passagen ohne Probleme und setzte musikalische Akzente.

Im Zusammenspiel mit den Solisten gelangen immer wieder kleine Höhepunkte, die sich zu einem schönen Gesamtklang steigerten. Das „dona nobis pacem“ verhallte minutenlang im Kirchenschiff.

Am Schluss gab es lang anhaltenden herzlichen Beifall.

Messe als 18-Jähriger komponiert

Gerade 18-jährig, komponierte Franz Schubert die Messe in G (D 167) in
weniger als einer Woche vom 2. bis zum 7. März 1815. Die ursprüngliche Streicherbesetzung erweiterte er
später um Trompeten und Pauke. Die Messkomposition ist überwiegend
homophon gestaltet. Möglicherweise lag der Entstehung des Werkes ein
Kompositionsauftrag zugrunde. Eine erste Aufführung der auch um Harmoniestimmen erweiterten Fassung des Werkes erfolgte 1841 in Klosterneuburg.

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