Göppingen Hunde richten Blutbad unter Alpakas an

Göppingen / Dirk Hülser 16.01.2019
Trotz Leinenpflicht nicht angeleint: Ein Chow-Chow und ein Terrier dringen in ein umzäuntes Gehege ein und verletzten mehrere Alpakas zum Teil schwer.

Blutende Alpakas, gejagt und gehetzt von zwei Hunden, Notoperationen im Schnee durch eine Tierärztin, ein zerstörter Zaun: „Es sah aus wie ein Schlachtfeld“, berichtet Heiner Binder. „Das war dramatisch“, sagt eine 47-Jährige aus Göppingen. Den beiden gehören die sechs Alpakas, die in Göppingen nördlich der Pistoriusstraße im Hailing am Rand zum Oberholz auf einer Streuobstwiese leben. Der dort herrschende Leinenzwang wird von Hundebesitzern immer wieder ignoriert, erzählen sie. Das hat nun zu dem Angriff zweier Jagdhunde auf die kleine Herde geführt. Die Alpaka-Besitzer haben die Hundehalter angezeigt.

Rund 40 Minuten waren die Hunde, ein Chow-Chow und ein Airedale Terrier, am Donnerstag auf der eingezäunten Weide der Alpakas, berichtet die Frau, die von einem Nachbarn gerufen wurde, der den Angriff durch die Hunde beobachtet und fotografiert hatte. Einen Teil des Zauns hatten die Hunde niedergerissen, zwei Alpakas bluteten heftig, als sie eintraf. Nachdem die Hundebesitzerinnen keine Anstalten gemacht hätten, ihre außer Rand und Band geratenen Tiere aus dem Gehege zu holen, sei sie selbst hineingegangen, sagt die 47-Jährige. Nebenher habe sie ihre Tierärztin angerufen, die sich zufällig in der Nähe befand.

Tierärztin ist schnell vor Ort

Vor allem der Chow-Chow habe sich in einem regelrechten Blutrausch befunden, meint die Alpaka-Besitzerin. Heiner Binder sagt: „Das Schlimme ist, dass die Frauen über eine halbe Stunde daneben standen und ihre Tiere da nicht herausbekommen haben.“ Mit schlimmen Folgen für die Alpakas: Einem jungen Zuchthengst wurde von dem Chow-Chow das Geschlechtsteil abgebissen, er drohte zu verbluten. Einem Wallach wurde der Oberschenkel aufgerissen, ein weiteres Tier erlitt eine Fleischwunde. „Die Tierärztin hat die Hoden des Hengstes abgeschnitten und alles vernäht“, berichtet die Frau. Auch der Wallach musste an Ort und Stelle in Schnee auf der Weide genäht werden.

Als die Tierbesitzerin eintraf, hatten sich die unverletzten Tiere im Kreis um das jüngste Alpaka gedrängt, um es zu beschützen, der Hengst hatte sich in den Stall geflüchtet. „Den Tieren ist überall innen an den Schenkeln Blut heruntergelaufen“, erzählt die 47-jährige Göppingerin. „Das zerreißt einem das Herz“, sagt die Frau, der eines der sechs Alpakas gehört. Zumal ihre Tochter das Tier mit der Flasche selbst großgezogen hat.

„Warum müssen die Leute so einen Hund haben?“, fragt der 22-jährige Binder, der Alpakas züchtet und dessen Deckhengst nun niemals Nachkommen wird zeugen können. Er glaubt, eine Hundeschule helfe schon viel, damit Besitzer ihre Tiere besser kontrollieren können. Das sei hier offenbar nicht der Fall gewesen. „Mir ist wichtig , zu sagen, dass so ein Verhalten in keiner Weise hinnehmbar ist“, meint Binder. Er fragt: „Was macht so ein Hund, wenn er ein kleines Kind laufen sieht?“

„Die wollen nur spielen“

Auch die Göppingerin ärgert sich über die Hundehalterinnen, vor allem jene des Chow-Chow, der den meisten Schaden angerichtet hätte: „Die Frau schrie rum, wir seien selbst schuld, auf dem Zaun sei ja gar kein Strom.“ Bereits vier Hunde habe sie selbst aufgezogen, erzählt die 47-Jährige, auch jetzt habe sie einen. „Aber wenn mein Hund nicht horcht, darf ich ihn nicht ableinen. Die Uneinsicht solcher Leute macht es für uns Hundebesitzer sehr schwer.“ Die Chow-Chow-Besitzerin habe noch gesagt: „Unsere Hunde dürfen hier spielen, wir leinen sie ab.“ Außerdem habe sie gesagt: „Die wollen nur spielen.“

Die Polizei bestätigt unterdessen, dass eine Anzeige eingegangen sei. Auch der Stadtverwaltung ist der Fall bekannt. Pressesprecher Olaf Hinrichsen sagt, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, aber bei einem „Beißvorfall“ sei zu prüfen, „ob der Hund als gefährlicher Hund im Sinne der Polizeiverordnung über das Halten gefährlicher Hunde eingestuft werden muss. Als Folge darauf könnte Maulkorbpflicht und genereller Leinenzwang angeordnet werden“.

Nun befürchtet die Alpakabesitzerin, dass der gefährliche Hund zurückkommt. „Wenn der Chow-Chow Blut geleckt hat, riecht der die Tiere auf einen Kilometer“, sagt die 47-Jährige. Der Chow-Chow hat sich am Donnerstag jedenfalls rechtzeitig aus dem Staub gemacht, die Frau betont: „Hätte ich den Hund zu fassen gekriegt, hätte ich ihm eine übergebraten.“

Die Polizei berichtet in einer Pressemitteilung über den Vorfall und ruft Zeugen auf, sich zu melden. Wer etwas beobachtet hat, soll sich unter Tel. (07161) 632360 bei der Göppinger Polizei melden. Die Ermittlungen in dem Fall dauern laut Polizei an.

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