Auf 16 Millionen Euro schätzt die Stadt derzeit die Kosten für die Sanierung des Hohenstaufen-Gymnasiums. Eine belastbare  Kostenberechnung ist das aber noch nicht, denn dafür ist es noch zu früh, stellt die Verwaltung klar. Die Bauleute betreten bei der Sanierung weitgehend Neuland. Denn das Frühwerk des Architekten Günter Behnisch gilt zwar als Meilenstein des Schulhausbaus in den Fünfzigerjahren und steht seit 2015 unter Denkmalschutz, energetisch ist das Gebäude aber desolat: Im Sommer heiß, im Winter zugig.

Musterräume gegen Reinfälle

Die Sanierungsplanung zieht sich schon eine Weile hin, steckt aber dennoch in einer frühen Phase. Zunächst sollen, um bautechnische Reinfälle zu vermeiden, die Sanierungsschritte an Musterräumen auf ihre Effektivität erprobt werden – und zwar von diesem Herbst bis zu den Sommerferien 2020. Erst dann kann die Sanierung beginnen. In regelmäßigen Besprechungen mit den Vertretern der Schule sei die Planung abgeglichen worden, erklärt die Bauverwaltung der Stadt.

Allerdings kam es bei der Planung des Klassenzimmer-Prototypen zu Änderungen: Statt wie vorgesehen nur ein Raum sollen es nun zwei Klassenzimmer im dritten Stock werden. „Insbesondere durch die Forderung des Denkmalschutzes nach dem Erhalt der Stahlprofile der Fassade und dem Erhalt der Deckenbekleidung in den Klassenräumen musste das Konzept überarbeitet werden“, erklärt die Verwaltung. Künftig soll über die Fenster und über eine Lüftungsanlage Frischluft ins Gebäude kommen. Die Decke wird zur Kühldecke umgebaut.

Bei Fraktionen kommen Bedenken auf

Nicht begeistert sind die Denkmalschützer offenbar von dem Vorschlag, zusätzlich zu den ursprünglich vorhandenen und später abgebauten horizontalen Sonnenschutz-Elementen auch Jalousien einzubauen. Um die Notwendigkeit solcher Jalousien zu überprüfen und die Wirksamkeit vergleichen zu können, wird ein zweiter Musterraum vorgeschlagen. Kosten für beide Prototypen: etwa 655 000 Euro.

Bei der Vorberatung im Ausschuss waren angesichts dieser Summe bei einigen Fraktionen Bedenken aufgekommen. Der Baubürgermeister beeilte sich deshalb während der Woche, in den Fraktionen für Klarstellung zu sorgen. Das wiederholte er am Donnerstag auch im Gemeinderat: Die Kosten für die Prototypen seien nicht verloren, denn diese Klassenräume seien damit ja schon saniert.

„Der Denkmalschutz hat seine Berechtigung“

Bei den Stadträten zeigte das Wirkung. So sagte Michael Freche (Piraten), er habe sich von der Vorgehensweise überzeugen lassen, und auch Horst Wohlfart (FDP/FW) und Emil Frick (FWG) gaben zu, sie hätten die anfängliche Skepsis über die teuren Musterräume überwunden. Für die Grünen sagte Christine Lipp-Wahl, ihre Fraktion unterstütze die Vorgehensweise voll und ganz: „Die energetische Situation ist unverantwortbar. Der Denkmalschutz hat seine Berechtigung.“ Die Konstruktion sei eben einmalig und so stoße jede Berechnung und jede Computer-Simulation in der Realität an ihre Grenzen. In der Erprobungsphase Geld sparen zu wollen, könne die Stadt am Ende teuer zu stehen kommen. „60 Jahre lang wurde am Gebäude nichts verändert, jetzt zeitlichen Druck aufzubauen, ist unverhältnismäßig: Die Planungen sind gut durchdacht und brauchen ihre Zeit.“

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Das 1959 bezogene Hohenstaufen-Gymnasium mit 103 Meter langem Hauptbau galt von Anfang an als architektonische Besonderheit aus der Feder Günter Behnischs, der später das Münchner Olympiagelände plante.

Die Baukosten beliefen sich damals, inklusive Turnhalle, Sportplatz und Außenanlagen in Euro umgerechnet auf etwa 2,2 Millionen Euro.