Göppingen / Annerose Fischer-Bucher Göppinger erinnern im Schlosswäldle an die Opfer des Nationalsozialismus. Schüler tragen selbst verfasste Texte vor.

Es wurden Kerzen angezündet und Kränze am Mahnmal im Göppinger Schlosswäldle niedergelegt, um das die Teilnehmer am Sonntag einen großen Kreis gebildet hatten. Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee im Jahr 1945, der seit 2005 ein internationaler und seit 1996 ein bundesweiter Gedenktag ist, sangen Schüler der Schiller-Realschule Lieder mit Gitarrenbegleitung. Nach der  Rede von Oberbürgermeister Guido Till sprachen sie selbst verfasste Texte zum Thema Stolpern im Anschluss an ein Gedicht von Annegret Kronenberg.

Zuvor hatte Raphael Mizrahi von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Stuttgart ein Gebet auf Deutsch und Hebräisch gesprochen und gesungen, in dem an jüdische und christliche Opfer des Nationalsozialismus in deutschen und europäischen Konzentrationslagern erinnert wurde. Mizrahi nannte die Namen der Lager, in denen sechs Millionen Juden gefoltert, verbrannt und vernichtet wurden.

Über Erinnerung könne man stolpern, das solle wachrütteln wie die etwa 500 Stolpersteine, von denen 100 in Göppingen vor den Häusern der von den Nazis Verschleppten erinnern sollen, so die Schüler. Sie führten verschiedene verbale Stolpersteine auf und äußerten dazu ihre Gedanken: Deportation, Schmerzen und Erniedrigung, Trauer, Erinnerung, Rassismus und Gegenwart.

Die Deportation der 100 Göppinger Opfer habe in der Turnhalle der Schiller-Realschule ihren Anfang genommen. Die Schmerzen und Erniedrigungen dieser Opfer seien heute nicht mehr vorstellbar. Man  könne dies nicht mehr rückgängig machen. Aber trauern, sich mit Respekt an die Opfer erinnern und sich bemühen, heute keinerlei Rassismus aufkommen zu lassen, das sei Aufgabe in der Gegenwart.

OB Till sagte in seiner Rede, dass es ein Schweigen nicht mehr geben dürfe. „Tragt die Botschaft hinaus, dass wir an die Beendigung der Nazi-Diktatur und an ihre Opfer erinnert haben“, sagte er zu den Teilnehmern der Gedenkveranstaltung. Und man müsse wachsam sein, denn es gebe Leute, die einfach darüber hinweg schauen wollten und Ausdrücke wie „ein Vogelschiss der Geschichte“ benützten.

Es sei wichtig, aus der Geschichte zu lernen, und die Auseinandersetzung der Schüler zusammen mit ihren Lehrern mache Hoffnung. Till sagte: „Es ist Pflicht jeden Göppingers, in das generalsanierte Jüdische Museum zu gehen.“ In der Beschäftigung mit Geschichte könnten für Gegenwart und Zukunft Lehren erwachsen, denn immerhin habe ein ganzes Volk Hitler gewählt und mitgemacht, obwohl früh klar gewesen sei, was die Nazis vorgehabt hätten. Nur wenige Ausnahmen hätten sich damals dagegen gestellt.