Fast drei Monate war es am Montagabend her, dass der Gemeinderat zum letzten Mal getagt hatte. Am 17. Februar berieten und entschieden die Donzdorfer Stadträte noch in gewohnter Umgebung im Sitzungssaal des Martinushauses. Danach war Schluss, am Montag trafen sich Räte, Bürgermeister und Verwaltung wieder: In der Stadthalle, mit viel Abstand zueinander. Ohne Masken, aber mit reichlich Platz für alle. Zu tun gab es einiges, die Tagesordnung war wegen der langen sitzungsfreien Zeit besonders üppig. Siebzehn Punkte rief Bürgermeister Martin Stölzle auf, nach knapp zweieinhalb Stunden war der öffentliche Teil der ersten Stadthallen-Sitzung geschafft.

Gleich zu Anfang gibt Stölzle einen Einblick in den Donzdorfer Corona-Alltag. Stand Montagabend gab es in Donzdorf sechs infizierte Menschen und fünf Verdachtsfälle. Für die vergangenen Wochen bedankt sich Stölzle bei den „Bürgern, Gewerbetreibenden und Gastwirten“ für einen ruhigen, pragmatischen und „teilweise kreativen Umgang“ mit der Krise „ohne große Konflikte“.
Gefragt ist auch in Donzdorf das Krisenmanagement im Rathaus, dem es die hohe Politik nicht immer einfach mache, Stölzle beschreibt das so: „Mittwochs Krisensitzung bei der Kanzlerin mit Pressestatement, am Donnerstag äußert sich dann jeder einzelne Ministerpräsident, bis zum Wochenende kommt viel Widersprüchliches in Presse, Funk und Fernsehen und am Sonntagmittag ist dann die neue Corona-Verordnung da, in der vieles ganz anders ist und die bis Montag von der Kommune umgesetzt werden muss.“ Da gebe es mitunter „viel Diskussionsbedarf“.

Die erweiterte Notbetreuung ändert faktisch nichts

Beispiel: Notbetreuung in den Kitas und Kindergärten. Auch wenn die jetzt „erweiterte Notbetreuung“ heiße, ändere sich „faktisch nichts“. In den Donzdorfer Kitas und Kindergärten werden derzeit rund 50 Kinder betreut, dazu noch 16 in der Schulbetreuung. An den beiden weiterführenden Schulen mit Abschlussklassen laufe der Teilbetrieb, ins Rechberg-Gymnasium gehen derzeit 130 Schüler, in die  Messelbergschule 95. In der kommenden Woche soll es dann in der Steingarten-Schule für die Viertklässler wieder losgehen.
Die Volkshochschule bleibt aber zu, „das erste Semester 2020 ist ziemlich baden gegangen“, sagt Stölzle. Wann die VHS wieder öffnet, sei nicht abzusehen, das Programm für das Semester ab September „ist in der Vorbereitung“. Dafür ist die Musikschule zumindest teilweise wieder offen, die Bücherei auch.

Das Freibad bleibt vorerst geschlossen


Kämmerer Thomas Klein rechnet mit hohen Einnahmeverlusten für Donzdorf. Er schätzt den Gebührenausfall auf rund 200 000 Euro fürs laufende Jahr, rund die Hälfte davon werde durch Zuschüsse vom Land kompensiert. Auch die Gewerbesteuer sprudelt deutlich schwächer. In der nächsten Gemeinderatssitzung – dann liegt die aktuelle Mai-Steuerschätzung des Bundes vor – will der Kämmerer die aktuelle Finanzlage vorlegen und den Räten eine detaillierte Corona-Rechnung präsentieren. „Wohin die Reise geht, kann derzeit keiner verbindlich sagen“, meint Klein.

Auch die Freibad-Saison könnte baden gehen. „Das ist komplett in der Schwebe“, sagt Bürgermeister Martin Stölzle, es sei fraglich, wie das in Corona-Zeiten funktionieren soll. Derzeit ist kein Wasser in den Becken, falls es doch losgehen sollte, sei das Bad innerhalb einer Woche startklar. pit