Der Maschinenbauer Stama will sein Werk in Schlierbach im Kreis Göppingen größtenteils schließen. Das wurde sowohl von einem Firmensprecher als auch von der IG Metall am Dienstag bestätigt. Die Mitarbeiter seien am Montag zu einer Betriebsversammlung gerufen und von der Entwicklung völlig überrollt worden, da bei Stama eine Restrukturierung im Gespräch war, die in Zusammenarbeit mit der in Tuttlingen ansässigen Muttergesellschaft Chiron erfolgen sollte. Die damit verbundene Hoffnung für den Standort Schlierbach hat sich jedoch zerschlagen.
Schließung Stama Schlierbach Warum bei Stama jetzt Kündigungen drohen

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Produktion bei Stama in Schlierbach wird offenbar geschlossen

Stattdessen wurde nun bekannt, dass die Produktion schließen muss und möglicherweise mehr als 300 von insgesamt 380 Mitarbeitern ihren Job verlieren werden. „Produktion, Montage und Applikation sollen in Schlierbach geschlossen und am Standort Neuhausen ob Eck konzentriert werden“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Jens Klarich. Der Ort im Kreis Tuttlingen liegt fast am Bodensee. Von Schlierbach aus ist er zwei Fahrstunden und 123 Kilometer entfernt.
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Bei den Mitarbeitern handle es sich jedoch größtenteils um Spezialisten, die noch gebraucht würden und wohl nicht von einem Tag auf den anderen gekündigt werden könnten, so Betriebsrat Klarich. Befristete Verträge existierten bei Stama überhaupt nicht. „Einen Sozialplan mit Interessenausgleich wird es mit Sicherheit geben“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Am Donnerstag sei ein Gespräch mit der Geschäftsleitung geplant. Betriebsbedingte Kündigungen wollte ein Firmensprecher weder ausschließen noch bestätigen.

Nur Service und Verkauf bleiben bei Stama in Schlierbach erhalten

Erhalten werden in Schlierbach offenbar nur Abteilungen aus den Bereichen Service und Verkauf mit deutlich weniger als 100 Beschäftigten. Es ist die Rede davon, dass das Werk in irgendeiner Form bleiben soll, eventuell auch für bestimmte Reparaturarbeiten. „Unsere Maschinen kennt ja außer uns niemand so richtig“, glaubt Jens Klarich, der von der Chefetage selbst erst eine Stunde vor der Betriebsversammlung informiert wurde. Die Kollegen hätten „schockiert“ auf die Nachricht reagiert.
Schließung Stama Schlierbach „Das Werk stand nie zur Debatte“

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Bei der Gewerkschaft zeigte man sich von den Plänen ebenfalls sehr überrascht und will mit der Firmenleitung nun doch noch über mögliche Weiterführungsoptionen verhandeln, denn mit dem Betriebsrat habe es trotz Mitbestimmungspflicht vorab keinerlei Gespräche gegeben. Die IG Metall behält sich Arbeitskampfmaßnahmen vor, da die Beschäftigungssituation in der Branche derzeit ausgesprochen schwierig sei.

Stama erst kürzlich als innovativ ausgezeichnet

Stama ist ein Maschinenbauer mit Stärken im Bereich Komplettbearbeitung komplexer und schwer zu zerspanender Werkstücke. Erst im Juni war die Firma erneut in die Liste der 100 innovativsten mittelständischen Unternehmen in Deutschland aufgenommen worden. „Wir freuen uns über diese Auszeichnung“, teilte das Unternehmen damals mit. Knapp jeder Zehnte der 380 Beschäftigten ist im Übrigen Azubi.
Im Februar hatte die Firma wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten jedoch Kurzarbeit anmelden müssen. Derzeit arbeitet die Belegschaft im Schnitt mit rund 50 Prozent Beschäftigungsumfang. Stama soll über viele Jahre hinweg solide schwarze Zahlen geschrieben haben. Martin Purschke, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Göppingen-Geislingen glaubt, dass es sich bei der Teilschließung um eine Art „Mitnahmeeffekt mit Corona als Vorwand“ handeln könnte.
„Diese Maßnahmen werden Einschnitte mit sich bringen. Gleichzeitig bündeln wir unsere Fertigungskapazitäten in einer der modernsten Werkzeugmaschinenfabriken Europas“, teilte die Chiron-Gruppe mit, ohne jedoch nähere Details zum geplanten Zeitrahmen oder zu Kündigungen zu nennen. Nach der Erstinformation müssten erst noch genaue „Zielvorstellungen“ für den Standort entwickelt werden. In Schlierbach war erst vor einigen Jahren ein 15 Millionen Euro teures neues Verwaltungsgebäude in Betrieb gegangen.

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