Über 600 Jahre gibt es das Göppinger Mineralwasser schon, jetzt soll es vom Markt verschwinden. „Eine Fortführung der Produktion in Göppingen macht wirtschaftlich keinen Sinn mehr“, sagt Andreas F. Schubert, seit 2013 Geschäftsführer des Brunnens. Aqua Römer möchte den Standort in Jebenhausen schließen und Produktion, Logistik, Vertrieb und Verwaltung an den zweiten Abfüllort der Brunnen-Union St. Christopherus in Mainhardt verlagern. Die Göppinger Abfüllanlage sei seit Jahren hoch defizitär und betriebswirtschaftlich nicht mehr zu retten, sagt Geschäftsführer Schubert, der im Juli in den Ruhestand geht.

Nachfolgerin wird seine bisherige Co-Geschäftsführerin Nadja Ohlendorf. „Die Produktion soll noch im laufenden Jahr Schritt für Schritt auslaufen“, kündigt sie an. Bevor es zu der Entscheidung gekommen sei, habe man für die Aqua Römer alle Alternativen, um den Standort Göppingen wieder erfolgreich betreiben zu können, intensiv geprüft. Schubert: „Wir hätten drei- bis viermal soviel Göppinger Sprudel verkaufen müssen, um das wirtschaftlich zu betreiben. Das hätten die Quellen gar nicht hergegeben.“

Neue Arbeitsstelle für etwa 50 von 100 Mitarbeitern

Dem Unternehmen sei es sehr wichtig, die geplante Schließung so sozialverträglich und fair wie möglich umzusetzen. Etwa 50 der 100 Mitarbeiter in Göppingen sollen mit ins 63 Kilometer entfernte Mainhardt gehen, wo momentan aufgrund höherer Umsätze Überstunden gefahren werden. Bisher arbeiten dort 100 Beschäftigte, wenn bis spätestens 2020 die Göppinger dazu kommen, sollen es 150 sein. Für die Mitarbeiter, die nicht mehr gebraucht werden, soll mit dem Betriebsrat ein Sozialplan und ein Interessensausgleich ausgehandelt werden. „Betriebsbedingte Kündigung wird es nicht geben“, sagt Geschäftsführer Schubert.

Mainhardt

Der Betriebsrat wurde am Montag von der Nachricht genauso überrascht wie die Belegschaft, die in einer Betriebsversammlung um 13 Uhr informiert wurde. „Wir sind da auch ins kalte Wasser geworfen worden“, berichtet der Betriebsratsvorsitzende Efstathios Michailidis und erinnert daran, dass es eine tarifvertraglich geregelte Beschäftigungs- und Standortsicherung bis zum 31. Dezember 2020 gibt. Dass die Geschäftsleitung angekündigt hat, Tarifverträge einzuhalten, stimmt Michailidis einigermaßen zuversichtlich. „Bis dahin kann niemand entlassen werden.“ Der Betriebsrat werde jetzt mit der Geschäftsleitung verhandeln. „Ziel ist es, dass alle, die wollen, in Mainhardt weiterbeschäftigt werden.“ Die meisten seien schon Jahrzehnte dabei. „Da gelten Kündigungsfristen bis Mitte 2021.“

Discounter machten Aqua Römer das Leben schwer

Dass Göppingen nicht gut dasteht, wussten auch die Mitarbeiter. „Die Discounter mit ihren Einwegflaschen machen uns das Leben schwer“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende. Noch unklar ist, was mit dem Brunnen-Areal in Jebenhausen passieren soll. Nur soviel: „Die Quellen werden versiegelt.“

Genau das will Oberbürgermeister Guido Till, der am Montag ebenfalls von der Hiobsbotschaft überrascht wurde, verhindern. „Die beabsichtigte Schließung macht mich sehr betroffen“, betont der Rathauschef und erinnert daran, dass es den Göppinger Mineralbrunnen seit 1404 gibt. „Da liegt auch in der Geschichte eine Verpflichtung.“ Er führe schon den ganzen Nachmittag Gespräche, wie man Göppinger Mineralwasser weiterhin in Jebenhausen abfüllen und als Premiumprodukt vertreiben könne. Till: „Es wäre schön, wenn wir den Standort retten könnten.“

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Anfänge Der Göppinger Mineralbrunnen wird am 5. März 1404 erstmals urkundlich erwähnt und gehört mit seinen gut 600 Jahren zu den ältesten Unternehmen in Deutschland.

Firma Im Laufe der Zeit ist aus dem Göppinger Mineralbrunnen – Aqua Römer GmbH – ein modernes Unternehmen geworden. Er galt lange als zweitgrößter Brunnenbetrieb in Baden-Württemberg und als einer der bedeutenden in ganz Deutschland. Unter dem Dach der Brunnen-Union St. Christopherus mit Sitz in Göppingen gehören verschiedene Marken zur Aqua Römer GmbH & Co.KG.

Zahlen Aqua Römer beschäftigt momentan 200 Mitarbeiter, davon etwa 100 in Göppingen. Mit der Schließung des Göppinger Standorts will das Unternehmen 50 Stellen einsparen.