Es war eine Hiobsbotschaft Anfang der Woche: Aqua Römer wird den Standort in Jebenhausen aus wirtschaftlichen Gründen schließen, 50 Arbeitsplätze sollen wegfallen. Das Aus der Produktion macht nicht nur die Landtagsabgeordneten betroffen, auch Lokalpolitiker reagieren schockiert auf die Nachricht.

„Die SPD-Gemeinderatsfraktion bedauert außerordentlich die Entscheidung von Aqua Römer, die Förderung und den Verkauf des traditionsreichen Göppinger Mineralwassers einzustellen“, teilen die Sozialdemokraten im Göppinger Gemeinderat mit und sehen Gründe für die Situation: „Die Marktumbrüche wurden leider nicht ausreichend antizipiert und nicht entsprechend darauf reagiert, so dass es zu der – angeblichen – finanziellen Schräglage kam.“ Die teilweise seit Jahrzehnten beschäftigten Mitarbeiter dieser Firma müssten nun leider für diese Fehler büßen, ihre Arbeitsplätze sind in Gefahr – „ihnen gehört unsere volle Solidarität“, unterstreicht die SPD-Fraktion.

SPD urteilt: Schwieriger Markt, falsche Geschäftsentscheidungen

Dass der Mineralwassermarkt aufgrund der „Billigwässer“ der Discounter seit längerem ein schwieriger Markt ist, sei bekannt. „Dass allerdings die nötige konsequente Ausrichtung auf die regionale Vermarktung in Kombination mit dem Aufbau einer ,Edelmarke’ nur halbherzig vorgenommen wurde, rächt sich nun leider“, kritisieren die Sozialdemokraten das Management des Unternehmen. Die SPD-Fraktion hoffe, dass sich der Verlust des uralten Markennamens „Göppinger Mineralwasser“ noch verhindern lässt, denn dieser Name sei im Bewusstsein und in der Erinnerung aller Göppingerinnen und Göppinger fest verankert. Es wäre wünschenswert, dass dieser Name – vielleicht in verkleinertem Umfang – im Rahmen einer „Wassermanufaktur“ weitergeführt werden könnte, so die SPD. Diese Möglichkeit solle in Gesprächen mit verschiedenen Beteiligten beziehungsweise Interessenten „ernsthaft“ geprüft und weiterverfolgt werden, denn ein solcher Markenname (seit 1404) mit dem entsprechenden Wiedererkennungswert „darf nicht einfach spurlos verschwinden“.

Oberbürgermeister Guido Till will Sprudel retten - Fraktionschefs unterstützen dieses Ziel

Dieser Ansicht ist auch Oberbürgermeister Guido Till, der alle Hebel in Bewegung setzen will, um den Göppinger Sprudel zu retten.  Rückendeckung bekommt der Rathauschef von den Fraktionschefs im Gemeinderat. Bei einem Gespräch mit Till bekräftigten sie ihre  Bereitschaft, einen Rettungsversuch zu wagen. Zur Zeit laufen Berechnungen, ob es rentabel wäre,  mit einer kleinen Produktionseinheit Göppinger Mineralwasser für den regionalen  Markt abzufüllen.

Auch Wolfgang Berge äußerte sich im Auftrag der Fraktion der Freien Wähler Göppingen (FWG) zu dem Aus von Aqua Römer am Standort Jebenhausen. In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Guido Till schreibt er: „So bedauernswert die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Firma Aqua Römer sind, so wollen wir auch auf die damit zusammenhängenden Probleme für unsere Bürgerinnen und Bürger hinweisen.“ Die Einwohner der Stadtbezirke Jebenhausen und Bezgenriet hätten ein seit Jahrhunderten verbürgtes Recht, im Bereich des Jebenhäuser Schlosses unentgeltlich Mineralwasser abzufüllen. Ende des vergangenen Jahrhunderts habe der dortige Mineralbrunnenbetrieb eine Erhöhung der Fördermenge durch zusätzliche Bohrungen nach Mineralwasser gewünscht. „Es war erkennbar, dass dadurch die Ergiebigkeit der öffentlich genutzten Quelle zurückgehen oder gar versiegen würde“, sagt Berge.

Mainhardt

Freie Wähler: Ist Auslauf von Mineralwasser auch künftig gewährleistet?

Die Stadt wiederum habe den weiteren Brunnenbohrungen zugestimmt – „unter der Bedingung der kostenlosen Bereitstellung von Mineralwasser im Umfeld des bisherigen Auslaufs durch den Brunnenbetrieb“. Der Vertrag liege der Stadtverwaltung vor. Die Freien Wähler Göppingen wollen von OB Till wissen, wie auch in Zukunft der Auslauf von Mineralwasser im Bereich des Schlosses und des Naturkundlichen Museums gewährleistet sei. Ihre Fragen: Welche Maßnahmen sind aktuell erforderlich, um das Recht der Bürgerinnen und Bürger von Jebenhausen und Bezgenriet zur kostenlosen Entnahme von Sauerwasser sicher zu stellen? Welche Ansprüche hat die Stadt der Firma Aqua Römer gegenüber – auch wenn der Betrieb in Jebenhausen eingestellt werden sollte? Wann besteht in welcher Form Handlungsbedarf? Die Forderung der FWG: „Die alten Rechte unserer beiden Stadtbezirke müssen sicher gestellt bleiben.“