Göppingen / Simon Scherrenbacher  Uhr
Im Ausschuss für Technik und Umwelt wurden die Entwürfe zur Gestaltung des Platzes vorgestellt. Ein Favorit steht fest, zu den Kosten konnte der Baubürgermeister aber noch nichts sagen.

Der erste Bauabschnitt für den Apostelhof ist abgeschlossen, der zweite Bauabschnitt war nun Thema im Ausschuss für Technik und Umwelt. Im nächsten Frühjahr sollen das Hotel der Firma Nanz und ein dm-Markt folgen, die Tiefgarage ist bereits gebaut. Doch wie soll der Platz darauf aussehen?

Architekt Tilman Schalk empfand es aufgrund der beengten Platzverhältnisse durchaus als Herausforderung, einen grünen Hinterhof mit Wasserlauf zu entwerfen – zumal die Feuerwehr Aufstell- und Rangierflächen benötigt und die Eingänge und Schaufenster am Rande des Platzes freizuhalten sind. Aufgrund der Tiefgarage darunter gebe es auch keine richtige Vegetationsfläche für Bäume.

Als „würde man unter einem Blätterdach sitzen“

Schalk schlug deshalb einen begrünten Pavillon mit vier Treppenstufen von beiden Seiten vor, die in der Mitte genügend Platz für die Wurzeln der Pflanzen lassen: „Man wird den Eindruck haben, wie unter einem Blätterdach zu sitzen. Das wird ein sehr angenehmer Ort, wo es nach Blüten duftet und Insekten und Vögel herumschwirren.“ Im Süden sah er eine Wasserspielfläche mit Fontänen und Fahrradstellplätze vor.

Das Großprojekt, das ein Hotel der Kette Holiday Inn mit 130 Zimmern, Einzelhandelsflächen und 15 Wohnungen umfasst, soll bis Ende Oktober im Rohbau fertig sein

„Absolut nicht barrierefrei“, lautete das Urteil von Piraten-Stadtrat Michael Freche. „Ein Ort der Kommunikation funktioniert so nicht. Er sollte für alle zugänglich sein und keine Bevölkerungsgruppe ausschließen.“ Markus Vaihinger (FDP/FW) kritisierte die begrenzte Grünfläche von zwei auf zehn Metern.

Wasserspielfläche auch für Jungen und Mädchen der Kindertagesstätte

Die Wasserspielfläche ist nach Angaben von Baubürgermeister Helmut Renftle auch für die kleinen Besucher der Kindertagesstätte gedacht, die sich baulich an den Drogeriemarkt Rossman anschließt. Außerdem haben die Kleinen dort die Möglichkeit, auf dem Dach zu spielen. Landschaftsarchitekt Jörg Stötzer aus Stuttgart, der die grüne Mitte von Ebersbach gestaltet hat, entwarf ein Rechteck aus zweieinhalb Meter hohen Hainbuchen mit „Sitzkieseln“ und grünen Toren zur Markt- und Geislinger Straße. Durch diesen „Raum im Raum“ möchte er die unterschiedliche Bebauung neutralisieren. Von der Schützenstraße her sollen Schnurbäume in Verbindung mit einem Granitstreifen auf den Platz führen. Die Wasserfläche befindet sich bei ihm in der Mitte des Rahmens. LED-Streifen in Bewässerungsrinnen sollen für eine subtile Beleuchtung sorgen.

Weniger ist mehr, sagt sich sein Kollege Klaus von Bock und klappte die Grünfläche in seinem Entwurf kurzerhand an die Wand der Kita, an der die Pflanzen auf Spanndrähten empor wachsen. Er plante mit nur einem einzigen Baum, den er in eine Bank aus hellem Beton mit Holzauflage integrierte. Dort könnten dann die Mütter sitzen und auf ihre Kinder an der Wasserspielfläche davor aufpassen, so die Idee.

Stadträte überzeugt: „Platz bietet sich für Veranstaltungen an“

Michael Freche bemängelte auch hier die zwei vorgesehenen Stufen, die nicht nötig seien: „Ein vergleichbares Gefälle haben wir am Kornhausplatz auch gehabt.“ Barrierefrei sei der Platz dennoch, betonte von Bock.

Am traditionsreichen Göppinger Apostel-Hotel sind die Abbruch-Bagger im Einsatz. An seiner Stelle entsteht ein Nachbau – ein Novum für die Stadt.

„Wir würden einheitlich empfehlen, den Entwurf Stötzer weiter zu verfolgen, weil er der offenste ist und Weiterentwicklungsmöglichkeiten bietet“, sagte Professor Peter Cheret vom Gestaltungsbeirat. Dieser Empfehlung hätten sich sowohl die Vertreter von Nanz und der Wohnbau, von der die Kita gebaut wird, als auch die Verwaltung angeschlossen, ergänzte Baubürgermeister Renftle.

Die Stadträte waren mehrheitlich ebenfalls überzeugt: „Der Platz bietet sich für Veranstaltungen an“, meinte Dietrich Burchard von den Grünen. Er regte an, mehr Grün unterzubringen: „Ich habe Schwierigkeiten mit Plätzen, die zu stark versiegelt sind, die werden im Sommer zu heiß.“

„Der Platz hat gar nicht so wenig Sonne, wie man meinen mag“, räumte Professor Cheret ein. Die weiteren Entwürfe würden zeigen, ob sich Raum für noch mehr Pflanzen finden lässt.

Hohe Kosten durch Aufbereitungsanlage

Zu den Kosten konnte Renftle noch nichts sagen. Sie hängen unter anderem davon ab, ob der Wasserspielsplatz eine Kreislauftechnik benötige oder nicht: „Eine Aufbereitungsanlage verteuert das Ganze sofort.“ Fest steht jedoch für ihn: „Einen Hinterhof mit entsprechender Nutzung wünscht sich keiner zurück, wir wollen dort Leben haben.“

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Fassung des Online-Artikels war zu lesen, dass Michael Freche Stadtrat der Linken ist. Das ist falsch. Freche ist Stadtrat der Piraten und Mitglied der gemeinsamen Fraktion mit den Linken.

Das sagt der Gestaltungsbeirat

Urbaner Platz „Hier entsteht ein urbaner Platz, das ist außerordentlich“, lobte Professor Peter Cheret vom Gestaltungsbeirat der Stadt. „Es wird nicht Fläche kostengünstig versiegelt, wie man es sonst oft sieht.“ Die Frage sei, ob sie nur als Durchgangsplatz diene oder das Potenzial habe, Aufenthaltsqualität zu bieten.