Bereits vor der Sitzungspause des Geislinger Gemeinderats im Sommer hatte Grünen-Stadtrat Ismail Mutlu eine Resolution gegen die geplante Schließung der WMF-Kochgeschirr-Fertigung in Geislingen angestoßen. Dadurch stehen 150 Arbeitsplätze auf der Kippe. Seinerzeit hatte sich das Gremium darauf verständigt, keinen Schnellschusss zu machen, sondern erst nach den Sommerferien die Resolution zu veröffentlichen, so nun geschehen in der jüngsten Sitzung. Titel der Erklärung: „WMF ist Geislingen, Geislingen ist WMF“.

Gespräche mit WMF Geschäftsleitung und Betriebsrat

Ehe die Stadträte zur Abstimmung gebeten wurden und erwartungsgemäß einstimmig für die Vorlage votierten, hatte Oberbürgermeister Frank Dehmer noch einmal die Gründe für die doch recht späte Willensäußerung dargelegt: „Wir hatten vor der Sommerpause noch nicht mit dem Betriebsrat gesprochen – und es war uns wichtig, beide Seiten zu hören“, sagte das Stadtoberhaupt: „Wir als Gemeinderat sind ein Stück weit außenstehend und müssen schauen, auf was wir eine Resolution verfassen.“

Die Erklärung  solle den Arbeitnehmern, insbesondere den vom geplanten Stellenabbau betroffenen, den Rücken stärken, betonte Dehmer. Grundlage für die Resolution sei der Unternehmenskodex der Groupe SEB (siehe Infobox). Der französische Konzern, dem unter anderem die bekannten Marken Tefal, Rowenta, Krups, Moulinex und Emsa gehören, hatte im Frühjahr 2016 die WMF für 1,6 Milliarden Euro vom US-amerikanischen Finanzinvestor KKR übernommen. Genannter Kodex „steht nicht mit dem in Einklang, was da gerade bei der WMF passiert“, sagte Dehmer. Die Resolution gibt es auch in einer französischen Version, die an die Konzernleitung in Lyon geht.

Gemeinderat schockiert über geplanten Stellenabbau

„Der Geislinger Gemeinderat kann die Dimension der geplanten Schließung der Kochgeschirr-Produktion in Geislingen an der Steige und die Verlagerung an andere Produktionsstandorte innerhalb der Groupe SEB nicht nachvollziehen und ist besorgt um die Zukunft des Standorts“, heißt es wörtlich in der Erklärung. Der geplante Stellenabbau in der WMF Group – außer den 150 Stellen in Geislingen sind noch 250 weitere innerhalb des Unternehmens betroffen – schockiere das Gremium und werfe die Frage auf, wie viele Arbeitsplätze tatsächlich in Geislingen auf dem Spiel stünden.

Produktion am Standort Geislingen hat 170 Jahre Tradition

Der Gemeinderat bewertet die geplante Schließung in Geislingen als „herben Schlag“ sowohl für alle betroffenen Mitarbeiter als auch „für die Stadt selbst, deren Entwicklung schon über die letzten knapp 170 Jahre eng mit der Entwicklung der WMF am Standort Geislingen verbunden ist.“ Bürger und Vertreter der Stadt waren und seien nach wie vor stolz darauf, die die Weltfirma WMF und ihre Produktion vor Ort zu haben.

„Der Gemeinderat appelliert aus diesem Grund an die Verantwortlichen der Groupe SEB, die Geschäftsführung der WMF Group und deren Aufsichtsräte sich an den eigenen Verhaltenskodex der Groupe SEB zu halten“, heißt es weiter. Und: „Wenn Sie die von Ihnen selbst propagierten Werte wirklich leben wollen, dann ist das geplante Vorgehen bei der WMF Group in Geislingen damit nicht zu vereinbaren.“ In diesem Kodex spricht die Groupe SEB unter anderem von der „wirtschaftlichen und sozialen Verantwortung“ des Konzerns in den Regionen, in denen er arbeitet.

Schließung der Kochtopf-Fertigung vermeidbar?

Stadtverwaltung und Gemeinderat hatten nach den Gesprächen mit der WMF-Geschäftsführung und dem Betriebsrat den Eindruck, dass man – gemeinsam mit Betriebsrat und Mitarbeitern – auch andere Lösungen finden könne, um die wirtschaftlichen Ziele der WMF-Group und der Groupe SEB zu erreichen, „ohne die Kochgeschirrfertigung am Standort Geislingen schließen und hunderte Arbeitsplätze abbauen zu müssen“. Als Grund für die Schließung nennt die WMF, dass die hiesige Kochgeschirr-Fertigung unrentabel ist.

Der Gemeinderat appelliert an WMF und Groupe SEB, die „eigenen ethischen Standards ernst zu nehmen“ und Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern vor Ort zu zeigen, „die sich mit Ihrer Arbeitskraft schon über Jahre und teilweise Jahrzehnte hinweg für das Unternehmen einbringen. (. . .) Treten Sie dieses Engagement nicht mit Füßen“. Die Stadt und die Region würden auch weiterhin Arbeits- und Ausbildungsplätze der WMF am Standort Geislingen brauchen. Der Gemeinderat sei zum persönlichen Gespräch bereit, um der Groupe SEB die „Bedeutung und Tragweite der Entscheidungen für die Stadt näher zu erläutern“.

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Code of Ethics Der Geislinger Gemeinderat beruft sich in seiner Resolution gegen die geplante Schließung der WMF-Kochgeschirr-Fertigung in Geislingen und dem damit drohenden Arbeitsplatzabbau auf den „Code of Ethics“, also den Ethik-Kodex der WMF und der Groupe SEB, ein 22 Seiten umfassendes Werk. Konkret bezieht sich die Resolution auf den Abschnitt „Gesellschaftliches Engegament“. Dort steht: „Wir stehen zu unserer wirtschaftlichen und sozialen Verantwortung in den Regionen, in denen wir arbeiten. Wir schaffen nicht nur Arbeitsplätze, sondern unterstützen die Entwicklung von Unternehmen am Ort, darunter auch solchen, die eine Schlüsselrolle für eine soziale und solidarische Wirtschaft spielen.“ Den Ethik-Kodex gibt es als Download auf der WMF-Homepage unter „Rechtliches“.