Es ist still im Computerraum des Michelberg-Gymnasiums. Dabei schreibt die 5c in dieser fünften Schulstunde am Donnerstag keine Klassenarbeit. Im Gegenteil, momentan findet sogar Unterricht statt, bei dem es weder Tests noch Noten gibt: Tastaturtraining.

Das gehört im MiGy zum erweiterten Schulkonzept und ist deshalb Pflichtunterricht in Form einer AG (Arbeitsgemeinschaft). „Verpflichtend deshalb, weil das Schreiben mit zehn Fingern auf der Computertastatur heutzutage zu den Grundfertigkeiten im Leben und im Beruf gehört. „Es ist quasi eine Kulturtechnik“, erläutert Schulleiter Heiner Sämann.

Bis 2012 noch freiwillig und kostenpflichtig

Dass es dieses besondere Training als Schulangebot gibt, ist nicht selbstverständlich. Vor 2012, also bevor das MiGy Ganztagesschule wurde, war das Angebot freiwillig, die Volkshochschule kooperierte mit dem MiGy und bot das Tastaturtraining kostenpflichtig an der Schule an.

In diesem Jahr sind es die Elftklässler Florian Schulz und Jennifer Taufer, die den Fünftklässlern das Tippen mit allen Fingern beibringen. Im ersten Halbjahr waren es Schüler der 5a und 5b, jetzt im zweiten sind die Schüler der 5c auf zwei Computerräume aufgeteilt.

Florian, der sich als Flo vorstellt, macht das gern. Er sei eh in der Schule und das sei seine Mittagspause, sagt er und ergänzt: „Das ist ein sinnvoller Zeitvertreib, bevor ich bloß rumsitze und mich langweile.“

Schüler konzentriert bei der Sache

Außerdem habe er Spaß an der Arbeit mit den Fünfern und Geld erhalte er dafür auch. Laut Heiner Sämann ist das eine Art Aufwandsentschädigung für die Oberstufenschüler, die das MiGy aus dem Jugendbegleiter-Programm der Jugendstiftung Baden-Württemberg erhält.

Dass die Schüler so leise sind, finden weder Sämann noch Florian Schulz erstaunlich. „Wenn Kinder am PC sitzen, sind sie eigentlich immer konzentriert bei der Sache“, weiß der Schulleiter, die Hauptaufgabe der Betreuer liege in erster Linie darin, bei auftauchenden Fragen Antworten zu geben und darauf zu achten, dass die Schüler tatsächlich nur das für sie vorgesehene Programm am Computer anwenden. Das heißt „Tipp 10“ und besteht aus 20 Lektionen. Jede Lektion baut auf der vorhergehenden auf.

Jeder arbeitet anders

Auf dem Bildschirm erscheint eine Tastatur, der zu schreibende Buchstabe taucht farbig auf und am unteren Rand steht, mit welchem Finger er getippt werden soll.

Die Aufgaben jeder Lektion sollen so schnell und so fehlerfrei wie möglich geschrieben werden, bevor die Schüler zur nächsten Lektion übergehen.

Im Gespräch wird aber deutlich, dass sich jeder Schüler je nach Charakter auf die Lektionen einlässt. Sophie etwa kämpft immer noch bei Lektion 1, weil sie die erst wirklich beherrschen will, bevor sie mit Lektion 2 weitermacht. Oskar dagegen ist viel zu neugierig, was auf ihn zukommt. „Ich mach es nicht der Reihe nach, jetzt mach ich grad Lektion 8“, erzählt er stolz. Er findet das Zehnfingerschreiben zwar nicht schwer, sagt er, aber wenn er nicht im Tastaturtraining sitzt, schreibt er nach wie vor noch mit zwei Fingern. „Bis ich freiwillig mit zehn Fingern schreibe, da muss ich noch viel üben“, bekennt er grinsend. Maja dagegen versucht auch zu Hause immer wieder schon mit zehn Fingern zu arbeiten.

Das Problem mit dem „C“

Es ist erst das zweite Tastaturtraining der Klasse 5c, aber auch Leonard probiert sonst bei jeder Gelegenheit, mit zehn Fingern zu tippen: „Wir haben dienstags ja auch Medienbildung, da üb ich das auch immer“, berichtet er. Kira bearbeitet ebenfalls bereits Lektion 5. Das C zu tippen findet sie ausgesprochen schwierig. „Weil man da mit dem Mittelfinger der linken Hand auf die untere Reihe muss. Dafür muss ich ja die Hand schräg halten. Ich finde mit dem Zeigefinger wäre das viel leichter.“

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