„Es wird noch eine Weile dauern, bis wir ohne Kloß im Hals über diesen Zebrastreifen gehen können.“ Die Mutter des fünfjährigen Jungen, der auf dem Zebrastreifen in Eybach von einem Auto angefahren wurde, erzählt von den Nachwirkungen des Unfalls. Die Eybacherin steht etwa zwei Wochen nach dem Erlebnis an der Unfallstelle und beobachtet, wie ihre sechsjährige Tochter mit anderen Kindern die Straße auf dem Fußgängerüberweg überquert.

An der Von-Degenfeld-Straße, auf der sich der Unfall ereignete, fand am Freitagvormittag ein Schulwegtraining mit der Polizei statt. Kinder, die die erste und zweite Klasse an der Grundschule in Eybach besuchen, sollen das Verhalten im Verkehr lernen. Vertreter des Referats Prävention des Polizeipräsidiums Ulm zeigen den Grundschülern beim gemeinsamen Überqueren der Straße, wie man sicher auf die andere Straßenseite kommt.

Nach Unfall in Eybach: Kinder absolvieren Schulwegtraining mit der Polizei

„Links schauen, rechts schauen, links schauen“, spricht Polizist Bernd Steinwand im Chor mit den Kindern, wie sie es eingeübt haben. Im Klassenzimmer haben die Grundschüler die wichtigsten Verkehrsregeln für Fußgänger gelernt und erfahren, worauf sie achten müssen. Wenn kein Auto kommt oder das Fahrzeug stehen bleibt, dürfen die Grundschüler losgehen.

Geislingen

Die Schüler machen fleißig mit und fassen schnell Vertrauen zu den Männern und Frauen in Uniform, die ihnen mehr Sicherheit mit auf den Weg geben wollen. Und auch die meisten Autofahrer nähern sich dem Fußgängerüberweg langsam und halten rechtzeitig an.

Die Polizisten haben eine Signalwirkung – eine solche könne auch eine Ampel an dem Zebrastreifen erzielen, meint Ingrid Veeser, Rektorin der Grundschule. Eine Ampel wünschen sich auch viele Eltern, die deshalb zur Zeit Unterschriften sammeln und diese der Geislinger Stadtverwaltung vorlegen wollen.

Verhalten im Verkehr ist Thema im Unterricht

Was vor zwei Wochen in Eybach passierte, soll sich nicht wiederholen – da sind sich alle einig, die an der Aktion beteiligt sind. Der Unfall war Anlass für das Schulwegtraining, erklärt Veeser, eine Mutter habe das Thema angeregt. Die Schule veranstaltet grundsätzlich zu Schuljahresbeginn eine ähnliche Übung mit den Erstklässlern – bloß ohne polizeiliche Unterstützung. Auch im Unterricht wird das Thema Verkehrserziehung behandelt, erklärt Veeser. Die Schulleiterin fände es gut, wenn die Mädchen und Jungen bereits im Kindergarten auf praktische Weise für das Thema sensibilisiert würden und steht deshalb mit der Leiterin der Villa Kunterbunt in Kontakt.

Außer der Mutter des Fünfjährigen sind noch weitere Mütter der Einladung der Schulleiterin gefolgt und beobachten ihre Kinder beim Schulwegtraining. Jeannette Grünenpütt ist dankbar für diese Aktion: „Wir wohnen in einem ruhigen Gebiet, unsere Kinder kennen den starken Verkehr nicht“, sagt die Mutter von sechsjährigen Zwillingen aus Waldhausen. „Außerdem fahren viele Autofahrer auf der Hauptstraße nicht mit Tempo 50.“ Momentan fährt sie ihren Sohn und ihre Tochter noch zur Schule, bald sollen die Zwillinge aber eigenständig mit dem Bus und zu Fuß ans Ziel kommen – so sicher wie nur möglich.