Für Oberbürgermeister Wolfgang Amann wars am Mittwochnachmittag die letzte Gemeinderatssitzung - und dabei stand er auch noch unter doppeltem Zeitdruck: Der Gemeinderat drängte darauf, die meisten Arbeiten für die rund 15 Millionen Euro teure Sanierung des Michelberg-Gymnasiums (MiGy) noch vor der Sommerpause auf den Weg zu bringen, während im Foyer des Kapellmühlsaals bereits die ersten Gäste zur offiziellen Verabschiedung des Oberbürgermeisters eintrafen.

"Unumwunden und ehrlich" räumte Amann ein, dass die Vergabe mit einem Volumen von 8,2 Millionen Euro "mit heißer Nadel gestrickt" sei. Die Stadträte hatten sogar zunächst noch etwa 20 Minuten hinter verschlossener Tür über das erst am Mittwoch eingegangene Ergebnis einer neuerlichen Ausschreibung unter anderem für Fassaden- und Verglasungsarbeiten beraten müssen.

Wäre es nach Amann gegangen, wären freilich nur die Arbeiten für die Innensanierung des Gebäudes vergeben worden - und zwar aus Fairness gegenüber seinem Amtsnachfolger Frank Dehmer. Der hatte den Fraktionen mit Schreiben vom 13. Juli seine Bedenken gegen die energetische Sanierung der Außenfassade vorgetragen. Amann erklärte, er wolle ihn nicht vor vollendete Tatsachen stellen. Auch Holger Scheible (CDU) teilte zunächst diese Meinung, zumal ein solch großes Projekt nicht gegen den Willen des neuen Stadtoberhaupts realisiert werden sollte. Auch ohne die Vergabe der Außenfassade hielt er nach den Darlegungen einer aktualisierten Sitzungsvorlage einen sofortigen Baubeginn für möglich.

Amann wollte Dehmer entgegenkommen

Angesichts dieses Vorschlags zeigte sich Architekt Professor Dr. Horst Höfler konsterniert: "Ich sitze hier und bin eigentlich völlig ratlos." Die Maßnahme in eine "innere und äußere Sanierung" aufzuteilen, sei "eigentlich dummes Zeug", erklärte er und wies darauf hin, dass eine Teillösung den Ablauf der Maßnahme erheblich beeinträchtigen und zu enormen zeitlichen Verzögerungen führen würde. Er prognostizierte in einem solchen Fall die Fertigstellung erst für Ende 2016. Folge: Weil das Gebäude einmal mehr Energie erzeugen soll, entstünden zusätzliche Kosten. Denn es würde dann auch erst viel später Strom und Wärme produziert. Dadurch wiederum entstünden zusätzliche Energiekosten in Höhe von mehr als 120.000 Euro.

Sascha Binder (SPD) zeigte sich ohnehin verwundert über den Vorschlag der Verwaltung. Einerseits warte eine Schule seit Langem auf eine Sanierung, andererseits übe der künftige Oberbürgermeister (er war als Zuhörer anwesend) sowohl am Verfahren als auch an der energetischen Sanierung Kritik - doch stelle sich die grundsätzliche Frage, ob der Gemeinderat nach der Sommerpause seine Meinung ändere. Binder: "Ich glaube nicht." Er appellierte deshalb eindringlich an das Gremium, die Arbeiten zu vergeben - und erntete damit Beifall aus den Zuhörerreihen, die von Vertretern des Michelberg-Gymnasiums stark gefüllt waren. Auf ähnliche Zustimmung stieß Ludwig Kraus (FW), der sich mit einem Stopp der Vergaben nicht abfinden wollte. Dies habe auch nichts mit einem Vertrauensverlust für den neuen Oberbürgermeister zu tun.

Dr. Hansjürgen Gölz (SPD) erklärte, man könne von Amanns Nachfolger verlangen, dass er die bisherigen Beschlüsse akzeptiere. Er machte deutlich: "Das ist die Stunde des Gemeinderats und vielleicht nicht des OBs." Angesichts der technischen Ausführungen des Architekten schwenkte auch Holger Scheible um: Er habe keine Probleme, seine zuvor geäußerte Meinung zu ändern, bei der er sich auf die nachgeschobene Sitzungsvorlage berufen habe. Damit jedoch sei das Gremium auf eine "falsche Fährte" gelockt worden. Dass die Techniker im Rathaus dies unterstützt hätten, sei "nicht in Ordnung" gewesen. Scheible resümierte zu der diskutierten Teilsanierung: "Die Realität sieht so aus, dass dies gar nicht erfüllbar ist."

Bei vier Enthaltungen sprach sich der Gemeinderat für den "Ausschreibungsblock" aus, in dem die Verglasungsarbeiten an der Fassade mit 1,6 Millionen Euro den dicksten Brocken darstellen (vergeben an Firma Hörmann in Zusmarshausen), gefolgt von der Absorberkollektoren-Glasfassade mit 815 917 Euro (vergeben an GS Schneider in Stimpfach) sowie der Holzkonstruktion für die Fassadenarbeiten in Höhe von 912 780 Euro (vergeben an Holzbau Stahl, Kuchen).