Museumsbahn Knochenjob auf schmalem Gleis

Oppingen / Jochen Horndasch 05.05.2018

Der Gleisbau ist  Knochenarbeit wie vor 100 Jahren“, sagt Peter Schumacher. Er muss es wissen. Der gelernte Ingenieur und Berufschullehrer ist seit 1987 Mitglied bei den Ulmer Eisenbahnfreunden und gehört zur Sektion Albbähnle, die für die Strecke von Amstetten nach Oppingen verantwortlich ist.

Sechs Kilometer sind von den knapp 20 Kilometern der einst bis Laichingen führenden Schmalspurbahn vom Abriss verschont geblieben. Dieser Abschnitt wird von den 20 Mitgliedern der Sektion Albbähnle gehegt und gepflegt. Dazu gehört die Wartung der Dampf- und Diesellok, der Personen- und Güterwagen sowie der technischen Gerätschaften. Jahr für Jahr müssen auch 200 bis 300 alte und zum Teil morsche Schwellen gegen neue Buchen- oder Eichenschwellen ersetzt werden. Das ist schweißtreibende Knochenarbeit, weil es nach Schumachers Worten für die Schmalspurbahn so gut wie keine passenden Maschinen gibt, die Muskelkraft ersetzen. Lediglich der Schotterwagen und der Stopfer, mit dem der Schotter im Gleisbett verdichtet wird, stehen zur Verfügung. Alles andere ist weitgehend Handarbeit.

Ein etwa 200 Meter langes Gleisstück beim Bahnhof Oppingen mit knapp 300 Schwellen im Abstand von jeweils 70 Zentimetern stand dieses Jahr auf dem Arbeitsprogramm. Um die Jahreswende ging es los. Bis zu acht Mitglieder schufteten an Wochenenden und nach Feierabend an dem neuen Gleisstück, lediglich gebremst durch Schnee, Bodenfrost und eisige Kälte. Neue jeweils 30 Euro teure Schwellen wurden im frisch gemachten Schotterbett verlegt und die Schienen mit jeweils sechs gewaltigen Schrauben pro Schwelle daran befestigt.

Dabei ist Maßarbeit gefragt. Nicht nur weil es keine Unebenheiten geben darf. Auch der Abstand von Schiene zu Schiene muss weitgehend eingehalten werden. „Eine Toleranz von maximal zwei Zentimeter ist bei der Spurbreite von 100 Zentimeter gerade noch zulässig“, sagt  Heinrich Merkel, der seit 1973 bei den Ulmer Eisenbahnfreunden ist. Weil das Albbähnle Personen befördert, müsse jede Baumaßnahme, insbesondere der Gleisbau, von Fachleuten abgenommen werden. Für die altgedienten Hobbyeisenbahner sind solche Bestimmungen eher Formsache und geben so gut wie nie Anlass zur Kritik. Was den Zeitplan angeht, gibt es bei den Eisenbahnfreunden ebenfalls keine Kompromisse. Im Gegensatz zu Stuttgart 21 wurde das Arbeitspensum pünktlich Ende April beendet. Vor dem Start in die Saison 2018 am 1. Mai konnte bei beiden Gleisen am Bahnhof Oppingen Vollzug gemeldet werden. Mehr noch: Auch an die Fahrgäste mit Behinderungen wurde im Rahmen der Gleissanierung gedacht. Im Gegensatz zu Geislingen ist der kleine Bahnhof Oppingen ab jetzt barrierefrei.

Der pünktliche Saisonstart am Tag der Arbeit war allerdings mit einem Wermutstropfen verbunden. Die ehemalige Bundesbahn-Dampflok 997203, die 1904 bei der Berliner Firma Borsig in Berlin gebaut wurde und seit 1990 auf der Strecke  Amstetten-Oppingen verkehrt, muss überholt werden und wird die nächsten Monate nicht zur Verfügung stehen. Eine rumänische Diesellok mit einem MAN-Sechszylinder-Reihenmotor springt dafür bis September ein. Doch Grund zum Jammern gibt es nicht. In den vergangenen 28 Jahren seit Inbetriebnahme der Strecke zwischen Amstetten und Oppingen hat die 300 PS starke Dampflok keine Ermüdungserscheinungen gezeigt. Sie lief ohne Probleme und schluckte pro Fahrt 300 Kilogramm Steinkohle, die im Kessel verbrannten. Im Herbst letzten Jahres wurden aber einige Siederohre des Dampfkessels undicht. Die 23 Tonnen schwere Lok wurde aus dem Verkehr gezogen. Im November ging es via Tieflader mit abgebauten Nebenaggregaten und 18 Tonnen Transportgewicht zu einer Spezialfirma nach Bruchsal. Seither wird dort der alte Dampfkessel generalsaniert und ein neuer Rohrsatz eingebaut. Im Juni soll die Lok wieder nach Amstetten zurückkehren und wird von den Ulmer Eisenbahnfreunden zusammengebaut und fit gemacht. Spätestens im September soll das Dampfross dann erneut seinen Dienst antreten. Dann wird es die sechs Kilometer lange Strecke mit ihren 120 Höhenmetern mitsamt den angehängten fünf Personenwagen wie gewohnt mühelos überwinden.

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