Von Jochen Kohns Schirm tropft der Regen, doch davon lässt er sich nicht die gute Laune verderben. Der Geislinger ist an diesem Sonntagmittag wie rund 3200 weitere Fußballfans ins SC-Stadion gepilgert, um ein Spiel zu erleben, das es in dieser Konstellation wohl nur exakt dieses eine Mal geben dürfte: Auf dem Rasen kicken Jürgen Klinsmann und Guido Buchwald unter anderem zusammen mit Jens Nowotny, Maurizio Gaudino, Cacau, Thomas Hitzlsperger und Gerald Asamoah. „Super“, sagt Kohn dazu und strahlt bis über beide Backen. „Und dazu ist es noch für einen guten Zweck; das ist eine richtig tolle Veranstaltung.“

Trotz fieser Regenschauer harren die Fußballfans unverdrossen aus

Der Geislinger könnte jetzt gemütlich zu Hause vom Sofa aus zugucken – das Spiel wird von Sport1 live übertragen –, aber er will unbedingt das Stadionfeeling, komme, was wolle. Damit ist er nicht alleine. Trotz fieser Regenschauer und Temperaturen, die an Weihnachten und Glühwein denken lassen, harren die Fußballfans unverdrossen miteinander aus, bejubeln Tore und kommentieren Beinarbeit und Pässe. Frenetisches Klatschen wie drüben auf der überdachten Tribüne geht auf den Stehplätzen nicht – die eine Hand hält den Schirm, die andere steckt in der warmen Jackentasche –, na, dann wird halt mit den Beinen gestampft und gegen die Absperrung gedonnert, wenn Anfeuerung nötig ist.

Klinsmann: Kinderhaus K 19 soll Sechs- bis Zwölfjährigen „Energie geben“

Stefan Barth hat es morgens beim Fototermin mit der SWR-Herzenssache (Infokasten) im Kinderhaus K 19 in der Oberen Stadt mit optimistischem Ansatz auf den Punkt gebracht: „Bei der Kälte ist das Motto: ‚Zusammenrücken’.“ Und er fügt noch hinzu: „Ohne Gießen geht es nicht.“ Damit meint Barth aber nicht mehr die Stadiongäste, sondern das Kinderhaus und dessen Zukunft. Der gebürtige Geislinger ist geschäftsführender Gesellschafter der Agapedia-Stiftung, die er mit Jürgen Klinsmann gegründet hat. Dieser bringt auf den Punkt, was es mit dem Gießen auf sich hat: „Das K 19 ist ein Projekt, das von den Leuten gelebt und mit Energie gefüllt wird.“

Losgehen soll es noch dieses Jahr, wie Sozialpädagogin Sonja Maurer erklärt, die das Kinderhaus leiten wird und ihre Stelle zum 1. September angetreten ist. Das K 19 soll Anlaufstelle für alle Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren in der Oberen Stadt sein – mit Angeboten etwa zum Sporteln, Musik hören, Werken und Kochen. Klinsmann ist überzeugt: „Das wird den Kindern Energie geben.“ Er bekennt lachend: „Als ich letztes Mal hier war, war es halt echt noch dreckig. Es ist fantastisch, was jetzt entstanden ist.“

Fußball K19 Benefizspiel (Teil 1)

Noch schnell ein paar Fußbälle signieren, Fotos machen – dann muss Klinsmann ins SC-Stadion. Dass alle kommen und mitkicken, wenn er anfragt, das sei halt dem Fußball-Netzwerk zu verdanken, meint er bescheiden.

Ex-SC-Spieler Thomas Wolf übte vor dem Spiel noch Seilspringen

Thomas Wolf gehört da auch dazu. Der ehemalige SC-Spieler sagte sofort zu, sich für das Benefizspiel ins Tor zu stellen, wie seine Frau Sandra erzählt, die ihn mit Verwandten und Freunden im Stehplatzbereich anfeuert. Er habe vergangene Woche noch fleißig Seilspringen geübt und Dehnübungen gemacht. Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: „Jetzt hoffe ich bloß, dass er sich nichts bricht, er ist ja nicht mehr der Jüngste.“

Die Sorgen sind unbegründet: Alle kommen am Ende heil vom Platz – klitschnass, aber bejubelt von ihren unermüdlichen Fans.

Fußball K19 Benefizspiel (Teil 2)

Das Kinderhaus K 19 in der Oberen Stadt


Die SWR-Aktion ­„Herzenssache“ unterstützt das K 19 mit 200 000 Euro. Damit wird für drei Jahre die Stelle der Leiterin Sonja Maurer finanziert. Geislingen steuert 300 000 Euro bei. Lokale Akteure wie das Mehrgenerationenhaus, der Verein Genclik und das Berghaus Sankt Michael haben bereits Interesse bekundet, bei der Programmgestaltung und Betreuung der Kinder im Kinderhaus mitzuwirken. Kooperationspartner können Vereine, Schulsozialarbeit, Musikschule und Stadtbücherei, aber auch ­lokale Firmen sein.

Für die Stadt sei das K 19 eine wunderbare Ergänzung, wie Stadtjugendreferent Klaus Nickel erklärt: „Der Bedarf ist definitiv da; wir brauchen so ein Betreuungsangebot in Geislingen.