Ange ist 30 Jahre alt. Sie stammt aus Kamerun, wo sie verheiratet war. Ihr Mann – von dem sie vier Kinder hat – ist mittlerweile gestorben. Als sie ein Arbeitsangebot erhielt, im kurdischen Teil des Iraks als Haushaltshilfe zu arbeiten, schien das für die junge Frau die einzige Möglichkeit zu sein, ihre Kinder über die Runden zu bringen. Im Irak jedoch fiel Ange Menschenhändlern in die Hände, wurde als Haussklavin verkauft, musste ohne Entlohnung schuften und wurde immer wieder vergewaltigt.

Ange wurde schwanger, floh – und hatte in Marokko erstmals Glück in ihrem Unglück: Sie landete in Rabat beim Projekt „Welcoming Children“ des Internationalen Hilfsdienstes (eine Art Diakonieeinrichtung) der evangelischen Kirche in Marokko. „Das ist die einzige Einrichtung in Marokko, die schwangeren Frauen und ihren Kindern hilft“, sagt die Geislinger Pfarrerin Yasna Crüsemann. Für einige Marokkaner seien Migranten, egal aus welchem Grund sie nach Marokko kommen, per se schon Menschen zweiter Klasse. Migranten-Frauen stünden aus der Sicht eines Teils der marokkanischen Gesellschaft noch eine Stufe tiefer und unverheiratete Migranten-Frauen mit Kind hätten so gut wie gar keine Chance auf eine Zukunft. „Sie sind die verwundbarsten Menschen dort“, erläutert die Theologin.

Ange ist nur eine von vielen Frauen bei „Welcoming Children“, denen Yasna Crüsemann bei ihrem halbjährigen Marokkoaufenthalt begegnet ist (wir berichteten). Sie ist eine der wenigen, die Crüsemann offen ihre Geschichte erzählt hat. Die einzige hauptamtliche Sozialarbeiterin des Projekts, Pamela, dagegen kennt die Schicksale der Frauen, die bei ihr landen. Die meisten schämten sich, weil der Verkauf ihres Körpers auf der Reise, die hinter ihnen liegt, die einzige Möglichkeit gewesen sei, zu überleben. Andere schämten sich dafür, vergewaltigt worden zu sein, hat die Sozialarbeiterin Yasna Crüsemann berichtet.

Geislingen

Ange geht es momentan relativ gut. Sie hat dank „Welcoming Children“ einen sicheren Schlafplatz, sie erhielt Unterstützung bei der Geburt ihrer kleinen Tochter Urielle und eine Erstausstattung für das Baby. Pamela Prudence Mbelabomi setzt sich darüber hinaus zurzeit dafür ein, dass Ange für sich  Ausweispapiere und für ihr Baby eine Geburtsurkunde erhält. Solche Dokumente sind die Voraussetzung dafür, in das Zivilstandsregister in Marokko aufgenommen zu werden und damit offiziell zu existieren.

„Nur so ist bei Bedarf medizinische und pädagogische Hilfe möglich. Es geht um eine Zukunft für die Kinder“, macht Yasna ­Crüsemann deutlich. Aber auch für deren Mütter, die dank der Papiere und der Unterstützung eine Perspektive für sich im Land sehen – und dadurch nicht gezwungen werden, den gefährlichen Weg nach Europa zu riskieren. Für die Pfarrerin ist das Projekt ein Akt der Nächstenliebe: „Weil schon Jesus gesagt hat: Wer ein Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf!“ Die evangelische Kirche in Marokko hat nicht die finanziellen Mittel, mehr als eine Sozialarbeiterin für das Projekt „Welcoming Children“ (deutsch: Kinder willkommen heißen) einzustellen. Da jedoch fast 50 Prozent der migrantischen Bevölkerung Marokkos Frauen sind, steigt der Bedarf an entsprechender Hilfe.

Die Spenden lässt Yasna ­Crüsemann über den Kirchenkreis Jülich im Rheinland direkt dem Projekt zukommen. Der Kirchenkreis Jülich ist Partnerkirche der evangelischen Kirche in Marokko und hat enge Beziehungen.

Info Zugunsten der GZ-Aktion gibt es viele Veranstaltungen. Dazu sollte auch die GZ-Night am 11. Januar in der Jahnhalle zählen, bei der die Gruppe „Campfire“ um den Geislinger Oberbürgermeister Frank Dehmer auftreten wollte. Die Gruppe hat ihre Teilnahme allerdings aus persönlichen Gründen abgesagt – die Veranstaltung muss leider ausfallen. Die GZ dankt allen Helfern ganz herzlich, die sich bei der GZ-Night einbringen wollten.

Die Evangelische Kirche in Marokko ist eine Kirche für Migranten


Die Evangelische Kirche in Marokko ist eine wachsende Kirche, ihre Mitglieder sind fast ausschließlich Migranten. Das sind sowohl Arbeitssuchende als auch Flüchtlinge – vorwiegend aus der Sub-Sahara – sowie junge Menschen, die studieren wollen. 
  Die Kirche versucht, Hilfsprogramme gegen die Armut unter den Migranten zu entwickeln, teilt vor der Kirche Essen aus oder gibt Gebrauchtkleider an Bedürftige ab. Der Name „Internationaler Hilfsdienst“ des Diakoniebereichs bezieht sich auf die Internationalität der Zielgruppe. Die Kirche hat nicht die finanziellen Mittel, mehr als eine Sozialarbeiterin für das Projekt „Welcoming Children“ (deutsch: Kinder willkommen heißen) einzustellen. Da jedoch fast 50 Prozent der migrantischen Bevölkerung Marokkos Frauen sind, steigt der Bedarf an entsprechender Hilfe.

Die Spenden lässt Yasna Crüsemann über den Kirchenkreis Jülich im Rheinland direkt dem Projekt zukommen. Der Kirchenkreis Jülich ist Partnerkirche der Evangelischen Kirche in Marokko und hat enge Beziehungen.