Man kennt es von vielen Wirtschaftsunternehmen und aus der Industrie: Der Unternehmenserfolg wird oft von der Größe bestimmt. Doch lässt sich diese Formel so einfach auf andere Wirtschaftsbereiche übertragen? Die Wohnungswirtschaft ist so ein Beispiel. Kaum irgendwo herrscht derzeit ein solcher Nachfragedruck und gleichzeitig ein Mangel beim Angebot. Hilft es da, wenn auch Wohnungsunternehmen durch Größe effizienter werden? Hannah Schmid, Absolventin des Masterstudiengangs Immobilienmanagement an der Hochschule für Wirtschaft und Unwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), hat dies in ihrer vom Institut für Kooperationswesen (IfK) ausgezeichneten Abschlussarbeit untersucht.

Auf dem deutschen Wohnungsmarkt gab es in den vergangenen Jahren einige spektakuläre Unternehmenskäufe und Fusionen. 2015 etwa hatte die Übernahme der Gagfah durch die Deutsche Annington – das neue Unternehmen firmiert seither unter Vonovia – für Schlagzeilen gesorgt. Vor diesem Hintergrund stellt Hannah Schmid in ihrer Masterarbeit die Frage, ob große Wohnungsunternehmen von nennenswerten Kostenvorteilen profitieren, und wie man diese Größeneffekte messen kann. Professor Dr. Markus Mändle, Leiter des Instituts für Kooperationswesen, spricht „von Skalen-, Verbund- und Transaktionskosteneffekten, die wir vor allem aus Industriebetrieben kennen“. Spannend sei dagegen, in welchem Ausmaß auch Wohnungsunternehmen von diesen Kostenvorteilen profitieren können.

Wie Hannah Schmid in ihrer Arbeit zeigt, sind bei großen Wohnungsunternehmen gewisse Größenvorteile, vor allem im Bereich der Verwaltungskosten, nachweisbar. Allerdings ist dies nur in geringerem Umfang als bei Industrieunternehmen der Fall, die häufig deutliche Massenproduktionsvorteile realisieren. Außerdem sind die Kostenstrukturen von großen und kleinen Wohnungsunternehmen aufgrund der unterschiedlichen Aufbau- und Ablauforganisation nicht direkt vergleichbar. „Es ist daher zu vermuten, dass unterschiedliche optimale Betriebsgrößen bei unterschiedlichen Kostenstrukturen beziehungsweise Größenklassen existieren“, schlussfolgert Professor Mändle. Klar ist: Die Unternehmensgröße allein ist nicht entscheidend. Auch kleinere Wohnungsunternehmen können effizient arbeiten und erfolgreich am Markt bestehen.

Von diesen Erkenntnissen profitiert die Wohnungswirtschaft, unter anderem auch die vier Preisstifter: die Stuttgarter Wohnungsgenossenschaften BGC Baugenossenschaft Bad Cannstatt eG, Baugenossenschaft Feuerbach-Weilimdorf eG, BGZ Baugenossenschaft Zuffenhausen eG sowie die GWF Wohnungsgenossenschaft eG. Diese vier Unternehmen gehören dem Beirat des Instituts für Kooperationswesen an und stiften in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal in Folge den IfK-Preis an Studierende der HfWU.

„Ein derart beständiges und nachhaltiges Engagement ist keineswegs selbstverständlich und es ist den Genossenschaften und ihren Vorständen ganz herzlich für ihre langjährige Unterstützung unserer Studierenden zu danken“, sagte Professor Mändle in seiner Laudatio.

Enge Vernetzung mit der Praxis


Seit genau zehn Jahren vergibt das Geislinger Institut für Kooperationswesen (IfK) einen Preis für herausragende studentische Leistungen in den Studiengängen Immobilienwirtschaft. Der Preis fördert den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen der Wissenschaft und der genossenschaftlichen Wohnungswirtschaft und soll die Studenten enger mit der Praxis vernetzen.

Das Institut für Kooperationswesen ist eine wissenschaftliche Einrichtung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU). Das Institut betreibt praxisorientierte Forschung, vor allem im Bereich der Genossenschaften.