Geislingen Geislingerin wird Ersatzmama für Entenküken

Den Mutigen gehört die Welt: Dieses Entenküken traute sich nicht nur ganz nah an die Schildkröte der Familie Müller-Hagmann, sondern wagte sich auch als erstes in die Rohrach.
Den Mutigen gehört die Welt: Dieses Entenküken traute sich nicht nur ganz nah an die Schildkröte der Familie Müller-Hagmann, sondern wagte sich auch als erstes in die Rohrach. © Foto: Stefanie Müller-Hagmann
Geislingen / Celina Sautter 22.09.2018
Stefanie Müller-Hagmann aus Geislingen hat fünf Entenküken adoptiert und bei sich zu Hause groß gezogen.

Die Geislingerin Stefanie Müller-Hagmann ist dieses Frühjahr zur Ersatzmama für fünf verwaiste Entenküken geworden. Ohne sie hätten die Kleinen den Sommer wohl nicht erlebt.

Findling Nummer eins irrte ganz alleine bei der Berufsschule in der Rheinlandstraße umher und landete beim Ordnungsamt. Stefanie Müller-Hagmann ist Mitarbeiterin des Tierschutzvereins Geislingen und nahm das Findelkind zu sich: „Das war erst mal was ganz Neues für mich, da ich sonst noch nie Entenbabys bei mir hatte“, erzählt sie.

Doch was frisst so ein Tier­baby am liebsten? Und was braucht es sonst zum Glücklichsein? Stefanie Müller-Hagmann und ihr Mann holten sich Tipps beim Naturschutzbund. Da das Entenküken noch so jung war, brauchte es viel Wärme – die es normalerweise von seiner Mutter bekommen hätte. Die Tierschützerin besorgte deshalb Kirschkernkissen und eine Wärmelampe, damit das Küken es schön warm hatte.

Doch der Anfang gestaltete sich schwierig: Das Entenbaby wollte nicht fressen, die Adoptivmutter war kurz davor, es mit einer Spritze zu ernähren. Vermutlich habe sich das Küken alleine gefühlt, meint sie.

Geschwister fürs Findelkind

Wie es der Zufall wollte, klingelte ein paar Tage später das Telefon im Tierheim: Ein junger Mann hatte vier kleine Entenküken aufgesammelt und in Sicherheit gebracht, nachdem die Mutter beim Überqueren einer Straße von einem Auto erfasst worden war. Alleine hätten die kleinen Entenkinder nicht überleben können. Keine Frage: Stefanie Müller-Hagmann nahm die vier Waisen sofort auf. Sorge hatte sie bloß, ob die vier Geschwisterkinder das einzelne Entenküken akzeptieren würden. Tatsächlich blieb das Küken zuerst auch für sich – bis sich die vier nach und nach annäherten. Das hatte das Einzelkind wohl gebraucht: Die Gesellschaft der anderen Entenbabys brachte ihm den Appetit zurück.

Vom Hasenstall in den Garten

Stefanie Müller-Hagmann kümmerte sich gemeinsam mit ihrer Familie liebevoll um die kleinen Entenkinder. Weil es anfangs draußen noch recht kalt war und den Entenküken die Wärme ihrer Mutter fehlte, lebten die Kleinen im Haus in einem alten Hasenstall, der mit einer Infrarotlampe ausgestattet war. Als es wärmer wurde und die Enten etwas größer waren, zogen sie in den ­Garten in ein Gehege mit einem Stall.

Die fünf Küken wuchsen schnell zu wunderschönen jungen Enten und Erpeln heran. Eine der Enten lernte als Erste das Fliegen, verabschiedete sich noch im Garten von den anderen und flog davon. Stefanie Müller-­Hagmann wurde klar, dass es an der Zeit war, auch die anderen Enten in ihren natürlichen Lebensraum zu bringen.

„Zum Glück haben die Enten ihre natürliche Scheu behalten, so dass der Abschied nur für mich schwer war“, erzählt sie. Im Ordnungsamt erlaubte man ihr, die Enten im Rohrachtal freizulassen. Stefanie Müller-Hagmann brachte sie in einer Transportbox ans Ufer der Rohrach. Es dauerte ein bisschen, doch nach und nach trauten sich die Enten heraus und flogen ans Wasser. Zusammen schwammen sie hin und her – anfangs aber nicht weit weg von Stefanie Müller-Hagmann und ihrem Mann. Doch von Minute zu Minute wurden sie sicherer und entfernten sich immer weiter.

Stefanie Müller-Hagmann sagte ihnen mit einem guten Gefühl Adieu. „Ich hatte wirklich Bammel vor diesem Tag“, erzählt die Tierschützerin. „Aber als es soweit war, habe ich mich gefreut. Die Freiheit ist für die Enten viel artgerechter.“

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