Die Vivid Curls aus dem Allgäu sind am Freitag zum zweiten Mal der Einladung der Geislinger Rätsche gefolgt und brachten ihre Lieder über die feinen Gefühle des Alltags und die großen Fragen der Gesellschaft mit. Das Ganze ist so arrangiert, dass die Ohren, Herzen und Beine der Zuhörer auf ihre Kosten kommen. Ihre Begleit-Band orchestrierte sehr gekonnt und abgestimmt ihre Kompositionen.

Seit 16 Jahren verwandeln die beiden musikalischen Schwestern Inka Kuchler und Irene Schindele ihre Themen in Musik. Diese reichen vom genussvollen Morgens-im-Bett-liegen-bleiben bis zum Leid in der Welt – durch religiösen Fanatismus zum Beispiel, wie er in „In Gottes Name“ besungen und angeklagt wird. Oder „Geiz ist geil“, arrangiert als ein fetziges Rockstück, das sich fast von selbst erklärt.

Der Zuhörer wird hineingeholt in eine wohlvertraute Gefühls- und Gedankenwelt – nämlich seine eigene. Kein weiter Weg vom Gesang ins Gemüt also, stattdessen Einverständnis aller Anwesenden, geradezu familiärer Konsenz über Gut und Schlecht.

Die beiden jugendlich wirkenden und gut aussehenden Bardinnen nutzen die Kraft der Musik, um ihre Mitmenschen an ihre Ideale zu erinnern und auf das Menschliche anzusprechen. Das tun sie mit Ernsthaftigkeit und Konsequenz. Auch durch selbst initiierte Aktionen wie den angebotenen „eine Welt“-­T-Shirts, oder mit der Themen-CD „eine Welt“, die 2016 erschienen ist. Hier sind die „Curls“ mit ihren imposanten Lockenschöpfen ganz Gesellschafts-Aktivistinnen, die für mehr Bewusstsein und Konsequenz werben.

Vor allem aber haben sie Freude am Musikmachen, besonders an Liveauftritten. Da werden sie zu den Front-Frauen ihrer Combo aus Schlagzeug (Markus Wohner), Gitarre (Florian Hirle) und E-Bass (Helmuth Baumann) und heizen dem Publikum mit gekonnt performter E-Musik ein.

Das andere wesentliche Bestandsstück bildete natürlich der Gesang der beiden „Curls“, der von sphärischem Engelsgesang im Duett bis zu rockigem „Shouten“ in den fetzigen Passagen reichte. Und auch ein Jodelduett zu einem treibenden Rock ’n’ Roll-Rythmus war im Programm.

Keine Präferenz – alles geht

Es gibt bei der Band keine Präferenz für eine bestimmte Musik – und es war auch keine zu hören. Man hörte „Alpenblues“, „Allgäuer Country“, R&B, Funk und Rock mit lithurgisch anmutenden Passagen.

Die Curls sangen an diesem Abend in vier verschiedenen Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch und Allgäuerisch. Auf der Bühne ging Irene Schindele darauf ein: manche Songs kommen der Liedermacherin gleich in einer bestimmten, nur so passenden Sprache in den Sinn. Zum Beispiel der Bereich Liebe gehe ihr oft in Englisch ein. Auch bei den Texten ist also Variabilität angesagt.

Mit drei Zugaben befriedigten die Vivid Curls am Ende ihr begeistertes Publikum, ein Winter-Kinderlied und eine Punk-Nummer darunter. Mögen sie bald wieder herumkommen.