Es ist Sonntagnacht kurz vor 1 Uhr im Geislinger Stadtpark, als Ralf Kuppinger strahlend durchatmet. Er hat trotz Absage die Strecke des Alb-Traum100 absolviert. Alleine hat er sich 20 Stunden und 34 Minuten zuvor auf den 115 Kilometer langen Albtraufgänger-Weg gemacht. Das Spendensammeln ist seine Motivation.

Eigentlich wäre Ralf Kuppinger einer von rund 100 Läufern gewesen, die am 9. Mai die lange Strecke des Alb-Traum100 gelaufen wären. Aufgrund der Absage des Laufes war er nachts um 1 Uhr fast alleine im Geislinger Stadtpark. Nur wenige Freunde, die ihn den ganzen Tag über an unterschiedlichen Punkten der Strecke unterstützt hatten, waren auch im Ziel bei ihm.
Der 42-jährige Ralf Kuppinger lebt in Schönaich und war bereits 2019 auf der 57 Kilometer langen Halbtraum-Strecke unterwegs. Damals kam er im Ziel auf den Veranstalter zu und erzählte von einem privaten Spendenlauf, den er im Jahr 2020 beim Alb-Traum100 verwirklichen wolle. „Die familiäre und lockere Atmosphäre hat mir total zugesagt“, sagt er, unterwegs hatte er aufgrund der schönen Landschaft entschieden: Das wird mein nächster Spendenlauf. Für Kuppinger der sechste Spendenlauf. Seit 2010 läuft er alle zwei Jahre einen Ultralauf und sammelt Geld für eine Hilfseinrichtung.
Damals hatte er sich gemeinsam mit seiner Freundin auf den Albmarathon in Schwäbisch Gmünd vorbereitet. Doch sie konnte Ralf Kuppinger nicht über die drei Kaiserberge begleiten – sie verstarb an Leukämie. In ihrem Gedenken starte er damals trotzdem und sammelte die ersten Gelder.
In diesem Jahr läuft er für Anna e.V., einen Verein mit Sitz in Filderstadt zur Unterstützung krebskranker Kinder. Dazu hat er die Seite www.laufen-fuer-kids.de eingerichtet und inzwischen mehr als 11 000 Euro gesammelt.
Die Unterstützung von Anna e.V. ist für ihn ein großer Motivator durchzuhalten, auch am Samstag auf der Alb, wenn irgendwann die Oberschenkel krampfen und es schwer wird: „Ganz alleine so lange zu laufen, wird manchmal schon deprimierend, aber du weißt, dass jeder Schritt zählt.“
Kuppinger, der als Elektriker bei Daimler arbeitet, ist erfahrener Ultraläufer: 1200 Kilometer hat er die vergangenen drei Monate absolviert, 70 Kilometer war seine längste Trainingseinheit.
Am Freitag vor dem Start hatte Kuppinger Obst und Gemüse geschnitten, Kekse, Schokolade, Gels eingepackt und sogar Maultaschen vorgekocht. An unterschiedlichen Orten warteten seine Helfer mit Getränken und Essen. Und wie wichtig die Unterstützung war, zeigen die leeren Flaschen im Kofferraum, in denen 15 Liter fehlen, und der Blick auf seine Uhr, die 13 500 verbrauchte Kalorien anzeigt.

Zwei Freunde begleiten ihn die letzten zehn Kilometer

Per Handy hält er sein Team am Samstag über Standort und Stimmungslage auf dem Laufenden. Die ersten Stunden läuft alles glatt, er kommt gut voran, ist nach neuneinhalb Stunden am Deutschen Haus, etwa der Hälfte der Strecke. Den Abstieg nach Gingen macht er behutsam, um die Oberschenkel zu schonen. Kurz nachdem er Gingen passiert hat und die Stirnlampe hervorholt, schreibt er einen Hilferuf an seine Freunde: „Es wäre toll, wenn mich für die letzten zehn Kilometer jemand begleiten könnte.“  Mit mehr als 100 Kilometern in den Beinen hat er vor dem Schlussstück des Stadions im Eybacher Tal über den Helfenstein nach Geislingen Respekt und hofft auf Unterstützung.

Als Kuppinger am Stadion eintrifft, stehen zwei Kumpel in Laufschuhen bereit. Mit moralischer Unterstützung bewältigen sie die letzten Kilometer gemeinsam: „Wenn du so einen Spendenlauf machst, weißt du, da steckt was dahinter und du musst einfach durchhalten.“ Dabei hatte er im Vorfeld zwei Mal gezweifelt. „Als ich mich im Januar angemeldet habe, habe ich gebibbert, ob ich überhaupt einen Startplatz bekomme, und die Absage im März war bitter.“ Aber nachdem er seine Helfer schnell gefunden hatte, war sein Spendenlauf in diesem Jahr gerettet.

Info Während des Alb-Traum100-Wochenendes waren einige Läufer auf eigene Faust unterwegs. Eine Medaille für sein besonderes Engagement erhielt allerdings nur Ralf Kuppinger vom Veranstalter. Wer seine Aktion für Anna e.V. unterstützen möchte, schreibt an: laufen-fuer-kids@web.de