Gaildorf / Richard Färber  Uhr
Tobias Freude hat sein Stipendium in Gaildorf angetreten. Der bei Augsburg lebende Bildhauer schreibt mit Buchstaben, die auch Skulpturen sind.

Er kam, sah und stutzte. Als Tobias Freude, designierter 19. Gaildorfer Stadtmaler, Ende November zur Abschlussausstellung seiner Vorgängerin Cornelia Brader nach Gaildorf kam, nahm er sich auch die Zeit, sich an seinem künftigen Wirkungskreis etwas umzuschauen. Er musste nur zum Schulzentrum gehen, um Arbeit zu finden: Am Schriftzug „Schloß-Realschule“ fehlte das „R“. Freude nahm mit der Handspanne Maß und suchte, als er wieder daheim in seinem Atelier in Friedberg bei Augsburg war, ein passendes Stück Untersberger Marmor.

Erste Amtshandlung

Am Dienstag kam Tobias Freude wieder nach Gaildorf. Empfangen wurde er von den Stadtmaler-­Beauftragten Martin Zecha und Rolf Deininger; Bürgermeister Frank Zimmermann hatte sich wegen Krankheit entschuldigen müssen. Diese Woche wird Freude in der Stadtmaler-Wohnung im Alten Schloss leben, sich umschauen, akklimatisieren und sich mit der Stadt und den Möglichkeiten, die sie einem Bildhauer bietet, vertraut machen.

Seine erste stadtmalerische Amtshandlung führte ihn allerdings zu Matthias Last, dem kommissarischen Schulleiter der Schloss-Realschule. Der freut sich jetzt über ein neues „R“ aus edelstem Marmor und mit „bruchrauer Front“, und auch Freude ist zufrieden: „Es kann doch nicht sein, dass an einem Schulnamen ein Buchstabe fehlt“, sagt er. „Ausgerechnet!“

Ein Steinbildhauer ist zum 19. Gaildorfer Stadtmaler gekürt worden. Er wird die Nachfolge von Cornelia Brader antreten.

Wenn Freude sagt, er schreibe, dann wird’s gewichtig. Die Buchstaben, die Freude zu Wörtern und Sätzen zusammenfügt, sind Skulpturen aus einem Material mit einer Rohdichte von 2,7. Ein „O“ aus Untersberger Marmor zum Beispiel, 40 Zentimeter hoch und 20 Zentimeter tief, wiege rund 60 Kilogramm, erklärt er. Monumentaler wird’s auch nicht, wenn Freude schreibt: Er muss seine Schriften schließlich auch lupfen können.

Seine erste Schriftskulptur war ein Satz von Albert Einstein: „Imagination is more important than knowledge“ – Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen: 39 Buchstaben von jeweils 39 Zentimeter Höhe. Der Satz „Cry Me A River“ war bis Sommer 2018 beim temporären Skulpturenpfad in Fürstenfeldbruck zu sehen; „Forget your troubles“ in Schwarzenberg im Erzgebirge. Und seine jetzige Heimatstadt Friedberg hat den Schriftzug „Friedwärts“ auf die Stadtmauer montiert.

Kokonförmige „Additionen“

Den Untersberger Marmorsteinbruch im Salzburger Land kennt er seit seinem Studium in Bremen, zwei Mal im Jahr ist er dort, mindestens. In dem Steinbruch liegen derzeit auch zwei tonnenschwere Großskulpturen aus der Werkreihe „Additionen“, konkonförmige Gebilde, die er aus Bruch herstellt und für die er jetzt einen Platz sucht.

Die Schrift ist ihm wichtig: Das kostbare Material Marmor ist dafür reserviert. Ansonsten arbeitet Freude, der einst bei Kurt Sipple in Frickenhofen den Beruf des Steinmetzen erlernt hat, mit dem, was zur Verfügung steht. In Gaildorf, hat er gehört, wird durch das Denkmalsanierungsprogramm rund ums Alte Schloss viel Material anfallen. Gleichwohl habe er sich auch schon bei seinem alten Chef Kurt Sipple gemeldet, sagt Freude, und Interesse an Reststücken angemeldet.

Cornelia Brader verkörperte als Gaildorfs Stadtmalerin 2018 die künstlerische Seite der Stadt. Ein Rückblick in Bildern.

Schriftzug für den Pferdemarkt

Tobias Freude ist mit der Holzbildhauerin Christine Osann verheiratet, das Paar hat zwei Kinder. Er wird also, wie schon seine Vorgängerin Cornelia Brader, nicht rund um die Uhr in Gaildorf sein. Bei wichtigen Gaildorfer Terminen werde er aber auf jeden Fall Präsenz zeigen, sagt er. Sein nächster Besuch ist auch schon terminiert: Beim Pferdemarkt wird man den 19. Gaildorfer Stadtmaler treffen können.

Und vielleicht gibt’s dann auch was zu lesen von ihm: Er habe einen zum Pferdemarkt passenden Schriftzug und benötige nur einen Platz, um die Marmorbuchstaben aufzustellen und zu befestigen, sagt Freude – und auch sonst würde er übers Stadtmaler-­Jahr hinweg gerne ab und zu mal was schreiben.

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