Ein Teil des Gottlob-Bauknecht-Platzes in Welzheim, auf dem der Wochenmarkt stattfindet, soll nach dem Nazi-Opfer Hermann Schlotterbeck benannt werden. Über diesen Vorschlag des Historischen Vereins soll im Frühjahr im Welzheimer Gemeinderat entschieden werden. „Entweder in der Februar- oder in der März-Sitzung“, erklärt der Pressesprecher der Stadtverwaltung, Uwe Lehar, auf Anfrage.

Im Widerstand gegen Hitler

Die Eltern Gotthilf und Maria Schlotterbeck, die Geschwister Hermann und Trude sowie Else Himmelheber, die Verlobte Friedrich Schlotterbecks, wurden im November 1944 von den Nazis hingerichtet  zusammen mit ihren Freunden Erich Heinser, Emil Gärttner, Sophie Klenk, Emmy und Hermann Seitz. Nur Friedrich Schlotterbeck war die Flucht in die Schweiz gelungen, von wo er 1945 zurück nach Stuttgart kam, nichtsahnend vom Tod seiner Angehörigen und Freunde.

Die Schlotterbecks hatten sich dem Widerstand angeschlossen und waren bereits vor der Machtergreifung als Kommunisten Widersacher der Nazis. Die Brüder Friedrich und Hermann wurden zu Beginn der 1930er-Jahre verhaftet und nach Welzheim gebracht, und zwar ins Polizeigefängnis, wie das KZ offiziell damals hieß. Denn am Gottlob-Bauknecht-Platz ging es nicht wie in einem Polizeigefängnis zu, sondern wie in einem Konzentrationslager. Misshandlungen waren an der Tagesordnung. Die Schreie der Gepeinigten waren in der Stadt zu hören. Mindestens 63 Menschen wurden in der Nazizeit hier ermordet. Hermann Schlotterbeck wurde nach der Auflösung des KZs am Ende des Zweiten Weltkriegs im April 1945 in einem Wald bei Riedlingen von den Nazis ermordet.

Ein Schicksal, das Heinrich Lindauer vom Historischen Verein seit Jahren beschäftigt. Bei seinen Nachforschungen entstand bei ihm der Gedanke, die benachbarte Schillerstraße nach Hermann Schlotterbeck zu benennen. Offenbar hat die Straße nach dem Krieg schon einmal Hermann-Schlotterbeck-Straße geheißen. Zuvor war sie nach dem Lagerkommandanten Karl Buck benannt worden.

Alternativ-Vorschlag

Eine erneute Umbenennung wäre mit einem hohen Aufwand verbunden. Die Straße ist sehr lang. Alle der zahlreichen Anlieger müssten ihre Adresse ändern lassen. Alternativ entwickelte Lindauer deshalb den Gedanken, den Teil des Gottlob-Bauknecht-Platzes umzubenennen, der direkt vor dem ehemaligen Kommandanturgebäude liegt. Der Bereich des Wochenmarktes würde dann nach Hermann Schlotterbeck benannt, der andere Teil vor der Volksbank Welzheim auf der anderen Seite behält den Namen Gottlob-Bauknecht-Platz. Das zweite Gebäude, das ehemalige Gefängnis, wurde nach dem Krieg abgerissen.

Die Gestapo Stuttgart hatte im Jahr 1935 das ehemalige Amtsgerichtsgefängnis Welzheim übernommen. Das drei Stockwerke hohe Gebäude, um 1820 erbaut, lag direkt hinter dem ehemaligen alten Amtsgericht, das als Kommandantur und Wohnung des Lagerleiters verwendet wurde, am Oberen Marktplatz. Das dazugehörige 1500 Quadratmeter große Gelände lag zwischen der heutigen Schillerstraße und der Murrhardter Straße mitten in der Stadt und war mit einer fünf Meter hohen Mauer umzäunt.

KZ Welzheim diente auch als Durchgangslager

Das Lager hatte verschiedene Funktionen, zumal ausländische Häftlinge erst mit Kriegsbeginn hinzukamen. Unter anderem wurden zahlreiche der rund 2000 jüdischen Männer, die nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 überall in Baden, Württemberg und Hohenzollern verhaftet worden waren, ins KZ Welzheim gebracht. Viele der Häftlinge warteten in Welzheim, bis geklärt war, was weiter mit ihnen geschehen sollte. Für viele war es ein Durchgangslager zum KZ Dachau oder zu anderen Lagern wie Buchenwald oder in die sogenannten Arbeitserziehungslager. Andere blieben nur kurze Zeit zur „Disziplinierung“ in Welzheim und wurden wieder entlassen. Wieder andere kamen dorthin, um sie „fertigzumachen“. Ebenso waren polnische Häftlinge dort, denen „verbotene“ Kontakte zu deutschen Frauen vorgehalten wurden und die in ihren Herkunftsorten im Württemberger Raum oder aber im Welzheimer Steinbruch erhängt wurden. Andere, namentlich auch sechs russische Häftlinge, kamen eigens zur Erschießung dorthin.