Es gibt Menschen, die mag wirklich jeder. Peter Wunderlich war so einer. Zugegeben, als Standesbeamter, Städtepartnerschaften-Beauftragter und Bürgerbeauftragter hatte er auch kaum konfliktträchtige Aufgaben, sondern er traf oft auf Menschen in glücklichen Momenten: bei ihrer Hochzeit, nach der Geburt eines Kindes oder bei einem runden Geburtstag. Aber auch in seinen Funktionen als Wahlleiter und Vorgesetzter wirkte er immer fröhlich. Von 1983 bis 2015 war Wunderlich bei der Stadt Schwäbisch Hall beschäftigt. Gewohnt hat er in Gaildorf-Ottendorf, wo er auch aufgewachsen ist.

„Er war ein sehr umgänglicher und netter Kollege“, erinnert sich Karin Eißele-Kraft, die seine Aufgaben im Jahr 2011 übernommen hat, als Wunderlich in die Freistellungsphase der Altersteilzeit ging. Er habe seine Aufgaben immer mit Freude gemacht, fügt sie an. „Wunderlichs Leidenschaft lag in Epinal, in dieser Städtepartnerschaft war sein Herzblut drin.“ Aber auch die anderen Städtepartnerschaften Halls hat Wunderlich lange begleitet.

„Er hat es geliebt, in diese Städte zu reisen und Kontakte zu pflegen“, sagt Eißele-Kraft. Oft war dann das Akkordeon mit im Gepäck. Darauf spielte Wunderlich gerne Lieder zum Mitsingen. „Er hat einfach immer gute Laune verbreitet“, erinnert sich Eißele-Kraft. Die Reisen in die Partnerstädte trat Wunderlich sehr gerne auch auf dem Motorrad an. Seine frühere Mitarbeiterin Gisela Wandel kennt dazu eine besondere Geschichte: „Theo Dürr vom Hotel Hohenlohe hat Peter Wunderlich einmal von den französischen Bresse-Hühnern vorgeschwärmt. Und Wunderlich hat Dürr versprochen, ihm von seiner nächsten Epinal-Reise welche mitzubringen. Das hat er dann auch gemacht – lebendig, in einem Korb auf dem Motorrad. Er war halt immer hilfsbereit.“

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Peter Wunderlich erfüllte einer Jubilarin einen besonderen Wunsch

So auch, als eine 90-jährige Dame, der Wunderlich im Namen der Stadt zum Geburtstag gratulierte, erzählte, dass sie gerne noch mal auf einem Motorrad mitfahren würde. Als junge Frau habe sie das geliebt. Und Wunderlich sagte: „Das können wir doch machen!“ In der Woche danach brachte er einen Helm mit und drehte mit der Jubilarin eine Runde, berichtet Wandel lachend.

Überhaupt seien seine Geburtstagsbesuche immer sehr beliebt gewesen. „Die Seniorinnen wussten schon, dass es lustig wird, wenn Herr Wunderlich kommt, und haben ihre Freundinnen dazu eingeladen. Oft hatte er sein Akkordeon dabei und hat musiziert. Davon reden viele heute noch, wenn ich sie zum Geburtstag besuche“, berichtet Wandel.

Auch Trauungen konnten mit Peter Wunderlich als Standesbeamtem sehr unterhaltsam sein. „Manchmal hat er ein Paar vorher gefragt, ob es lieber eine lustige oder eine ernsthafte Trauung wünscht. Und wenn es dann lustig wählte, hörte man hinterher oft von den Gästen Sätze wie ,Sowas habe ich noch nie erlebt‘“, erzählt Gisela Wandel.

Wunderlich traute ein Paar gleich dreimal

Zum Thema Trauungen kann Frieder Sanwald, ein Freund Wunderlichs, eine Anekdote beisteuern: „In seiner langen Zeit als Standesbeamter hat Wunderlich so manches erlebt. Einmal hat er mir erzählt, dass er ein Paar dreimal getraut hat – zweimal hat es sich scheiden lassen. Aber beim dritten Mal habe er angekündigt, dass die beiden jetzt zusammenbleiben müssen, denn ein viertes Mal werde er sie nicht wieder trauen.“

So heiter all dies war, es gab natürlich auch die andere Seite. Im Jahr 2006 erhielt Peter Wunderlich die Diagnose Krebs. Er stand die belastende Therapie durch und galt als geheilt – doch die Krankheit kehrte wieder. Sanwald, der Vorsitzender des Liederkranzes Ottendorf ist, den Wunderlich gerne auf dem Akkordeon begleitete, berichtet: „Im Sommer dieses Jahres hat er noch mal eine Therapiephase begonnen. Damals sagte er, dass er beim Herbstkonzert des Liederkranzes im Oktober nicht dabei sein kann, aber Ende November wollte er wieder auftreten. Er war immer Optimist. Als er mir dann vor wenigen Wochen sagte, dass seine Kräfte zu Ende gehen, war das ein schwerer Schlag für mich und für den ganzen Liederkranz. Peter Wunderlich wird im Liederkranz und in ganz Ottendorf in bester Erinnerung bleiben.“

Karin Eißele-Kraft ist beeindruckt von der Musikauswahl für die Trauerfeier: „Der Männergesangverein hat das Lied ,Es ist nicht leicht, ein Clown zu sein‘ gesungen. Darin heißt es: ,Wer immer lacht, dem glaubt man nicht, dass er auch weinen kann.‘ Ich fand, dass das ganz genau auf Peter Wunderlich passte. Es war überhaupt eine stimmige Trauerfeier. Die Urne war sehr schön dekoriert, daneben stand ein Notenständer und sein Akkordeon.“

Peter Wunderlich hinterlässt seine Frau Efi, zwei Söhne und ein kleines Enkelkind, das ihm in seinen letzten Lebensmonaten noch sehr viel bedeutet hat.

In Ottendorf und Hall tief verwurzelt


Peter Wunderlich wurde 1952 in Schwäbisch Hall geboren. Sein Elternhaus stand in Ottendorf, das Abitur machte er 1972 in Gaildorf. Seine Verwaltungslaufbahn begann er in Fichtenberg und im Haller Landratsamt. Die Fachhochschule für Verwaltung in Stuttgart schloss er mit Diplom ab. Es folgten sechs Jahre im Kommunalamt des Landkreises Hall, bevor er 1983 zur Stadt Hall wechselte. 1984 wurde Wunderlich Leiter des Standes- und Wahlamtes sowie der Städtepartnerschaften. Ab 2002 war er Bürgerbeauftragter. 2011 begann die Freizeitphase der Altersteilzeit, 2015 ging er in Ruhestand. evl