Es ist ein bisschen wie ein Puzzle, sagt Daniel Bullinger. Der Oberroter Bürgermeister studiert eine Karte seiner Gemeinde, auf der die Lage von Leerrohren eingezeichnet ist, die in der Vergangenheit versenkt wurden und die nun für die Erschließung mit Glasfaserkabeln benötigt werden.

Zwischen Marhördt und Badhaus beispielsweise liegen schon ein paar Meter, die nun mit dem Glasfaser-Hauptstrang im Rottal verbunden werden sollen. Das Leerrohr, das dort liegt, endet gegenwärtig bei Obermühle. Der Teilort wird über ein altes Kabel versorgt, das nicht mehr dem Stand der Technik entspricht.

Nur Glasfaser wird gefördert

Denn Stand der Technik ist Glasfaser. Technologien wie Vectoring und Supervectoring, mit denen Kupferkabel auf Hochleistung gebracht werden können, schaffen zwar wie in Obermühle die Voraussetzung für eine vorläufig akzeptable Versorgung mit schnellen Übertragungsraten, gelten aber nur noch als Zwischentechnologie, deren Ausbau vom Bund nicht gefördert wird.

Nun also wird Glasfaser durchs Leerrohr gesteckt. Ab Obermühle bis Badhaus und von Badhaus bis zum bereits verlegten Leerrohr muss ein neues Rohr eingegraben werden, und dann noch einmal ab Marhördt nach Konhalden, Dexelhof und Brennhof. Diese Wohnplätze werden dann, wenn das Leitungspuzzle geschlossen ist, als erste neue Glasfaseranschlüsse erhalten. Praktischerweise stehen bei Konhalden auch die Erneuerung der Wasserleitung und der Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße auf der Agenda.

Zuschuss pro Laufmeter

Den Förderbescheid gab’s am 22. Februar. 178 708 Euro erhält die Gemeinde Oberrot als Landeszuschuss für die Verlegung der Glasfaser von Marhördt nach Konhalden, Dexel- und Brennhof. Die Kosten belaufen sich auf knapp 460 000 Euro. Bei dem Landeszuschuss handelt es sich übrigens um eine „Laufmeterpauschale“; die Förderung ist abgestuft, je nachdem, ob bereits Leerrohre liegen oder ob beispielsweise versiegelte oder offene Flächen durchquert werden müssen.

Mittlerweile könnte es aber auch mehr geben. Denn das Land Baden-Württemberg hat inzwischen seine Verwaltungsvorschrift zum Breitbandausbau geändert und seinen Kofinanzierungsanteil für Maßnahmen, die vom Bund gefördert werden, von 20 auf bis zu 40 Prozent erhöht. Die Bundesförderung beläuft sich auf regulär 50 Prozent der zuwendungsfähigen Projektausgaben, sodass die Kommunen im für sie günstigsten Fall nur noch lediglich zehn Prozent aus eigenen Haushaltsmitteln aufbringen müssen.

Die veränderte Fördersituation war bereits Thema bei der Bürgermeisterdienstversammlung in der vergangenen Woche in Fichtenberg. Heinz Kastenholz vom Energiezentrum in Wolpertshausen hat die Bürgermeister des Landkreises Schwäbisch Hall dort darüber in Kenntnis gesetzt.

Weitere Gespräche speziell zur Situation in Oberrot seien terminiert, sagt Bullinger. Gegebenenfalls werde man den internen Masterplan dann überarbeiten und Konhalden neu beantragen. Im eigentlich sitzungsfreien Monat April wird’s deshalb voraussichtlich eine Sondersitzung des Gemeinderates geben.

Die Neujustierung beträfe auch die geplante Glasfasertrasse ab der Firma Weiss hinüber zum Viehhaus und weiter nach Neuhausen bis zum Fichtenberger Teilort Erlenhof. Sie wurde in der Prioritätenliste aus unternehmerischen Gründen als erstrangig eingestuft: in Neuhausen, erklärt Bullinger, sitze die Firma Wollknoll, die auf ein funktionierendes, schnelles Internet angewiesen sei.

Engpässe programmiert

Priorität Eins bedeutet, dass gegenwärtig mit einem Ausbau bis Ende 2020 gerechnet wird. Ob der Terminplan gehalten werden kann, hängt freilich nicht nur mit der Fördersituation zusammen. „Die Planungs- und Baukapazitäten sind beschränkt“, sagt Bullinger. Wenn alle Gemeinden gleichzeitig den Glasfaserausbau vorantreiben wollen, sei mit Engpässen zu rechnen. „Das Geld ist dann das geringste Problem.“

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München/Dinkelsbühl