Zum Interview erscheinen Gudrun Feger und Daniel Fritz in Trainingskleidung. Später gehen die 62-Jährige und der 43-Jährige noch zum Verein ihres früheren Lauf-geht’s-Trainers, das Dienstags-Workout steht auf dem Plan. Für die Bühlertannerin und den Gschwender ist das bereits zum Ritual geworden. Sie haben 2019 an der Lauf-geht’s-Aktion der SÜDWEST PRESSE Hohenlohe am Standort Fichtenberg teilgenommen – und machen auch nach dem Programm weiterhin Sport.

Wieso habt ihr euch vor einem Jahr dazu entschieden, bei Lauf-geht’s mitzumachen?

Gudrun Feger: Ich habe mich dafür entschieden, weil ich auf der Suche war, was ich sportlich mache. Auch, um meinen Bluthochdruck in den Griff zu kriegen. Meine Tochter hat mir gesagt: Mama, du musst Ausdauersport machen, das hilft dir. Ich habe mich ja in Yoga und Pilates, kurzzeitig auch mal in einem Sportstudio ausgelassen, aber das war alles nicht das, was ich gesucht habe. In der Gruppe zu trainieren und die ganzheitliche Betreuung und die Ernährungsumstellung haben mich angesprochen. Der Vortrag in Gaildorf hat mich dann überzeugt und ich habe mich angemeldet. Mein Mann hat noch gesagt: Das hätte ich nie geglaubt, das du sowas machst. Und später hat meine Tochter gesagt: Respekt, ich ziehe den Hut vor dir, dass du das in dem Alter machst.

Daniel Fritz: Ich habe auch überlegt, wie ich mich sportlich wieder aktivieren kann, mehr zu tun. Ich habe noch ein bisschen Fußball gespielt, aber eher so sporadisch einmal die Woche. So richtig Ausdauer macht man damit ja auch nicht. Ich habe die Anzeige dann in der Zeitung gelesen und spontan gedacht: Da meldest du dich an. Mich hat auch die Kombination Sport und die Ernährungskomponente angesprochen.

Wie seid ihr mit den Trainingsplänen von Dr. Feil zurechtgekommen?

Feger: Beim Donnerstagstraining war ich bis auf einmal eigentlich immer da. Und unter der Woche haben wir ja nach unserem Tagebuch trainiert. Da habe ich manchmal schon den einen oder anderen Tag verschoben oder auch mal etwas nicht gemacht. Mit der Zeit wurden wir dann immer schneller und das Laufen fiel einem leichter. Später hatte ich auch eine Mitläuferin, die Martina L. Unser Trainer hat auch immer viele Varianten mit seiner Trainer-Mannschaft eingebaut. Wir waren einmal im Stadion, wo wir Tempoläufe gemacht haben, außerdem haben wir Bergläufe und Intervalltraining gemacht.

Fritz: Ich habe, glaube ich, auch nur in Urlaubszeiten gefehlt. Zu Hause habe ich ehrlicherweise schon weniger gemacht, als im Trainingsplan vorgesehen. Zwei oder drei Trainingseinheiten pro Woche. Viermal, wie vorgesehen, habe ich eigentlich nie geschafft. Das war auch die Ansage unseres Trainers: Leute, wenn ihr dreimal trainiert, ist das schon gut.

Motiviert es einen, in der Gruppe zu laufen?

Fritz: Es bringt absolut etwas. Ich wäre sonst nie an diese Grenzen gegangen. Ich dachte öfter mal, als es dann auch mal bergig wurde, also am liebsten würde ich jetzt stehen bleiben. Aber die anderen laufen dann links und rechts einfach weiter, dann denkst du, du läufst jetzt auch einfach mal weiter. Das pusht einen dann schon. Und das wäre alleine eigentlich nicht möglich. Das war schon motivierend in der Gruppe. Und nach dem Training fühlt man sich immer top.

Feger: Man hat zwischendurch schon auch mal gestöhnt und am nächsten Tag Muskelkater gehabt. Aber im Nachhinein war genau das das Richtige. Dass man vorankommt. Man muss ja an die Grenzen gehen, sonst kann man sich nicht verbessern. Unser Trainer hat auch immer wieder nachgefragt, wie es uns geht oder ob wir etwas ändern müssen. Es war immer ein Miteinander zwischen Gruppe und Trainern. Die Gruppe hat sich gut verstanden: vielleicht war es Zufall, vielleicht war es Glück oder jeder hat seinen Teil dazu beigetragen.

Wie war es bei euch im Alltag mit der Ernährung?

Feger: Ich habe die entzündungssenkende Ernährung von Dr. Feil im Alltag umgesetzt. Zum Beispiel habe ich für mich den Standard gesetzt mit dem Gewürz-Quark nach Dr. Feil am Morgen. Ich habe dann zusätzlich noch einen Apfel dazugepackt, dann war die Müsli-Schale voll. Und das hat mich gesättigt für sechs Stunden, da kamen dann keine anderen Gelüste. Dann habe ich schon mal einen halben Tag fast rum. Den Zuckerkonsum runterzufahren war eigentlich auch nicht schwierig. Ich habe auch keinen Fruchtjoghurt mehr gegessen, als ich dann wusste, wo überall Zucker drin ist. Und wir durften ja täglich 25 Gramm Schokolade mit mindestens 70 Prozent Kakaoanteil essen. Das war schon erst gewöhnungsbedürftig. Aber später mit einer Tasse Kaffee war es die Belohnung. Viele Nüsse und Trockenfrüchte konnte man auch essen.

Fritz: Ich habe meine Ernährung ebenfalls angepasst, habe die Rezepte aus dem Buch aber eher mal ein bisschen ausprobiert. Auch mit unseren Kindern haben wir das spielerisch gemacht.

Feger: Die Rezepte habe ich auch kreuz und quer durchgemacht, was mir gelegen hat. Nach dem Training haben wir ja nur Buttermilch getrunken oder Heringe gegessen (lacht).

Crailsheim

Fritz: Wenn jeder für sich etwas raus nimmt, was ihm gut tut, ist das eine gute Sache. Wir haben zum Beispiel auch probiert, statt Brot mal etwas anderes zu essen. Aber dann hieß es: Können wir nicht das Brot wieder haben? (lacht) Gewisse Dinge prägen sich aber auch einfach ein. Säfte gibt es bei uns zuhause seitdem eigentlich nicht mehr. Nur noch Wasser und Tee. Wenn bei uns mal eine Saftflasche steht, trinkt sie eigentlich keiner. Oder so Sachen wie mehr Rote Beete zu essen. Wenn es das bei uns in der Kantine gibt, nehme ich eigentlich nur eine Schüssel voll davon.

Feger: Oder auch das Fettschlau-Essen. Nach dem ersten Vortrag bin ich nach Hause und habe in den Küchenschrank geguckt, was ich an Fett-Quellen da habe. Was nicht gepasst hat, habe ich raus gestellt. Und habe das Wertvollere dafür rein gestellt. Es sind so viele kleine Teile. Über das Ernährungsprogramm geht man zurück und isst ohne Fertigprodukte. Man muss natürlich mehr Zeit einsetzen, um zu kochen. Man muss ein bisschen planen. Ich habe die Ernährung bis heute beibehalten. Zu zwei Dritteln zumindest. Ich mache öfter mal eine Ausnahme wie auch in der Trainingszeit in dem halben Jahr. Wenn ich zu Festen oder Geburtstagen gegangen bin, habe ich selber zwei Salate mitgebracht. Dann kann man von dem anderen Buffet noch etwas dazu nehmen, damit man gut durch kommt, ohne das immer erklären zu müssen.

Habt ihr durch die Aktion abgenommen?

Fritz: Ich habe fünf Kilogramm abgenommen. Ich dachte, wenn du ein paar Kilos abnimmst, dann ist das schon gut und geht in die richtige Richtung. Ich würde jetzt aber tatsächlich gerne noch mal ein bisschen abnehmen.

Feger: Ich habe zwölf Kilogramm abgenommen. Jetzt sind es nach Weihnachten ehrlicherweise elf (lacht). Und ich konnte meine Bluthochdruckmedikamente komplett absetzen. Das war nach ungefähr zwölf Wochen. Ich hatte einen Plan von Dr. Feil und es hat funktioniert. Ich habe sie quasi stückweise reduziert. Das hat er auch gesagt: Das funktioniert durchaus, wenn man sich eben an Training und Ernährungsumstellung hält.

Hast du dich dadurch besser gefühlt und konntest freier laufen?

Feger: Ja. Ich hatte das Gefühl, man kriegt so eine Freiheit. Der Brustkorb geht plötzlich auf und man hat eine ganz andere Dynamik. Ich habe mich durch die Medikamente ein bisschen gebremst gefühlt. Das Laufen hat mich dann immer noch fitter gemacht.

Lauf geht’s SHO beim Einsteinmarathon

Laufprogramm Lauf geht’s SHO beim Einsteinmarathon

Im September seid ihr in Ulm einen Halbmarathon gelaufen. Wie habt ihr das erlebt?

Feger: Wir haben zehn Tage vor dem Halbmarathon gehabt, in denen wir das Essen wieder verändert haben. In denen wir den Kohlenhydratspeicher wieder gefüllt haben. Weniger trainiert haben, anders gegessen. Als ich mit Martina L. einige Wochen vor dem Halbmarathon eine Strecke von 18,4 Kilometer gelaufen bin, haben wir gesagt: Bis hierher haben wir es geschafft, jetzt schaffen wir den Rest auch vollends.

Fritz: In Gschwend am Hagberg ist es ja ein bisschen bergig, da bin ich die 21 Kilometer vor dem Wettkampf dann auch mal gelaufen. Das gibt einem dann schon ein gutes Gefühl.

Feger: Der Tag des Halbmarathons ging dann morgens um sechs Uhr los, als wir in den Bus nach Ulm gestiegen sind. Alle waren gut gelaunt, jeder hatte noch die letzte Mahlzeit im Gepäck. Beim Halbmarathon selbst war mein Ziel dann immer: durchkommen, ankommen. Das einfach mal zu erleben. Ich hatte das Glück, ich bin mit Nicole gelaufen. Die hat immer wieder auf die Pulsuhr geguckt und gesagt: Wir sind gut in der Zeit. Oder: Da können wir etwas schneller. Am Schluss ist sie dann auch vorne weg. Ich bin dann auch eine Zeit gelaufen, das hätte ich mir nie ausgedacht. Zwei Stunden, 23 Minuten und noch etwas. Du warst ja sogar noch schneller.

Fritz: Ja, zwei Stunden und sieben Minuten waren das, glaube ich. Aber die letzten fünf, sechs Kilometer waren schon härter als gedacht. Obwohl eigentlich alles lief wie geplant auf den ersten zehn, zwölf Kilometern. Ich bin tatsächlich die ersten Kilometer mit Martina D. gelaufen und habe zur ihr gesagt: Hey, du läufst ja wie ein Uhrwerk. Sechs Minuten auf den Kilometer. Ab dem Zeitpunkt ist sie davongezogen. Zum Schluss habe ich sie dann wieder gekriegt und wir sind gemeinsam durch Ziel gelaufen. Im Ziel ist die Freude dann natürlich riesig.

Feger: Es war einfach Freude, Glücksgefühle. Ich weiß noch, ich bin auf dich zugelaufen und habe dich in den Arm genommen. Und wir haben dann erst mal ein alkoholfreies Weizenbier getrunken, um aufzufüllen.

Die schönsten Bilder vom Marathonlauf in Ulm

Einstein Marathon 2019 Die schönsten Bilder vom Marathonlauf in Ulm

Habt ihr euch nach dem Halbmarathon weiter sportlich betätigt?

Feger: Ich habe mir gesagt: Jetzt habe ich so viel erreicht. Das möchte ich stabilisieren. Ich bleibe dabei. Ich bin dann bei meinem Trainer in den Verein eingetreten. Mit Martina L. laufe ich an den Wochenenden immer noch zehn Kilometer. Und ich habe auch an drei Zehn-Kilometer-Wettkämpfen teilgenommen.

Fritz: Ich gehe auch dienstags zum Training von unserem Coach. Dazu laufe ich samstags oder sonntags früh für mich alleine zehn Kilometer. Mit dem Fußballtraining soll es auch bald wieder losgehen. Ich mache definitiv jetzt wieder mehr Sport.

War es eine gute Entscheidung, bei Lauf-geht’s mitzumachen?

Feger: Für mich hat es sich in allen Bereichen gelohnt. Ich konnte mein Gewicht reduzieren, habe den Blutdruck in den Griff gekriegt, Ausdauer gewonnen und Spaß in der Gruppe gehabt. Wir haben einige Highlights erlebt.

Fritz: Auch ich kann es nur jedem empfehlen, mitzumachen. Allerdings ist Lauf geht’s natürlich kein Selbstläufer. Man muss  den Willen haben, etwas tun.

Feger: Ja und eben konsequent sein. Sonst läuft man Gefahr, dass man rausgeht. Und manchmal muss man auch ein bisschen über den Schmerz gehen, wenn es mal wo zwickt oder so. Dass man drüber hinweg läuft und dann geht es wieder. Oder dass man mal ein bisschen Pause macht und es weiter versucht.

Gudrun, du sprachst von Highlights. Welche waren das?

Feger: Dass unser Trainer immer Spaß drauf gehabt hat. Und auch gesagt hat: Spaß muss man wollen. Dass er vielseitig unterwegs war. Ein Highlight war, als es im Hochsommer einmal so heiß war, dass wir dann an der Quelle am Bach mit gekühlten Getränke und Obst von unseren Trainern überrascht wurden. Das zweite Highlight war dann das Bergfest beim Markus.

Daniel: Da war ich leider nicht da. Aber von den Bildern in der Whatsapp-Gruppe war es super. Das kann man natürlich auch nicht planen, dass jemand sagt, es gefällt mir so gut, dass ich etwas für die Gruppe mache. Ein weiteres Highlight war dann unser Finisher-Fest, bei dem wir alle gemeinsam im Hotel Hohenlohe in Hall essen waren.

Info-Vorträge zur Aktion  Lauf-geht’s


Lauf geht’s gibt es an den Standorten Schwäbisch Hall, Crailsheim und Gaildorf. Gemeinsam trainiert wird jeweils zum Abschluss einer Trainingswoche im Lauftreff (in Schwäbisch Hall und Crailsheim) beziehungsweise im Walkingtreff (in Gaildorf). Beim Vortrag „Lauf geht’s – gesund und mit Freude in sechs Monaten zum Halbmarathon“ erklärt Erfinder Wolfgang Grandjean das Programm. Zudem stellen sich die Trainer und das Organisationsteam vor: in Crailsheim am 17. Februar um 19 Uhr im HT-Forum (Ludwigstraße 6–10), in Schwäbisch Hall am 18. Februar um 19 Uhr in der Hospitalkirche (Am Spitalbach 8), in Gaildorf am 4. März um 19 Uhr in der Limpurghalle (Schloss-Straße 11). Fragen beantwortet Christine Hofmann (c.hofmann@swp.de oder 0 79 51 / 40 93 16).