Gaildorf / Maya Peters  Uhr
Sarah Schrimpf aus Gaildorf ist Meisterschülerin an der Akademie der bildenden Künste in München. Fotografien von ihr sind derzeit während der Biennale in Venedig im Palazzo Mora zu sehen.

So langsam trenne ich mich von dem h“, sagt Sarah Schrimpf scherzend zur Schreibweise ihres Vornamens. Die in Schwäbisch Hall geborene und in Gaildorf aufgewachsene Fotografin und Filmerin lebt quasi international. Da­rum wäre eine einfachere Schreibweise besser. Gerade erst ist die 27-Jährige von ihrem zweiten polnischen Studienaufenthalt zurückgekehrt. Im Herbst wird sie als Teil der praktischen Prüfung in Lodz ihren dort entstandenen Film über „Agoraphobie“ (Platzangst) zeigen. Die Meisterschülerin der Münchner Akademie der Bildenden Künste war zudem 2015 in Paris und 2016 in Marseille zum Studienaustausch. „Ich sage deshalb immer, dass ich mittlerweile dreieinhalb Sprachen gut spreche“, erklärt Schrimpf. Deutsch, Englisch, Französisch und „halb“ Polnisch.

Eine Art künstlerischen Ritterschlag habe ihr das Jahr 2017 gegeben: „Damit fing alles an“, blickt sie zurück. Zunächst wurde sie als Vollstipendiatin vom Cusanuswerk aufgenommen. „Das hat mir so vieles erleichtert. Ich kann mich voll aufs Studium konzentrieren“, betont sie. Dann wird Sarah Schrimpf beim großen internationalen Fotowettbewerb Sony World Photography Award in London nominiert und kommt unter Hunderttausenden Einsendungen aller Kategorien unter die zehn besten der Studierenden. Auf den wie gemalt wirkenden Bildern ist sie unter anderem vor den Gittern der Kunsthalle Würth zu sehen, voller Kummer scheinbar. Ihr Gewinn neben dem Renommee: eine hochwertige Digitalkamera. Die erste der bislang eher analog arbeitenden Fotokünstlerin. „Aber mein Liebling ist weiterhin meine Hasselblad 6x6“, ergänzt Schrimpf.

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Schrimpfs künstlerischer Weg führt quer durch die Welt

„Alles andere war eigentlich eine Folge von London“, berichtet sie weiter. Denn aus den Gewinnern beim Sony Award wird sie neben zwei weiteren Studenten aus Japan und Amerika für das „Sony Student Grant Projekt“ ausgewählt. Die in neun Monaten entstandenen Werke wurden im Frühjahr 2018 im Somerset House London gezeigt. „Diese Ausstellung sahen die Organisatoren der Ausstellung in Venedig und luden mich deshalb mit meinen Arbeiten ein“, berichtet Sarah Schrimpf. Das Thema: „Personal Structures – Identities“, gezeigt während der Biennale in Venedig. Eine Ehre. „Ich habe sehr persönliche Dinge eingereicht“, so die Meisterschülerin. In vier Arbeiten von 2012 bis 2019 zeige sie einen Teil ihres künstlerischen Wegs. „Ich freue mich nicht unbedingt wegen des Prestiges, sondern einfach, weil mir das Thema liegt“, betont die junge Frau.

Schrimpf hospitiert nach ihrem Abitur 2011 zunächst beim Stuttgarter Theater in der Regie. „Ich bin ein Beispiel für jemanden, der in der 10. Klasse sogar Kunst abgewählt hat“, lacht sie im Hinblick auf ihren Lebensweg zur Künstlerin. Fotografiert habe sie immer gern, Vorbild sei besonders ihr Vater gewesen. Doch in der Schule habe sie im Fach Musik Abitur gemacht, berichtet sie schmunzelnd. Geige spiele sie weiterhin. „Wir waren viel in Museen, auf Ausstellungen, in Konzerten oder in der Oper“, denkt sie gern an ihre Jugend zurück. „Ich verdanke meinen Eltern die Freiheit, mich auszuprobieren. Sie haben mich immer unterstützt“, so Schrimpf.

Die Gaildorfern möchte gerne von ihrer Passion leben können

„2012 habe ich mich dann an der Akademie der Bildenden Künste in München mit einer Mappe beworben“, erzählt sie. „Da kam irgendwie alles zusammen, was mich interessierte und mir liegt.“ Film, Fotografie und Grafik. Im Nachhinein sei sie froh gewesen, so blauäugig und damit unbeschwert in die Bewerbungsrunden gegangen zu sein.

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„Ich kam aus der Provinz und wusste nicht, wie schwer das war.“ Die Mappe sei gut, sie aber zu jung, habe sie zunächst als Kommentar bekommen. Kaum zurück in Gaildorf, blinkte der Anrufbeantworter. Darauf hieß es: „Der Herr Professor will, dass Sie sich bewerben.“ „Ich habe es bis heute nicht bereut“, fasst sie zusammen. Für Februar habe sie sich nun zum Diplom angemeldet.

„Ich würde gern in Zukunft von dem leben können, was ich gerne mache. Das kann Film, das kann Foto sein“, wünscht sich Schrimpf. Eine 96-Jährige, die den Holocaust und Stalin überlebt habe, habe ihr beim Drehen des Dokumentationsfilms „Blütenlese“ Optimismus gelehrt. Das Porträt über eine junge Dichterin, die mit 18 Jahren im Holocaust umkam, drehte Schrimpf als Regisseurin in Israel und der Ukraine. „Noch suchen wir dringend Geldgeber für den Schnitt“, seufzt die Gaildorferin.

Auf der Suche nach Geldgebern

Eine wichtige Suche – wie im Frühjahr: Nur dank der Münchner Alexander-Tutsek-Stiftung und mit Unterstützung der Stadt Gaildorf sei die Teilnahme an der Biennale überhaupt möglich geworden, kurz vor knapp. „Das wirkt immer so schön glatt in den Biografien“, sagt die Künstlerin. Doch den Kampf um Fördergelder, ohne die so etwas nicht zustande käme, den sehe niemand. „Aber ich hatte trotzdem Spaß daran“, betont Schrimpf und nimmt noch einen Schluck Tee. Einen Rat habe sie: niemals aufgeben und nicht anfangen, an sich zu zweifeln. In der Ukraine habe ihnen ein an dem Film interessierter Geschäftsmann das Apartment gestellt. „Ich hatte ziemlich viel Glück bisher“, schließt sie. „Und tolle Professoren, die meine Geschicke mit gelenkt haben.“

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Ein Platz unter den besten zehn Studierenden

Sarah Schrimpf wurde 1991 in Hall geboren und ist in Gaildorf aufgewachsen. Seit 2012 studiert sie an der Akademie der Bildenden Künste München. Studienaufenthalte führten sie an die „Louis-Lumière“ in Paris (Film, Fotografie und Sound), die Akademie der Bildenden Künste Krakau (Grafik), die École supérieure d’art et de design in Marseille (Design) und jüngst an die National Filmschool in Lodz (Film). 2017 wurde Schrimpf als Studentin beim Sony Award in London unter die besten zehn Studierenden gewählt. Seit Oktober 2018 ist sie in der Meisterklasse (Fotografie) von Professor Dieter Rehm an der Akademie der Bildenden Künste München. Derzeit ist sie an der Biennale in Venedig beteiligt, „eine Folge von London“, so Schrimpf. Bis 24. November sind ihre Arbeiten im European Cultural Center im Palazzo Mora ausgestellt. may