Es geht mir sehr bescheiden“, erklärt Peter Braun am Telefon. Der 58-jährige Fichtenberger leidet unter wiederkehrenden Schmerz­attacken. Doch es ist auch die Anspannung vor dem Termin am heutigen Dienstag, die ihm zu schaffen macht. Ab 9.50 Uhr verhandelt das Landessozialgericht in Stuttgart seinen Fall. Dessen Entscheidung hat für ihn persönlich weitreichende Folgen – und für seine Krankenkasse möglicherweise ebenfalls.

Seine Cluster-Kopfschmerzen sind für Peter Braun unerträglich

Seit annähernd 30 Jahren leidet Peter Braun unter Cluster-Kopfschmerzen. Mehrmals am Tag suchen ihn die Schmerzattacken heim. Betroffen ist die linke Hälfte des Gehirns, der Schmerz ist derart heftig, dass er praktisch nicht auszuhalten ist. Zehn Jahre gingen ins Land, ehe Peter Braun die Diagnose bekam – und speziell darauf abgestimmte Medikamente. Doch damit fing sein Martyrium erst richtig an. Nach der wiederholten Einnahme eines hochdosierten Herzmittels, mit dem Cluster-Kopfschmerz-Patienten in der Regel behandelt werden, erlitt er 2011 einen Herzinfarkt. Zwei Wochen lag er im Koma. Seitdem scheiden alle gängigen Medikamente für ihn aus – die Gefahr für sein Herz ist zu groß. Ihm bleibt die Inhalation von hochdosiertem Sauerstoff. Doch auch das bringt Probleme mit sich: Den Sauerstoff muss er bereits nachts über eine Maske einatmen, da er an Schlafapnoe – also Atemaussetzern – leidet. Das reduziert die Einsatzmöglichkeiten des schleimhautreizenden Gases am Tag.

Der Strohhalm, an den sich Peter Braun klammert, ist das sogenannte Gamma-Core-Gerät. Über eine Selbsthilfegruppe ist er da­rauf gestoßen. Es stimuliert den Vagusnerv am Hals und reduziert Peter Braun zufolge die Dauer und Intensität der Schmerzattacken erheblich. Die Kosten für das Gerät belaufen sich auf rund 4000 Euro im Jahr – jedoch ist es bislang in Deutschland nicht zugelassen. Die AOK Heilbronn-­Franken, der Krankenversicherer von Peter Braun, lehnt daher eine Kostenübernahme ab. Für den Fichtenberger sind die Kosten jedoch aufgrund einer weitgehenden Berufsunfähigkeit auf Dauer nicht zu stemmen. Er ging gegen die Entscheidung der AOK juristisch vor.

Fichtenberger hofft auf Verständnis des Landessozialgerichtes

In erster Instanz hat das Heilbronner Sozialgericht im Februar zu seinen Gunsten entschieden. Peter Brauns Interessen im Rahmen einer Einzelfallentscheidung wiegen dem Urteil zufolge schwerer als die Nicht-Zulassung des Geräts. „Aufgrund der Begründung ist nicht auszuschließen, dass damit in weiteren Fällen auch andere vom Gemeinsamen Bundesausschuss nicht zugelassene Therapievarianten genehmigt werden müssten“, befürchtet die AOK – und ging in Berufung. Somit wird sich heute das Landessozialgericht in Stuttgart mit der Angelegenheit befassen. Eine Entscheidung wird noch am selben Tag erwartet.

„Die AOK bedauert sehr, ihrem Versicherten in diesem Anliegen so nicht folgen zu können“, erklärt der Versicherer. „Wir hoffen auf eine für alle Seiten verbindliche Klärung der Angelegenheit.“ Darauf setzt auch Peter Braun: „Ich hoffe, dass das Gericht meine Situation versteht. Ich werde natürlich vor Ort sein. Keiner kann das besser erklären als ich.“