Die Fellbacher Weingärtner haben bei -10 Grad Celsius Riesling- und Spätburgunder-Trauben am Kappelberg gelesen. „Die Trauben hingen besonders unversehrt am Stock. Der Riesling bringt 163 Grad Oechsle auf die Waage, der Spätburgunder sogar 166“, freut sich Kellermeister Tobias Single über seinen ersten Eisweinjahrgang. „Zuletzt war es mit dem 2016er Jahrgang am Kappelberg ausreichend kalt für eine erfolgreiche Ernte“, berichtet der Vorstandsvorsitzende Tom Seibold. Nun konnten 120 Liter Riesling und rund 220 Liter Spätburgunder abgepresst werden. Das teilt der Verein Remstal Tourismus mit.

Je kälter, umso besser

Grad Oechsle bezeichnet die Maßeinheit für die Dichte des Traubenmosts. Dieses sogenannte Mostgewicht ist ein Kriterium für die Einteilung von Weinen in verschiedene Qualitätsklassen. Für Eiswein sind demnach mindestens 125 Grad Oechsle nötig. Und ihn überhaupt herstellen zu können, müssen die Trauben im gefrorenen Zustand gelesen werden. Mindestens -7 Grad Celsius sind nötig, damit die in den Beeren enthaltenen Wasserkristalle beim Pressen als Eis auf der Kelter zurückbleiben, während nur der süßeste Saft als hochkonzentrierter Most extrahiert wird. Weil Moste mit derart hohen Zuckergehalten von den Hefen nur sehr mühsam zu Wein vergoren werden, haben Eisweine in der Regel einen sehr hohen natürlichen Restzucker- und einen relativ geringen Alkoholgehalt – oft nur etwa 7 Volumenprozent.
Wein aus Metzingen Das Beste kommt noch

Metzingen

Auch in Weinstadt waren am frühen Morgen Lesehelfer unterwegs. „Lesebeginn war um 5.30 Uhr“, berichtet Kerstin Mödinger vom Weingut Mödinger aus Strümpfelbach. Ziel war ein Weinberg, der auf 400 Höhenmetern liegt und „einer unser höchstgelegenen Riesling-Weinberge ist“. Das Ergebnis: 151 Grad Oechsle. Das Großheppacher Weingut Klopfer holte Trauben für 150 Liter Riesling-Eiswein mit einem Mostgewicht von 156 Grad Oechsle ein. „Mittels Funkübertragung der aktuellen Temperatur konnten wir erstmals über Smartphones den Temperaturverlauf bequem von zu Hause aus mitverfolgen und den Lesezeitpunkt festlegen. Um 5.30 Uhr ging es dann ab in die Gundelsbacher Weinberge“, erzählt Christoph Klopfer.
In der Einzellage Stettener Pulvermächer hat das Kernener Weingut Beurer Riesling-Trauben gelesen. „50 Liter hochkonzentrierter Traubensaft mit 150 Grad Oechsle“, berichtet Jochen Beurer. Ebenfalls Riesling hat das Weingut Zimmerle aus Korb eingebracht: „Wir haben von 6 bis 8 Uhr bei -10 Grad Celsius einen Riesling-Eiswein aus der Lage Steingrüble eingebracht. 150 Liter sind es geworden mit 170 Grad Oechsle“, bilanziert Jens Zimmerle.