Gschwend Die „Schnapsidee“ schlägt ein

Bürgermeister Hald macht im Dialog mit den Bronnweiler Weibern Märy Lutz und Friedel Kehrer eine gute Figur und steht auch als Beamter seinen Mann. Allerdings soll er nicht so für seine Bauplätze werben, sonst kämen noch Stuttgarter nach Gschwend.
Bürgermeister Hald macht im Dialog mit den Bronnweiler Weibern Märy Lutz und Friedel Kehrer eine gute Figur und steht auch als Beamter seinen Mann. Allerdings soll er nicht so für seine Bauplätze werben, sonst kämen noch Stuttgarter nach Gschwend. © Foto: staufer.press
Gschwend / Werner Schmidt 22.10.2018
Das zweite Gschwender Mundartfestival ist mit 350 Besuchern überaus gut besucht. Zu Gast sind die Bronnweiler Weiber und die schwäbische Rockband Pomm Fritz.

Gschwends Bürgermeister Christoph Hald schlug sich tapfer zwischen den Bronnweiler Weibern Märy Lutz und Friedel Kehrer beim zweiten Gschwender Mundart-Festival in der Gemeindehalle. Er wusste sich gegen das Kabarettisten-Duo zu wehren. Dennoch gab es ihm einen Ratschlag mit auf den Weg, nachdem er vollmundig angepriesen hatte, für die Nicht-Gschwender unter den rund 350 Menschen im Publikum gebe es durchaus noch Bauplätze im Ort: „Hebet Se de Bauplätz lieber auf, sonscht kriaget se no die Stuttgarter. Lieber a Schnegg im Salad wie en Stuugarder em Hof!“

Im Schwabenländle mag man alles, bloß keine Städter. Und mit den Politikern haben’s die beiden Frauen auch nicht: „Send Sia Beamter?“ fragten sie Hald, der bejahte. „Und wisset Sia, warom an Beamter net tanze kaa?“ Die Antwort kam prompt: „Weil keine Musik so langsam spielt.“ Im übrigen sei das Klopapier im Rathaus bestimmt dreilagig, weil ja die Behörde „für jeden Scheiß zwei Durchschläge braucht“. Das Publikum kicherte, lachte, klopfte sich auf die Schenkel.

Förderverein ist zufrieden

Der Förderverein für Sport und Kultur hatte mit seinem zweiten Mundartfestival wieder einen Volltreffer im Publikumsgeschmack gelandet. Und das, obwohl das Festival eigentlich einer „Schnapsidee“ entsprungen sei, sagte der Vorsitzende des Vereins, Uwe Heunisch. Man habe sich überlegt, was man Neues tun könne, um für die Förderung der Gschwender Vereine Geld zu sammeln. Nun werde das Festival gemeinsam mit der Gemeinde veranstaltet und organisiert.

Und um möglichst viel Fördermittel zu sammeln, wurde es am Samstag in der Gschwender Gemeindehalle ein langer Abend. Zuerst die Bronnweiler Weiber, die ihren teils zotigen Charme versprühten und mitteilten, dass dies einer ihrer Abschiedsauftritte sei. Nach fast 40 Jahren gemeinsamen Humors wolle man 2019 aufhören, auch weil die inzwischen 75-jährige Märy Lutz diesen Wunsch geäußert habe.

Das fand die zweite Gruppe des Abends überaus bedauerlich. Die schwäbische Rockband Pomm Fritz, die mit bissigen Liedtexten den späten Abend bestritt, trat in ihrer 38-jährigen Karriere schon oft mit dem Frauen-Duo auf. Die „Kultband im Süden“, die fünf Schwaben, die auszogen, um den Spagat zwischen Tradition und Moderne musikalisch voller Lebensfreude mittels einer Symbiose von Mundart, aggressiver Volxmusik, Hip-Beats und Feedback aus dem Akkordeonverstärker zu meistern (Eigenwerbung auf der Webseite), hatten zunächst Bedenken: „Es ist für uns ungewöhnlich, dass die Halle so bestuhlt ist!“ Denn für den Auftritt der „Bronnweiler Weiber“ waren rund 320 Stühle in Reih und Glied aufgestellt worden.

Über Generationen hinweg

Und dann war da noch der Altersunterschied – von ziemlich jung bis ziemlich alt: „Aber alle, die heute alt sind, waren ja auch mal jung“, meinte Sänger Stefan Reisacher, um ironisch klar zustellen: „Wir hatten auch mal ‚Ganz in Weiß’ im Repertoire.“ Aber das liege auch Jahrzehnte zurück. Inzwischen konzentrieren sich die fünf Musiker auf eigene Kompositionen und bissige Texte. Wie zum Beispiel ihren Schneefahrersong: „Skifahr’n ohne Snowboardseggl!“ Weil ja die Snowboarder die Pisten zerstören. Da trafen sie beim Gschwender Publikum den Nagel auf den Kopf. Vor allem, weil auch Bürgermeister Christoph Hald zu Beginn der Veranstaltung mit den Langlaufloipen und dem Gschwender Skilift am heimatlichen Gemeindeberg geworben hatte.

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