Es habe schon seinen Grund, dass die Rottaler Werkrealschule neben dem großen Konkurrenten im benachbarten Gaildorf Bestand habe, sagt Andreas Haller, Rektor der Fichtenberger Grund- und Werkrealschule. Er hat am vergangenen Freitag im Fichtenberger Gemeinderat über die Situation der Schule berichtet. Die Schule ist Bestandteil einer seit Jahrzehnten gepflegten Kooperation mit Oberrot.

Die Unterrichts- und Betreuungsangebote seien „wahnsinnig weit gestreut“, erklärt Haller die Qualitäten seiner Schule, hinzu komme, dass die Nachfrage nach Werkrealschul-Angeboten steige: „Auch in den großen Städten schreien sie wieder danach!“

Hürde zwei Mal gerissen

Dabei hatte die Rottalschule Glück gehabt. Mit dem Wegfall der Grundschulempfehlung vor sechs Jahren schlug zumal den Hauptschulen auf dem Land die Stunde. Die Schulform selbst verschwand; sie ging in den sogenannten Werkrealschulen auf, die dann aber, weil viele Eltern es vorzogen, ihre Kinder in die nächstgelegene Stadtschule zu schicken, am Schülermangel zu knapsen hatten. In Gschwend etwa gibt es nur noch zwei Grundschulen. Die Werkrealschule in der Heinrich-Prescher-Schule wurde geschlossen, nachdem zwei Mal in Folge die Mindestschülerzahl in den Eingangsklassen nicht erreicht wurde.

Der Schulkooperation im Rottal drohte das gleiche Schicksal. Die Werkrealschule in Oberrot, wo die fünfte und die sechste Klasse unterrichtet werden, hatte die Hürde zwei Mal in Folge gerissen. Dass die Kooperation erfolgreich arbeitet, blieb den Schulbehörden gleichwohl nicht verborgen, zumal diese Erfolge durch handfeste Zahlen belegt werden können. Ein oder zwei Jahre nach der Anmeldeflaute füllen sich die Klassen der Werkrealschule in schöner Regelmäßigkeit mit Rückkehrern. Das Regierungspräsidium stimmte daher einem Antrag zur Standortsicherung zu.

Die Situation berechtigt also zum Optimismus. Allerdings, betont Haller, sei die Entscheidung des Kultusministeriums, den Werkrealschulstandort im Rottal zu sichern, „nicht in Stein gemeißelt“. Wenn sich ein Gegentrend abzeichne und die Anmeldezahlen auf Dauer einstellig blieben, „ist’s schnell wieder aufgehoben!“

Medienkonzept der Fichtenberger Schule ist gesichert

Haller wies auch auf die noch laufende Umstrukturierung der Verwaltung hin. Aktuell gebe es 14 Lehrkräfte an der Schule, eine Sonderpädagogin, die für vier Stunden nach Fichtenberg abgeordnet ist, mitgerechnet. Der Abmangel liege bei 14,5 Stunden, könne aber noch wachsen; Kürzungen beträfen vor allem den Sprachförderunterricht – „leider.“ Außerschulische Angebote stehen finanziell auf unsicheren Beinen: Im Lehrbeauftragtenprogramm des Kultusministeriums beispielsweise habe man etwa 4000 Euro beantragt, aber nur 294 Euro erhalten: „Das reicht nicht für einen!“ Auch das Projekt „Lesepaten“, für das sich drei externe Interessenten gemeldet hätten, sei wegen der unsicheren Finanzierung geschoben worden, man werde sich deshalb nach Sponsoren umschauen.

Gesichert ist hingegen das Medienkonzept. Die Schule hat sich an der „Leuchtturmschule“ in Michelfeld orientiert und einen Bedarfsplan vorgelegt, der unter anderem zwei I-Pad-Klassensätze und die Erweiterung und Umrüstung der PC-Infrastruktur vorsieht. Die Kosten belaufen sich auf 49.000 Euro; der Gemeinderat stimmte zu.

Auch die Sanierung der Schule und die Erneuerung von Heizung und EDV-Verkabelung wurden auf Antrag der Verwaltung „im Grundsatz“ beschlossen. Die Maßnahmen sollen nun ausgeschrieben werden und dann, so Bürgermeister Roland Miola, „werden wir sehen, wo wir stehen“. Die Gemeinde kalkuliert mit Gesamtkosten in Höhe von 836.000 Euro.

Weckler: BI liegt falsch

Hallers Einlassung, die Standort­sicherung sei nicht in Stein gemeißelt, hatte dann übrigens in der Gemeinderatsfragestunde ein Nachspiel. Die gesicherte Werkrealschule wird nämlich auch in der Pro-&-Contra-Broschüre zum Bürgerentscheid Auchthalde erwähnt. Sie findet sich dort auf den Seiten der Bürgerinitiative „Auchthalde erhalten – Naturpark bewahren“, die ein Verfahren zur Aufhebung des Bebauungsplanes anstrebt und sich damit gegen die Vorstellung wendet, die Gemeinde müsse wachsen, um den Schulstandort zu halten. Dass die Schule „unabhängig von der Schülerzahl und unbefristet“ gesichert sein soll, stellte Gemeinderat Jörg Weckler mit Verweis auf Hallers Bericht fest, „ist dann aber falsch“.

Handyverbot gut fürs Schulklima

An der Fichtenberger Grund- und Werkrealschule wird im Einvernehmen mit den Schülern die Schulordnung geändert. Handys seien danach im Unterricht nicht mehr erlaubt, erklärte Rektor Andreas Haller im Gemeinderat. Sie werden bei Schulbeginn in eine Box gelegt und können nach der Schule wieder abgeholt werden. Das wirke sich spürbar aufs Klima aus, sagte Haller: „Die unterhalten sich wieder in den Pausen.“ rif