Oberrot Bei Bio-Äpfeln klingelt’s in der Kasse

Oberrot / Von Peter Lindau 30.08.2018
Die Obstgemeinschaftsbrennerei Oberrot gibt es nicht mehr. Dafür nimmt die Wengel KG jetzt für die Aspacher Firma Streker Ware an. Daraus entsteht Fruchtsaft.

Mit dem Fall des staatlichen Branntweinmonopols Ende 2017 hat sich in Oberrot die Produktion von Industriealkohol in einer Verschlussbrennerei nicht mehr gelohnt. Seit 1. September 2018 ist daher auch die als Gesellschaft des bürgerlichen Rechts aufgestellte Obstgemeinschaftsbrennerei (OGB) mit ihren mehr als 1000 Mitgliedern Geschichte.

Die Besitzer von Streuobstwiesen in der Region setzen jetzt in Zusammenarbeit mit der Aspacher Firma Streker auf die Vermarktung ihrer Äpfel und Birnen als Fruchtsaft. Das kann durchaus attraktiv sein. Für Früchte, die biozertifiziert sind, wird ein Vielfaches als für Ware ohne das EU-Siegel bezahlt.

Laut Erhard Wengel von der Oberroter Wengel KG haben 40 von rund 1000 ehemaligen OGB-Mitgliedern eine von der Firma Streker angebotene Sammelzertifizierung genutzt. Lohnenswert sei dies freilich nur für Besitzer von großen Streuobstwiesen mit entsprechendem Ertrag, weiß Wengel und nennt als jährliche Zertifizierungskosten einen Betrag zwischen 130 und 150 Euro.

Wengel rechnet damit, dass Bio und normale Ware sich in der Anlieferung etwa die Waage halten werden. Die Kampagne sei erst angelaufen und über die Menge könne man noch keine verlässliche Aussage treffen. „Rund 1000 Tonnen werden wir schon zusammen bekommen, vielleicht auch 1500 Tonnen“, schätzt er.

Anlieferung in kleinen Chargen

Bis Dienstagnachmittag wurden auf dem Firmengelände in der Industriestraße bereits 25 Tonnen normale und 36 Tonnen Bioware abgekippt. Erhard Wengel vermutet, dass es sich dabei um Obst handelt, das von sich aus vom Baum gefallen ist und dann von Hand aufgelesen wurde.

Auch Karl Noller fährt mit seinem Traktor vor. Der Oberroter hat Bioware auf dem Hänger und wird zu Silo 2 geschickt. Dieses ist für die begehrten Früchte bestimmt. Noller rangiert seinen Anhänger in Position und betätigt dann sachte die Hydraulik. Die Äpfel purzeln langsam ins Auffangbecken. Dort werden sie möglichst schonend zwischengelagert, damit sich weder Druckstellen noch Fäulnis bilden.

Matschige oder faulige Früchte mag man bei den Saftherstellern gar nicht. „Ein Apfel rollt vom Hänger und fließt nicht. Wenn ich so etwas sehe, kollabiere ich regelmäßig“, berichtete Andreas Rikker von Streker-Fruchtsäfte in der letzten Mitgliederversammlung der Oberroter OGB vor ziemlich genau einem Jahr aus der betrieblichen Praxis.

Bis jetzt werden nur Äpfel angenommen. „Vermutlich ab der dritten Septemberwoche können auch Birnen angeliefert werden“, meint Erhard Wengel und schränkt ein: „Dann aber nur montags und dienstags“. Der Saft­umtausch werde übrigens weiterhin angeboten.

Annahmezeiten und Steuernummer

Saison In Oberrot nimmt die Wengel KG im Industriegebiet seit dem 20. August Obst an. Annahmezeiten sind Montag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 12 und 14.30 bis 19 Uhr. Dienstag und Donnerstag kann Obst von 14.30 bis 19 Uhr und samstags von 9 bis 16 Uhr angeliefert werden.

Bioware Wer Bio-Obst anliefert, muss sein Bio-Zertifikat vorlegen.

Geld Alle Anlieferer werden in einer Datenbank neu erfasst. Dazu muss jeder seine Bankverbindung und seine zehnstellige Steuernummer mitteilen.

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