Ehingen / Stefan Bentele  Uhr

„Fazit: Mangelhaft.“ So lautet derzeit das Urteil von Thaddäus Bamberger, Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Kreisverband Biberach, mit mehreren hundert Mitgliedern, über die Lint-54-Triebwagen, die seit Pfingstsonntag auf der Donautal- und Brenzbahn im Einsatz sind. Die Fahrzeuge verkehren im Auftrag der Südwestdeutschen Landesverkehrs-AG (SWEG), die sich zum Großteil im Eigentum des Landes befindet.

Die Beurteilung der Triebwagen werde von weiteren Kreisverbänden des VCD geteilt, wie Bamberger am Freitagmittag sagte. Beim Landesverband in Stuttgart war am Freitagnachmittag telefonisch niemand zu erreichen. Bamberger widerspricht der Darstellung von Tobias Harms, technischer Vorstand der SWEG. Harms hatte in der überregionalen Ausgabe der SÜDWEST PRESSE von Donnerstag gesagt, dass es mit den zehn Fahrzeugen auf den beiden Strecken bislang keine Probleme gebe. Am Freitag äußerte sich ein SWEG-Sprecher zur VCD-Kritik, teilte mit, dass man dessen Einschätzung nicht teile.

Lob von Gästen: Pünktlich, sauber, leise

Die Fahrzeuge entsprächen modernsten Vorgaben. Man sei mit dem Betriebsstart „grundsätzlich sehr zufrieden“, vereinzelt sei es zu technischen Problemen und Verspätungen gekommen, „die bei einer Betriebsaufnahme normal sind“. Die Zugbegleiter haben laut Sprecher von Fahrgästen Lob für Sauberkeit, Pünktlichkeit und die leisen Fahrgeräusche der Züge erhalten.

Bamberger sieht das anders. Er pendelt nahezu täglich mit dem Zug zwischen Ehingen und Laupheim. Am Donnerstag etwa habe ein Zug der SWEG, der in Ulm ab 14.36 Uhr in Richtung Ehingen fuhr, nach dem Halt in Schelklingen auf freier Strecke plötzlich so abrupt gebremst, dass er sich stieß und noch nachts Schmerzen im Nacken verspürte.

Zudem habe der Lokführer auf besagter Fahrt im Bahnhof in Schelklingen mehrfach die Türen wieder öffnen müssen, weil noch nicht alle Fahrgäste ausgestiegen waren, die Türen sich aber bereits geschlossen hatten. Die SWEG schreibt dazu: „Dieser geschilderte Vorfall ist für uns so nicht nachvollziehbar.“

Türen in der Kritik

Bamberger kritisiert ferner, dass bei einem anderen SWEG-Fahrzeug bereits zwei der insgesamt acht Türen defekt sind. Der Unternehmenssprecher bestätigt den Defekt am Fahrzeug „Heidenheim“. Der „Mangel“ sei bis Freitagnachmittag abgearbeitet. Hinsichtlich des „akustischen Warnsignals“, das beim Schließen der Türen ertönt, handle es sich um eine „zulassungsrelevante Vorschrift. Die Lautstärke ist korrekt nach dieser Vorschrift eingestellt“, teilt der Sprecher mit. Bamberger empfindet das Geräusch, das die Türen beim Schließen erzeugen, als zu laut und äußerst unangenehm. Das haben ihm, sagt er, auch andere Fahrgäste mitgeteilt. Auf einer Fahrt hat er zudem ein „Schaukeln“ des Fahrzeugs festgestellt. Die SWEG kann die Schilderung, dass das Fahrzeug „schaukelt“, nicht nachvollziehen.

Barrierefreier Zugang

Einen barrierefreien Zugang zu den Sitzmöglichkeiten sieht Bamberger ebenfalls schlecht umgesetzt. Zwar gelangen Rollstuhlfahrer – je nach Bahnhof – barrierefrei in den Zug, befinden sich dann aber im Bereich, wo Fahrräder abgestellt werden. „Wenn sehr viel Leute im Zug sind, ist das zu wenig.“ Und zu den eigentlichen Sitzplätzen gelangen Menschen in Rollstühlen laut Bamberger nicht, weil dabei stets zwei Stufen zu überwinden sind. Die SWEG verweist darauf, dass mit ihren Zügen erstmals an den meisten Bahnhöfen ein barrierefreier Zugang möglich sei, weil sich an jeder Tür ein „Niederflurbereich“ anschließe mit „großzügigen Mehrzweckbereichen“ zur Mitnahme von Rädern, Kinderwagen und Rollstühlen.

Mit Schildern werde darauf hingewiesen, dass Radfahrer den Breich freigeben müssen, falls ein Rollstuhlfahrer mitfahren möchte. Es gebe ebenso barrierefreie Toiletten. An Bahnhöfen, an denen der Bahnsteig nicht an den Einstieg anschließt, behelfe man sich mit einer Rampe. Um darauf zurückgreifen zu können, bedarf es einer Anmeldung am Tag vor der Fahrt.

Bamberger bemängelt weiter, dass zu Stoßzeiten die vier Türen an jeder Seite nicht ausreichen. Darunter leide insgesamt die Gesamtfahrzeit, etwa zwischen Ehingen und Ulm. Die betrage derzeit etwa 40 Minuten. „Für den Schülerverkehr halte ich das für ungeeignet.“ Dabei hatte der VCD sich erhofft, dass mit neuen Fahrzeugen der Ein- und Ausstieg optimaler vonstattengehen kann und die Fahrzeit sinkt. Er verweist auf die Züge der RAB, die an jeder Seite sechs Türen haben.

Die SWEG sieht das anders: Die früheren Züge verfügten nicht über mehr Türen, die Zahl der Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten sei an den aktuellen Fahrzeugen ausreichend.

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Lint-54-Züge fahren seit Pfingstsonntag auf der Donautal- und Brenzbahn, im Netz „Ulmer Stern“. Hersteller der Fahrzeuge ist Alstom, ein französischer Konzern.