Viele Besucher kamen am Samstagnachmittag zum Rosengarten. Es wurden Reden gehalten und Gebete gesprochen: Dort wurde eine Gedenktafel eingeweiht, die nun am Eingang des Wohngebietes steht. Darauf 29 Namen, von denen fünf auf Straßenschildern des ersten Bauabschnittes zu finden sind. Mit der Erweiterung des Baugebietes werden weitere Namen von Widerstandskämpfern gegen das NS-Regime Einzug in den Rosengarten halten. Veit Feger wollte die Straßennamen nicht unkommentiert lassen und beauftragte in einer privaten Initiative den Ertinger Bildhauer Gerold Jäggle mit der Anfertigung einer Tafel zum Gedenken an die 29 Frauen und Männer, die dem Unrechtsstaat der NS-Diktatur widerstanden und ihren Widerstand mit dem Leben bezahlen mussten.

Abgeschoben und verfolgt

Die Gedenktafel sei eine Spende der Familie an die Stadt Ehingen, sagte Feger, der die Namen auf der Tafel nicht nur in die Geschichtsbücher eingetragen sehen will, sondern als Vorbild für heutiges Handeln versteht. Er machte darauf aufmerksam, dass auch heute von staatlicher Seite aus hin und wieder Unrecht geschehe, wenn zum Beispiel Flüchtlinge abgeschoben werden, die in ihrem Heimatland verfolgt wurden. Ähnlich äußerte sich auch Gertrud Graf vom Sprecherrat der Gedenkstätten im Land: „An diesem Denk-Ort sind wir alle aufgefordert, uns zu fragen, was hätten wir in dieser Diktatur gemacht – weggeschaut, die eigene Haut gerettet oder dagegengehalten? Und was tun wir heute?“ Die Vertreter der beiden großen Kirchen, Pfarrerin Margot Lenz und Diakon Roland Gaschler, mahnten, sich für Menschlichkeit einzusetzen, und Willi Bauschatz von der Freikirche Arche und Volker Altdörfer von der Neuapostolischen Kirche sprachen Gebete. Oberbürgermeister Alexander Baumann erinnerte daran, dass sich der Gemeinderat 2006 ganz bewusst für diese 29 Namen im Wohngebiet Rosengarten entschieden hatte, um die Erinnerung an sie wach zu halten.

29 weiße Rosen verteilt

Bildhauer Gerold Jäggle erläuterte die zwei Brüche in der Metallplatte, die für die Brüche in den Biografien der Widerständler stehen. In Jäggle hat Feger einen akademischen Bildhauer gefunden, dessen Werke in Oberschwaben anzutreffen sind, in Riedlingen, in Oggelshausen oder in der Galerie Schrade in Mochental. Vier Namen im Rosengarten sind der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ zuzuordnen: Die Geschwister-Scholl-Straße mit den Ulmern Hans und Sophie Scholl, ihrem Studienkollegen Willi Graf und ihrem Philosophieprofessor an der Uni München, Kurt Huber. Das nahm die Ehinger Ortsgruppe der Grünen zum Anlass, für die Bewohner des Rosengartens 29 weiße Rosen mit Namen der Widerstandskämpfer zu verteilen und mit einer Broschüre über deren Lebensgeschichten zu informieren.

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