Es geht um Freiheit. Und um den Traum vom eigenen Reich: Tiny Houses, die in den USA und in Kanada voll im Trend sind, werden jetzt auch in Deutschland zunehmend gefragt. Weil Immobilienpreise steigen und Wohnraum knapp ist, war das für Schreinermeister Simon Hatzing aus Unterstadion Anlass genug, gemeinsam mit seiner Partnerin Anne Thamm ein Start-Up zu wagen, das den Ansprüchen an zeitgemäße und flexible Wohn- und Lebensformen entspricht. Das Paar hat sich vor eineinhalb Jahren vorgenommen, künftig moderne und qualitativ hochwertige Mini-Häuser zu bauen und diesen Plan jetzt in die Tat umgesetzt: Sechs Monate lang haben die beiden am großzügig und umfangreich ausgestatteten Prototypen gebaut, der auf der Ulmer Messe „Leben-Wohnen-Freizeit“ vom 3. bis zum 7. April der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll.

Kochen und Essen im Tiny House

„Wir wollen herausfinden, wer sich von unseren Mini-Häusern auf Rädern mit Wohnflächen zwischen 10 und 30 Quadratmetern angesprochen fühlt“, nennt Simon Hatzing als nächstes Ziel. „Außerdem zeigen wir, dass man sich den Traum vom eigenen Reich mit uns erfüllen kann.“ Die Einrichtung konzentriert sich aufs Wesentliche, Kochen und Essen stehen schließlich im Zentrum des Lebens und rücken deshalb auch im Tiny House in den Mittelpunkt. Alles verfügt trotz kleinem Raum über einen notwendigen Komfort, das Ein-Zimmer-Appartement ist deshalb auch mit einem getrennten Badezimmer ausgestattet. Simon Hatzing und Anne Thamm legen Wert auf ein individuell auf den Kunden zugeschnittenes Konzept: „Wir planen gemeinsam und berücksichtigen den jeweiligen Platzbedarf und die Nutzungsart.“

So kann das Tiny House aus Unterstadion als Wohnraum für Singles entweder auf einem festen Platz als erster Wohnsitz dienen, oder aber für eine größere Familie und für Menschen mit mehr Platzbedarf auf zwei bis drei  Einheiten verteilt werden, die dann den Anforderungen entsprechend kombiniert werden. „Der Vorteil unserer Lösung ist, dass die Wohnräume bei Bedarf mobil sind“, betonen die Start-Up-Unternehmer. Schließlich zeige die Entwicklung der Gesellschaft, dass Mobilität – sowohl im Beruf wie auch privat – immer wichtiger werde.

Das Schreinerhandwerk hat in der Familie von Simon Hatzing eine 150 Jahre lange Tradition. Deshalb werden auch von der CAD-Planung über den Aufbau der Außenwände in Ständerbauweise aus Metall oder Holz bis hin zur schlicht-schönen Innenausstattung alle Arbeiten vom Fachmann ausgeführt. Gas-, Wasser- und Elektroinstallation vergibt Hatzing an regionale Handwerker. Bisher arbeitet er noch allein, mit Unterstützung von Anne Thamm im Büro und bei leichten Arbeiten. Doch schon jetzt hat er Mitarbeiter in Aussicht, die gemeinsam mit ihm eingehende Aufträge umsetzen und dafür sorgen sollen, dass die Bauzeit so gering wie möglich ausfällt.

Steuern mit dem Smartphone

Die Außenfassade aus Holz und Metall wirkt modern und zeitlos, eine gute Dämmung, eine normal dimensionierte Küche mit Kühlschrank und Spülmaschine, ein Bad mit Vollausstattung sowie komfortable Wohn- und Schlafbereiche bieten Komfort auf kleinstem Raum und die Möglichkeit, sich durch weniger Besitz einen Freiraum zu schaffen. „Wir haben diesen Markt über mehrere Jahre verfolgt und sind überzeugt davon, dass der Bedarf vorhanden und der Zeitpunkt perfekt ist.“ Das Paar will ein breites und vor allem unterschiedliches Klientel ansprechen und legt deshalb Wert darauf, dass ihr Tiny House nicht an Camping- oder Zirkuswagenflair erinnert.

So sind die Ideen für mögliche Wünsche und Anforderungen der Kunden fast endlos und reichen vom Mehr-Generationen-Gedanken über mobile Dienstleistungen bis hin zum kleinen Ferienhäuschen in einer Tourismusregion. „Man steckt sein Haus an eine Steckdose und schon funktioniert alles“, sagt Simon Hatzing. Tatsächlich braucht sein Prototyp nur Anschlüsse für Strom, Gas und Wasser. Solarzellen auf dem Dach sorgen für zusätzliche Energie, vom Smartphone aus kann das Tiny House gesteuert werden. Die Preise für ein Mini-Haus auf Rädern aus Unterstadion liegen zwischen 40.000 und 90.000 Euro, je nach Größe des Hauses und gewünschter Ausstattung.

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Bewegung fürs Leben in winzigen Häusern


Bewegung: Der Begriff Tiny House kommt aus den USA und steht für eine gesellschaftliche Bewegung für winzige (tiny) oder kleine (small) Häuser. Die Bewegung findet ihren Ausdruck auch in der Architektur, indem zunehmend Klein- und Minihäuser geplant und realisiert werden, wobei keine feste Definition dafür existiert, bis zu welcher Wohnflächengröße ein Gebäude als Tiny House (Mikro- oder Minihaus) und ab wann es als Small House (Kleinhaus) bezeichnet wird. Tiny Houses werden zumeist zwischen 15 und 45 m² und Small Homes mit bis zu 90 m² Wohnfläche beschrieben.