Viel zu tun gibt es derzeit an den Gymnasien im Land. Schließlich gilt es, die Oberstufenreform, die 2017 in Baden-Württemberg verkündet wurde und vom Abiturjahrgang 2021 an in Kraft tritt, in die Tat umzusetzen.

Auch am Johann-Vanotti-Gymnasium (JVG) in Ehingen werden Vorbereitungen getroffen. Die Schule tüftelt an der Organisation. Die ersten Schüler, die die Neuerung betrifft, kommen im September in die Oberstufe. „Wir gehen das Ganze relativ gelassen an“, sagt Tobias Sahm, der seit August das Gymnasium leitet.

Ein Ziel der Reform ist es, mehr Raum für individuelle Begabungen zu schaffen. Dies soll mit der Rückkehr zu einem System aus Leistungs- und Basisfächern erreicht werden. Sowohl Sahm als auch Oberstufenberater Christian Willmann sehen die Entwicklung positiv. „Die Oberstufenreform kommt den Schülern entgegen“, sagt Willmann, „die Schüler können sich jetzt mehr profilieren“. Außerdem erfahren die Naturwissenschaften eine Aufwertung, indem diese künftig mindestens dreistündig unterrichtet werden.

Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

Leistungsfächer

Bislang haben die Schüler der Oberstufe vier Kernfächer auf erhöhtem Niveau mit je vier Wochenstunden. Künftig gibt es drei Leistungsfächer mit je fünf Wochenstunden. Zwei der Leistungsfächer müssen aus Deutsch, Mathematik, einer Fremdsprache oder einer Naturwissenschaft gewählt werden. Das dritte Leistungsfach ist frei wählbar. Inhaltlich ändert sich nichts, sagt Willmann. Die fünfte Unterrichtsstunde kann in den beiden letzten Schuljahren somit zur Vertiefung und individuellen Förderung genutzt werden. Die Punkte aus zwei Leistungsfächern zählen für das Abitur doppelt.

Basisfächer

Mindestens dreistündig haben die Schüler die Fächer Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften. Die Bildungspläne wurden entsprechend angepasst, sagt Willmann. Alle anderen Fächer werden zweistündig unterrichtet.

Abitur-Prüfung

Abiturienten müssen auch künftig fünf Prüfungen ablegen. Allerdings sind diese nun anders zusammengesetzt: Die drei Leistungsfächer werden schriftlich geprüft. Außerdem legen die Schüler künftig zwei mündliche Prüfungen ab. Bisher sind es vier schriftliche und eine mündliche Prüfung. In Deutsch und Mathe wird weiterhin jeder Abiturient geprüft. Wer eines der beiden Fächer nicht fünfstündig belegt hat, wird mündlich geprüft. Der Ablauf der mündlichen Prüfung ist nun wie folgt: Die Schüler haben 20 Minuten Zeit zur Vorbereitung und werden 20 Minuten lang geprüft. Welches Thema abgefragt wird, erfahren sie am Tag der Prüfung.

Besondere Lernleistung

Die Schüler können Seminarkurse belegen, die dreistündig angeboten werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Recherche und Präsentation, erklärt Willmann. Außerdem schreiben die Schüler eine Hausarbeit und nehmen an einem Kolloquium teil. Mit solch einem Seminarkurs kann eine der beiden mündlichen Prüfungen ersetzt werden (außer in Mathe oder Deutsch).

Null-Punkte-Regel

Neu ist, dass in jeder Prüfung mindestens ein Punkt erzielt werden muss. Wer Null Punkte bekommt, muss in die mündliche Nachprüfung und dort mindestens drei Punkte erreichen.

Info-Veranstaltung für Schüler und Eltern

Die Zehntklässler am JVG haben einen Leitfaden zum neuen Konzept der Oberstufe erhalten. Im Februar findet dazu eine Infoveranstaltung für Eltern und Schüler statt. Mehr Flexibilität in der Wahl der Kurse für die Schüler bedeutet auch einen erhöhten Organisationsaufwand für das Gymnasium. Deshalb blicken Sahm, Willmann und das Kollegium gespannt darauf, für welche Leistungs- und Basisfächer sich die Schüler entscheiden. Im März haben die Zehntklässler drei Wochen lang die Gelegenheit, die eigenen Wünsche zu äußern. Die Wahl, die am PC stattfindet, sei zunächst nicht bindend, betonen Sahm und Willmann. Vielmehr diene sie der Planung und Organisation. „Wir schauen, wie gewählt wird, und was wir möglich machen können“, sagt Sahm. Dann wird es auch darum gehen, inwieweit die Kurse aufgrund der Anmeldezahlen zustande kommen können. Wenn beispielsweise einige wenige Schüler Französisch als Leistungsfach wählen, so sei es vorstellbar mit einem Aufsetzkurs zu arbeiten: Dreistündig für alle Schüler (Basisfach und Leistungsfach) sowie mit zwei zusätzlichen Stunden für die  Leistungsfach-Gruppe.

Wenn klar ist, welche Kurse in welcher Form angeboten werden können, wählen die Zehntklässler nochmals – diesmal allerdings verbindlich.

Info Der Infoabend zur neuen
Oberstufe findet am Dienstag, 12. Februar, 19 Uhr, in der Aula des JVG statt.

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Berufliche Gymnasien bereiten sich vor


Reform Auch die beruflichen Gymnasien in Ehingen machen sich auf den Weg, die Oberstufe neu zu konzeptionieren. Die Neuerungen greifen dort jedoch erst ein Jahr später, vom Schuljahr 2020/21 an, wie Jochen Münz, Geschäftsführender Schulleiter, sagt. In Klasse 12 und 13 wird nach dem Kurssystem unterrichtet. „Wir sind noch sehr entspannt“, sagt Münz. Derzeit werde an dem neuen Konzept der Oberstufe und an den Bildungsplänen gearbeitet. Münz rechnet damit, dass spätestens in einem Jahr die schriftliche Ausarbeitung dazu vorliegt. Fest stehe, dass das Profilfach weiterhin bestehen bleibt und sechsstündig unterrichtet wird. „Der Profilbezug wird im Vordergrund stehen.“ Weitere Fächer sollen als Leistungs-, Basis- und Wahlpflichtfächer fünf-, vier- und dreistündig angeboten werden. jad