„Das war für mich wie ein Traum“, sagt Jamin Gashi über den Moment, als er in den RKU-Kliniken in Ulm vor dem Arzt saß, der seine Frau behandelte. Am 20. März war das, irgendwann weit nach 15 Uhr. Wenn der 40-Jährige über die Ereignisse dieser Tage spricht, redet er mit fester Stimme, aber schnell. Damals hatte der Arzt ihn gegen 15 Uhr angerufen, gesagt, er solle sofort kommen, und ihm dann mitgeteilt: „Ihre Frau stirbt.“

Die Melodie von „Happy Birthday“ klingt durchs Haus, Lejla – mit zwölf Jahren die Älteste der fünf Kinder – spielt gekonnt auf der Querflöte, als ihr Vater am Dienstag von den Tagen im März erzählt und dabei auf seinem Ecksofa im Wohn- und Esszimmer in seinem Haus in Ehingen sitzt. Über dem Esszimmer-Tisch hängt ein Schwarz-Weiß-Foto seiner Frau Christiane. Gemeinsam mit ihr hat Gashi das Haus vor gut anderthalb Jahren gekauft. Die Familie hat sich damals verschuldet, wie andere junge Familien auch, die ein Haus kaufen.

Familie verschuldet sich für Eigenheim

Einst schien die finanzielle Situation der Familie sicher. Jamin Gashi, 40 Jahre alt, stammt aus dem Kosovo, vor 20 Jahren war er nach Deutschland gekommen. Seitdem arbeitet er, mittlerweile als Staplerfahrer für ein Unternehmen im Industriegebiet Donautal in Ulm. Irgendwann lernte er Christiane aus Ulm kennen, sie heirateten, lebten zunächst in Donaustetten. Sie kümmerte sich um die Kinder, er verdiente das Geld und er leistete Überstunden – für Spielsachen, für Familienausflüge, für ein Haus.

Plötzlich Kopfschmerzen, dann Krankenhaus

„Die Ärzte meinten, es war ein Zug.“ In den zwei Wochen vor dem 20. März, einem Mittwoch, habe sie ständig Kopfschmerzen gehabt, zwei Mal seien sie beim Hausarzt gewesen, der Schmerzmittel verschrieb. An dem Mittwoch dann erhielt Jamin Gashi um 8.30 Uhr, er war bereits bei der Arbeit, einen Anruf von Christiane. Sie habe gesagt, dass etwas mit ihr nicht stimme, sie zum Arzt müsse, er kommen solle, damit die sieben Monate alte Tochter versorgt sei.

„Sie lag auf dem Boden und hat die Kleine angezogen.“ Er war an dem Mittwoch nach dem Anruf nach Hause geeilt. Christianes rechte Körperhälfte sei seltsam gewesen, ihre Stimme habe beim Reden gestockt. Einen Notarzt habe er nicht gerufen, Christiane sei ja ansprechbar gewesen. Er fuhr sie ins Klinikum nach Ehingen, dort reagierten die Ärzte sofort und brachten Christiane ins RKU. „Ich habe meine Frau verabschiedet, als ob ich sie in vier Stunden wiedersehe.“

Zwei Tage nach dem Schlaganfall starb Christiane Gashi mit 35 Jahren. Die Kinder, sagt der Vater, reden nicht über den Tod ihrer Mutter.

Hilfe für Familie: Anwältin engagiert sich

Gerhard Zielke, Immobilienmakler aus Schelklingen, der den Gashis das Haus vermittelte, sitzt am Dienstag neben dem Familienvater. Er erfuhr per Zufall vom Schicksal der Gashis – und wandte sich an die Aktion 100.000. „Er hat es schön hergerichtet“, sagt Zielke. Gashi nickt, sagt, dass er nach dem Kauf des Hauses fünf Monate darin gearbeitet habe. Das Bad ist renoviert, im Dachgeschoss hat er zwei Zimmer eingebaut. Die 146 Quadratmeter sollten Christiane und Jamin Gashi ein Zuhause bieten, in dem Lejla, Leonora, Alina und Albijona eigene Zimmer haben. Fiona war damals noch nicht auf der Welt.

Der Vater kümmert sich seit März um den Haushalt, das Finanzielle, die Hausaufgaben der Kinder. Mathe könne er ja noch, sagt der Vater. „Aber Geschichten erzählen? Da habe ich keine Ahnung.“ Alles Dinge, um die sich früher Christiane kümmerte. Seit ihrem Tod war er nicht mehr arbeiten und ohne die Überstunden reicht das Geld nicht. Seine Chefs haben Verständnis, aber auch sie müssen wissen, wie es weiter geht. „Vollzeit geht gerade nicht.“

Jamin Gashi hat hier keine Verwandtschaft, seine Schwester Valmire, die im Kosovo lebt, könne sich vorstellen, zu helfen. Doch dazu bedarf es einer Aufenthaltserlaubnis. Zielke hat eine Anwältin aus Blaustein beauftragt, sich zu kümmern, die Kosten wollte er übernehmen, als die Anwältin die Geschichte hörte, winkte sie laut Zielke ab: Sie wolle einen kleinen Beitrag leisten.

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Ehingen/Schelklingen/Lauterach

Die Aktion 100 000 unterstützt die Familie


Hilfe: Wer Familie Gashi finanziell beistehen will, notiert auf der Überweisung an die Aktion 100 000 das Stichwort „Familie Gashi“. Spendenkonten sind eingerichtet bei der Volksbank Ulm-Biberach (IBAN: DE79630901000002364018, BIC: ULMVDE66XXX) und bei der Sparkasse Ulm (IBAN: DE4763050000 0000100003, BIC: SOLADES1ULM). Spender erhalten ab einem Betrag von 201 Euro eine Spendenbescheinigung. Ansonsten gilt der Überweisungsträger bis 200 EURO als Zuwendungsbescheinigung.