Hieronymus Winckelhofer (1469-1538) war ein gut vernetzter Jurist, Notar, Theologe und Priester. In Ehingen hinterließ er als Stifter einige Spuren, die möglichst ewiglich an ihn erinnern sollten. Doch mehr als 500 Jahre nach seinem Tod sind die beiden gestifteten Pfründe, die Kaplanei St. Anna unterhalb der Stadtpfarrkirche St. Blasius und die Hieronymus-Kaplanei, untergegangen.

An Winckelhofer erinnern neben dem Straßennamen heute noch die Glasbilder im Rathaus, ein Erbärmdebild in der Berkacher Kirche, ein Seitenaltar in der Stadtpfarrkirche St. Blasius und Stiftungsurkunden. Solche Urkunden mit den angehängten Siegeln sind in der Ausstellung „Familie Winckelhofer“ in der Spitalkapelle zu sehen. Die Originale werden jedoch nach etwa vier Wochen gegen Repliken getauscht.

Die Ausstellung in Zusammenarbeit von Museum, Stadtarchiv und der Museumsgesellschaft Ehingen zeigt eine „Rekonstruktion einer Auswahl seines Handelns“, bemerkte Stadtarchivar Ludwig Ohngemach bei seiner Einführung. „Was er privat produzierte, ging verloren.“ So wisse man beispielsweise nicht, woher das Geld kam, das Hieronymus Winckelhofer in seine Stiftungen gesteckt hatte.

Spuren bis in die Schweiz

„Die Bedachten sollten sich im Gebet für Winckelhofer einsetzen“, meinte Ludwig Ohngemach. „Am besten sollte das ewig wirksam sein“. Seelen- und Gedächtnismessen gab es auch im Kloster Roggenburg und die Spuren Winckelhofers gehen bis nach St. Gallen und die Nordschweiz. In Ehingen war das frühere Modehaus Kaim das Stammhaus der Familie. Vater Heinrich Winckelhofer war Stadtschreiber in Kempten und Schwäbisch Hall.

Hieronymus Winckelhofer hatte drei Brüder, die ebenfalls einflussreich waren. Einer davon, Georg, war Amtmann des Bischofs von Brixen und begründete die Tiroler Linie der Familie. Hieronymus Winckelhofer muss ein Pedant gewesen sein, denn er ließ seine Urkunden mehrmals abschreiben und in der Ausstellung sieht man eine eher schlichte Urkunde für die Behörde und eine üppig bestickte Fassung zu Repräsentationszwecken.

Familiäre Beziehungen gut genutzt

Eine Besonderheit ist auch das Erbärmdebild aus der Berkacher Kirche, das auf Leinwand gemalt ist. „Das wurde als Fastentuch gemalt und damit umhüllte man in der Fastenzeit die Kruzifixe in der Kirche“, sagte Ludwig Ohngemach, der auch vermutet, dass es noch einiges in Winckelhofers Biographie aufzuarbeiten gibt. „Er war auch Spitalkaplan in Ulm und man weiß nicht, welche Rolle er in der Reformationszeit spielte“, meinte Ludwig Ohngemach.

Ziemlich gesichert scheint eine gute Vernetzung von Hieronymus Winckelhofer. Sein Bruder Dr. Heinrich Winckelhofer war um 1506 bis 1513 einer der drei Richter des Schwäbischen Bundes. Er nahm 1521 am Reichstag zu Worms teil und wurde Rektor der Universität Tübingen. Er war bis zu seinem Tod Kanzler im Herzogtum Württemberg. Man kann annehmen, dass Hieronymus Winckelhofer familiäre Beziehungen nutzte. Und er war wohlhabend. Seine aus 72 Bänden bestehende Büchersammlung vermachte Hieronymus Winckelhofer der von ihm gestifteten Hieronymuskaplanei an der St. Michaelskapelle zu Ehingen. Die Bücher tragen alle Winckelhofers Schenkungsvermerk, so auch der heute in Besançon aufbewahrte Sammelband mit lateinischen Werken Jacob Lochers.

Info Die Ausstellung ist bis 3. Februar zu sehen. Öffnungszeiten sind Mittwoch von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr. 2019 ist auch eine Fahrt nach Südtirol auf den Spuren Winckelhofers geplant. Ludwig Ohngemach wird eine thematische Stadtführung anbieten.


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Ausstellungsdauer


Dauer der Ausstellung bis 3. Febr. 2019. Nach etwa vier Wochen werden die originalen Urkunden aus konservatorischen Gründen gegen gute Repliken ausgetauscht. Johannes Lang wird Vorträge zu Winckelhofer halten und für 2019 ist eine Fahrt nach Südtirol auf den Spuren Winckelhofers geplant. Ludwig Ohngemach wird eine thematische Stadtführung anbieten.

Öffnungszeiten der Ausstellung in der Spitalkapelle: Mittwoch von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr.