Cooper Standard in Schelklingen steckt in der Krise – bis zu 78 Beschäftigte will der Automobilzulieferer im kommenden Jahr entlassen. Teile der Produktion sollen nach Tschechien verlagert werden (wir berichteten). Jetzt schildern Bürgermeister Ulrich Ruckh und der Landtagsabgeordnete Manuel Hagel ihre Gespräche mit Cooper-Verantwortlichen – und sie machen Vorschläge öffentlich, wie den von der Kündigung bedrohten Mitarbeitern geholfen werden könne. Gleichzeitig soll eine langfristige Sicherung für den Standort erreicht werden.

Vorschlag mit zwei Säulen

Der Vorschlag von Hagel und Ruckh ruht auf zwei Säulen. Zunächst soll Cooper in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft gründen. Dort sollen alle Mitarbeiter angestellt werden, die von Kündigung bedroht sind. Sie arbeiten dann noch eine gewisse Zahl von Stunden an ihrem bisherigen Arbeitsplatz, die restliche Zeit bilden sie sich für andere Berufe weiter. Diese neuen Berufe müssen nicht wieder in der Industrie sein. Man habe mit etlichen Firmen in der Region gesprochen, um den Bedarf abzuklären, sagt Hagel.

Die Firma zögert noch

Für ein Jahr, schätzt Ruckh, werde diese Qualifizierungsgesellschaft eingerichtet. Ein Vorteil für die von der Kündigung bedrohten Mitarbeiter: Sie sind im kommenden Jahr nicht von Arbeitslosigkeit betroffen, sondern können sich aus einer Anstellung heraus sofort nach etwas Neuem umschauen. Und sie erhalten Hilfe bei Weiterbildung und Jobsuche. Doch noch zögert die Firma. „Der Ball liegt jetzt in deren Feld“, sagt Hagel, und Ruckh nickt zustimmend.

Neue Technologie

Außerdem haben die beiden Politiker Pläne entwickelt, wie Cooper langfristig am Standort Schelklingen erfolgreich sein könnte. Die Firma soll sich an der Entwicklung von Produkten für Motoren beteiligen, die mit Wasserstoff und Brennstoffzelle betrieben werden. „Solche Antriebe sind die Zukunft, gerade für Lastwagen, Busse oder Landmaschinen“, meint Hagel. Überall dort, wo es auf lange Entfernungen ankomme. Die Bundesregierung habe eine mit mehr als fünf Milliarden Euro ausgestattete Wasserstoff-Offensive gestartet. Dazu gehöre auch, Automobilzulieferern mit Zuschüssen zu ermöglichen, Produkte für die neue Technik herzustellen. Prof. Hans-Jörg Bauer vom Karlsruher Institut für Technologie nehme dazu Kontakt mit der Firma auf.

Entwickler zeigen sich interessiert

Die Entwicklungsabteilung bei Cooper habe sich sehr interessiert gezeigt, berichten Hagel und Ruckh. Durch ihre bisherige Forschung an Kraftstoff- und Bremsleitungen könne sich die Firma durchaus vorstellen, Leitungen für Wasserstoff zu entwickeln. Ein Vorteil für die Firma wäre auch, dass im Raum Ulm ein „Wasserstoff-Cluster“ entstehen soll, sagt Hagel – viele Firmen und Forscher sollen an diesem Thema arbeiten. Auch der Alb-Donau-Kreis entwickelt ein Wasserstoff-Konzept.

Der Standort muss bleiben

Allerdings stellen Hagel und Ruckh eines klar: Um Hilfe bei der Entwicklung neuer Technologien zu erhalten, muss die Firma eine Garantie für den Standort Schelklingen abgeben. Mindestens 15 Jahre lang, sagt Ruckh. Auch die Beschäftigungsgesellschaft sei Voraussetzung für die Unterstützung. Die Firma hat sich noch nicht festgelegt, im kommenden Jahr sollen jetzt die Gespräche fortgesetzt werden.

Derzeit Überstunden

Die Cooper-Geschäftsleitung ließ eine Anfrage der SÜDWEST PRESSE bislang unbeantwortet. Im Schelklinger Werk ist die Auftragslage übrigens derzeit gut, dem Vernehmen nach machen Mitarbeiter sogar Überstunden.

78


Stellen sollen im Werk Schelklingen abgebaut werden, kündigte der Automobilzulieferer Cooper Standard an. Momentan arbeiten weniger als 200 Mitarbeiter dort.