Ennahofen / RENATE EMMENLAUER  Uhr

Wer die Zentrale von Alexander Baier im Keller seines Hauses betritt, wähnt sich im modern ausgestatteten Kommandoraum eines Nachrichtendienstes. Bildschirme, Funkgeräte, Headsets und andere technische Ausrüstung reihen sich aneinander. Im Garten stehen riesige Funkmasten. „Meine Nachbarn meinten anfangs, die würden gesundheitsschädliche Strahlen aussenden. Aber die Antennen sind völlig ungefährlich“, sagt Baier. Die Strahlung der privaten Funkstation liege lediglich beim Tausendstel des Werts eines Handy-Telefonats.

Alexander Baier wohnt in Ennahofen auf den Lutherischen Bergen und ist Amateurfunker. Er hat sich damit einen Kindheitstraum verwirklicht. „Wie viele andere Jungs in meinem Alter hatte auch ich ein kleines CB-Funkgerät. Die Reichweite war recht überschaubar. Aber wir hatten Spaß daran, einander anzufunken. Zumal es früher ja keine Handys gab“, berichtet er.

„Genau genommen ist der Amateurfunk das erste multimediale soziale Netzwerk der Welt“, sagt der 40-Jährige. „Ich wollte mein Hobby mit Menschen rund um den Globus teilen. Auch die riesige Palette an technischen Möglichkeiten hat mich enorm gereizt“, nennt Baier als Grund, warum er vor vier Jahren die Amateurfunker-Lizenz anpeilte. Was bedeutete, dicke Schmöker zu wälzen. Antworten auf 1200 Fragen aus den Bereichen Betriebstechnik, Vorschriften und Gesetze sowie Morsezeichnen musste er lernen. Nahezu ein Jahr zog sich der Kurs bei der Bundesnetzagentur in Reutlingen hin.

Im Februar 2016 erhielt Baier dann die begehrte Lizenz. Seitdem ist er weltweit mit dem Rufzeichen „DO8ABA“ registriert. „Das war schon ein ganz besonderer Moment für mich. Ich durfte jetzt mit Gleichgesinnten auf jedem Winkel der Welt funken. Eigene Funkwellen generieren, sprich selbst Signale senden“, berichtet er. Seine Frau Stephanie, die sein Hobby unterstützt, überraschte ihn zur bestandenen Prüfung sogar mit einem speziellen Funkgerät, mit dem er schon lange geliebäugelt hatte.

Seit dieser Zeit redet „DO8ABA“ mit Gesprächspartnern aus allen Kontinenten. Die Relaisstation befindet sich auf dem Bussen. An Weihnachten vergangenes Jahr funkte er mit einem Australier – der schwäbisch sprach. „Ich konnte es erst nicht glauben und fragte immer wieder den Standpunkt meines Gesprächspartners ab“, berichtet Baier. „QTH“ heißt das in der Funkersprache. Doch es war eindeutig, sein Gegenüber funkte von Australien aus. „Aber wieso sprach der Schwäbisch und wollte dann auch noch wissen, in welchem Ort ich auf den Lutherischen Bergen wohne?“, fragte sich Baier. Des Rätsels Lösung: der Funkpartner ist gebürtiger Ersinger und führte viele Jahre in Erbach ein Geschäft, bevor er nach Australien zur Tochter auswanderte.

Viele QSL-Karten, sprich Empfangsbestätigungen aus aller Welt, mit detaillierten Daten hat Baier schon geschickt bekommen. Längst ist der Ennahofer ein richtiger Profi in Sachen Amateurfunk. Er ist im Forum mit einer eigenen Internetseite präsent. Und er gehört dem Ortsverband Donau-Bussen (P43) des Deutschen Amateurfunkerclubs an. Lizenzierte Funker aus dem Altkreis Ehingen und der Region Riedlingen sind darin organisiert.

Einer hilft dem anderen

Kürzlich trafen sich einige Mitglieder des Ortsvereins in Kirchen, um Aktuelles zu besprechen. So findet Ende August in Upflamör ein „Field Day“ mit einer sogenannten „Fuchsjagd“ statt. Thema sei auch die große Amateurfunkmesse gewesen, die am Wochenende in Friedrichshafen stattfindet. „Die übt für uns Funker den gleichen Reiz aus wie ein Trendmodeschäft für Frauen“, meint Baier. Was den Ennahofer an dem Hobby neben der Funkerei selbst noch fasziniert, ist, „dass die Funker einander immer zur Seite stehen. Die Kameradschaft ist bei uns top. Einer hilft dem anderen. Der eine ist Profi bei den Geräten, ich habe mich auf die Antennen spezialisiert.“

Vom Bussen gehen die Signale aus

Stationen Der Ortsverband Donau-Bussen (P43) ist Betreiber mehrerer automatischer Stationen für Sprechfunk- und Digitalanwendungen. Er betreibt seine automatischen Stationen derzeit auf dem Wasserturm in Upflamör und auf dem Bussen. re