Gesundheitstage Ein Zuviel an Medikamenten ist gefährlich

Vor allem Ältere nehmen zu viele Medikamente ein. Darüber sprach Professor Michael Denkinger.
Vor allem Ältere nehmen zu viele Medikamente ein. Darüber sprach Professor Michael Denkinger. © Foto: Joachim Schultheiß
Allmendingen / JOACHIM SCHULTHEISS 22.10.2018
Wie sich jeder Klarheit über die Wechselwirkung von Medikamenten verschaffen kann, zeigte Professor Michael Denkinger.

„Es gibt viele Krankheiten, für die man nicht immer ein Kraut hat“, sagte Professor Dr. Michael Denkinger, ärztlicher Direktor der Agaplesion Bethesda Klinik in Ulm. Denkinger referierte am Sonntag bei den Allmendinger Gesundheitstagen zum Thema „Viele Medikamente und kein Ende?“ Trotzdem seien die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherungen für Medikamente von 20 Milliarden im Jahr 2000 auf 37 Milliarden im Jahr 2017 angestiegen.

Bedenkliche Kombinationen

Ein Zuviel an Medikamenten, bei denen oft auch nicht genügend auf Wechselwirkungen geachtet werde, diagnostizierte Denkinger, besonders bei älteren Patienten mit mehreren Leiden. So würden beispielsweise über 85-Jährige, die in einem Pflegeheim leben, im Schnitt 11,4 Medikamente täglich nehmen und bei Patienten, die zuhause leben, seien es immer noch sechs bis acht Medikamente pro Tag.

Das Magenschutzmittel Pantoprazol sei inzwischen so verbreitet – jeder Zweite nehme es mittlerweile – dass man es auch gleich ins Trinkwasser mischen könne, meinte Denkinger, wohl eher scherzhaft. Besonders bedenklich sei die Einnahme einer Kombination der Schmerzmittel Ibuprofen und Voltaren zusammen mit ACE-Hemmern, die verbreitet zur Blutdrucksenkung eingenommen werden. Dies sei wie das Herausoperieren der Nieren mittels Medikamenten. Auch die regelmäßige Einnahme von Aspirin wollte er nur noch in bestimmten Fällen empfehlen.

Vorsicht bei rezeptfreien Medikamenten

Klarheit über Wechselwirkungen von Medikamenten könne man sich im Internet mit dem Wechselwirkungs-Check der Apotheken Umschau verschaffen. Denkinger riet aber davon ab selber an seiner Medikation herumzubasteln. Er empfahl kritisch zu sein und sich zu informieren. Man solle aber vertrauensvoll mit seinem Hausarzt zusammenarbeiten. Gegebenenfalls könne man sich auch eine Zweitmeinung einholen.

Vom zu intensiven Studieren der Beipackzettel und sonstigen Fachinformationen riet der Referent allerdings ebenfalls ab. Denn es gebe einen Nocebo-Effekt. Bei 30 Prozent der Patienten treten dabei unerwünschte Wechsel- oder Nebenwirkungen von Medikamenten auf, nur weil der Patient von deren Möglichkeit weiß. Bei rezeptfreien Medikamenten, auch wenn sie apothekenpflichtig seien, solle man vorsichtig sein. Als gefährlichste davon bezeichnete Denkinger Präparate mit Johanniskraut. Denn dieses blockiere zum Beispiel ein Enzym im Körper, dass für den Abbau von Blutverdünnern zuständig ist.

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