Angst und Hoffnung, Sorgen und Zuversicht: Wer dieser Tage mit Gewerbetreibenden, Betrieben und Selbstständigen in der Region spricht, bekommt die ganze Bandbreite der Emotionen geschildert. Die einen haben mehr Arbeit denn je, die anderen stehen vor dem Nichts – und manche versuchen mit kreativen Lösungen, die Aufmerksamkeit der Kunden zu gewinnen.

Friseur Schwarzenbach in Rottenacker

Friseurmeisterin Elke Straub spricht aus, was wohl viele Menschen in diesen Tagen denken: „Du glaubst, du bist im falschen Film.“ Seit einer Woche ist ihr Salon Schwarzenbach in Rottenacker geschlossen – zum ersten Mal überhaupt, seit die 61-Jährige denken kann. Ihre beiden Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, die zwei Aushilfen hat sie ausgestellt. „Es ist alles sehr ungewohnt für mich“, gibt Straub zu. Dennoch versucht sie, das Positive zu sehen, verbringt im Moment viel Zeit in ihrem Garten und betrachtet die Zwangspause im Betrieb als Probelauf für ihre Rente: „Ich muss mein Leben weiter leben, sonst werde ich irgendwann verrückt.“

Die Hoffnung, bald wieder für ihre Kunden da sein zu können, will Elke Straub nicht aufgeben – auch wenn Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) am Samstag klargestellt hat, dass es vor dem 20. April keine Lockerungen der bestehenden Einschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus geben wird. „Da müssen wir durch“, sagt Straub. Nun sei es das Wichtigste, gesund zu bleiben. Um die Hilfen, die das Land Baden-Württemberg Gewerbetreibenden anbietet, will sie sich nun zeitnah bemühen – „ich habe nur auf die Zusage gewartet, dass man nicht zunächst seine privaten Ersparnisse aufbrauchen muss“, sagt sie. Das steht seit Sonntag fest.

Kreuz in Obermarchtal

Herbert Knab hat seine Musik-Kneipe vor 15 Jahren gekauft und vor fünf Jahren umgebaut. Dafür hat er Kredite aufgenommen, die er noch abbezahlt. „Jetzt habe ich für drei Monate die Raten ausgesetzt und hoffe auf die Soforthilfe von Vater Staat in Höhe von 9000 Euro“, sagt er. Denn die laufenden Kosten für Krankenversicherung, Strom und Wasser und den Unterhalt für seine Kinder müsse er nach wie vor bestreiten. Geplante Konzerte wurden entweder abgesagt oder verschoben, zwei Bands konnte er zum Glück für sein Festwochenende anlässlich des 350-jährigen Kreuz-Jubiläums am ersten Septemberwochenende gewinnen.

Alle Einnahmen sind ihm weggebrochen: „Ich hatte in den vergangenen beiden Wochen quasi unbezahlten Urlaub.“ Dennoch ist Herbert Knab zuversichtlich: „Bis Juni müsste ich über die Runden kommen.“ Viel länger dürfe die Zwangspause aber nicht dauern. Dass schon Mitte April alles wieder seinen normalen Gang geht, kann sich Knab nicht vorstellen: „Das geht bestimmt länger.“

Gasthaus Kreuz in Moosbeuren

Knusprige Spanferkel, dazu ofenfrische Knauzen und Seelen – für diese Spezialitäten ist das Gasthaus Kreuz im Oberstadioner Teilort Moosbeuren bekannt. Doch auch hier geht derzeit wegen Corona gar nichts. Die Türen bleiben geschlossen, der Ofen kalt. Trotzdem müssen Claudia und Rainer Heckenberger die für die Hauptsaison beim Landwirt bestellten Ferkel abnehmen. „Wir bieten deshalb fertige Spanferkel zur Abholung an, aber die Resonanz ist sehr verhalten, weil ja keine Gruppen zusammenkommen dürfen“, erzählt Claudia Heckenberger. Lediglich kleine Portionen würden nachgefragt – und selbst das ganz spärlich.

Besser läuft dagegen der Verkauf von rohem Schweinefleisch über das Internet. Das Gastwirt-Ehepaar rechnet mit Ausfällen weit über den 20. April hinaus: „Bei uns dauert es sicherlich noch viel länger, bis sich alles normalisiert, weil wir meist große Gruppen bewirten. Viele Leute sind verunsichert und meiden bestimmt noch lange größere Zusammenkünfte.“

Hotel Garni und Café Knebel in Munderkingen

Wie seine derzeitige Lage ist? Auf diese Frage kann Christopher T. Baer vom Munderkinger Hotel Garni und Café Knebel nur bitter lachen. „Es ist beschissen“, sagt er. „Unsere Lebensgrundlage ist uns entzogen.“ Das Hotel ist geschlossen, im Café gibt es an zwei Tagen pro Woche – freitags von 8 bis 13 Uhr, sonntags von 11 bis etwa 16 Uhr – Kuchen und Torten zum Mitnehmen. Seine Mitarbeiter hat Baer in Kurzarbeit geschickt, ein Antrag auf Corona-Soforthilfe ist gestellt. Ob er tatsächlich Geld vom Land bekommt, weiß der Konditormeister allerdings noch nicht – bislang hat er keine Rückmeldung aus Stuttgart erhalten. Dabei drängt die Zeit. „Unsere Finanzdecke ist nicht mehr so dick“, sagt Baer. „Wir halten maximal noch drei Wochen durch, wenn wir keine Hilfe bekommen.“

Besonders bitter: In den vergangenen Wochen hat Baer mit viel Liebe zum Detail sein übliches Ostersortiment mit Schokoladenhasen in allen Variationen gefertigt. 400 der süßen Langohren stehen nun verpackt bei ihm im Laden – „und wir stehen vor dem Nichts“. Um den Schaden zu begrenzen, können Hasen und Co. nun unter (07393) 1314 telefonisch bestellt und am Eisfenster des Ladens abgeholt werden.

Um im Gespräch zu bleiben, hat sich der Konditormeister außerdem zu einer besonderen Aktion entschlossen: Er hat viele kleine Muffins gebacken und mit winzigen, essbaren Toilettenpapierrollen verziert. Die leckeren Hingucker will er nun an die Läden in seiner Nachbarschaft, aber auch an das Lebensmittelgeschäft Kuhm verschenken, damit diese ihre Kunden damit überraschen können – „und die Leute wissen, dass wir noch da sind“.

Stöhr Logistik in Rottenacker

Für Erwin Stöhr, den Geschäftsführer des gleichnamigem Logistikunternehmens aus Rottenacker, ist derzeit der Schutz der Mitarbeiter das große Thema – wo immer es möglich ist, hat er seine Angestellten ins Home Office geschickt. Denn das Personal wird dringend benötigt: „85 bis 90 Prozent unserer Aufträge laufen weiter“, sagt Stöhr. Weggebrochen seien in erster Linie die Transporte und Dienstleistungen für Kunden aus der Automobilindustrie; viele andere Bereiche wie die Konsumgüterindustrie und die Baubranche hätten derzeit dagegen Hochsaison. „Dadurch, dass wir breit aufgestellt sind, sind wir im Moment noch gut beschäftigt.“

Ganz ohne Kurzarbeit geht es dennoch nicht: Einige Stöhr-Mitarbeiter arbeiten in der firmeneigenen Logistik von Kunden, sind dort unter anderem als Staplerfahrer im Einsatz. Steht dort aufgrund der Corona-Krise die Produktion still, wird auch nichts versendet – entsprechend musste Stöhr für die betroffenen Mitarbeiter Kurzarbeit beantragen. Für den Großteil des Unternehmens sei das aber zumindest derzeit kein Thema, betont der Geschäftsführer. Frustrierend ist die Situation für ihn aber dennoch. „Wenn die Pandemie nicht wäre, wären unsere Fahrzeuge jetzt im Dauereinsatz.“