Für die einen ist die Corona-Krise eine Katastrophe, für die andere die Gelegenheit, Arbeiten auszuführen, die sonst zeitlich nur schwer zu realisieren sind. Was Gewerbetreibende und Selbstständige in diesen Tagen bewegt, womit sie zu kämpfen haben und wie die Aussichten sind.

Buchhandlung Laese, Munderkingen

Wirtschaften in Zeiten der Corona-Krise ist für Stefan Laese, Geschäftsführer der Buchhandlung Laese in der Martinstraße in Munderkingen, eine ständige Gratwanderung: „Unser Laden ist geöffnet und wir dürfen auch verkaufen“, erklärt er. Nur eben nicht alles, was Laese sonst zu bieten hat. Denn während Post und Postbank sowie der Zeitungsverkauf ganz normal weiterlaufen, gelten für Bücher und Bürobedarf Einschränkungen. Bücher können online unter www.laesehaus.de/shops bestellt und im Laden abgeholt werden. „Allerdings auch nur das, was bestellt wurde“, sagt Laese. Entdecke nämlich der Kunde im Laden einen zusätzlichen Artikel, der ihn spontan interessiere, dürfe er ihm diesen nicht verkaufen – erst nach erneuter Bestellung. „Das macht in meinen Augen keinen Sinn“, sagt Laese. Gleiches gelte für den Bereich Bürobedarf. Selbstständige und Gewerbetreibende können Kopierpapier, Tinte, Toner und Co. online ordern, Privatkunden per E-Mail bestellen.

Im Laden ist an allen Theken eine Schutzwand aus Plexiglas angebracht, Schutzhandschuhe für die Mitarbeiter liegen bereit. Die Aushilfen bleiben zu Hause, für den Rest der Belegschaft hat Laese vorsorglich Kurzarbeit beantragt. „Langfristig ist die aktuelle Lage absolut existenzbedrohend“, sagt er. Einen Monat könne er weitermachen wie bisher, „dann wird es kritisch“. Er hofft auf Geld aus dem Corona-Soforthilfeprogramm des Landes.

Blumengarten Köttner, Obermarchtal

Not macht erfinderisch. Das trifft zumindest auf Andrea Köttner zu. Sie baut auf rund einem Hektar in Obermarchtal mehrjährige und einjährige Blumen an, die sie auf Märkten verkauft oder an eine Floristin, insbesondere für Veranstaltungen, abgibt. Im Mai und Juni blüht es in ihrem Garten in voller Pracht, doch in diesem Jahr wird es mit der Vermarktung auch für Andrea Köttner äußerst schwierig. „Viele Märkte wurden bereits abgesagt, meine Floristin hat zu und Veranstaltungen wie Hochzeiten wurden in den Herbst oder Winter verschoben.“

Die Blumen wachsen und blühen trotzdem. Also hat sich Andrea Köttner überlegt, ab Mai einen Verkauf ab Hof zu starten. Hier will sie vor allem ihre wunderschönen Pfingstrosen anbieten: „Ganz ohne Kundenkontakt. Das Geld kann in eine Kasse geschmissen werden.“ Insgesamt sieht sie sich noch in einer glücklichen Situation: „Zwar bricht mir ein Großteil meiner Einnahmen weg, doch ich muss keine Pacht zahlen und habe so gut wie keine laufenden Kosten.“

Karin Schmid Friseure, Lauterach

Mitte Dezember hat Karin Schmid ihren Friseursalon in Lauterach ganz neu eröffnet, nur drei Monate später musste sie ihn wieder schließen. Für die selbständige Friseurmeisterin ein Desaster: „Es ist wirklich super angelaufen, mein neues Geschäft wurde richtig gut angenommen. Für mich ist diese Schließung wie ein Schlag ins Gesicht“, sagt sie. Trotzdem hat sie Verständnis für die Maßnahmen, denn nichts ist so wertvoll wie die Gesundheit.

Trotzdem: „Ich habe viel Geld investiert und die laufenden Kosten sind da.“ Jetzt hat sie Soforthilfe beim Land beantragt und hofft auf Unterstützung. Diese würde den Schaden zwar etwas mildern, doch den Ausfall längst nicht decken. „Ein paar Monate kann ich irgendwie durchhalten, aber je länger es dauert, desto schwieriger wird es.“ Sie hatte sich darauf gefreut, richtig durchzustarten und es sei schön gewesen, dass ihr Neubeginn gelungen ist. „Ich hoffe, dass es so schnell wie möglich weitergehen kann und dass dann die Leute wieder kommen.“ In diesem Fall wird sie wohl auch montags aufmachen und länger öffnen.

Elektro Fuchs, Munderkingen

„An erster Stelle geht es um den Schutz und um die Gesundheit unserer Mitarbeiter und unserer Kunden“, sagt Harald Fuchs von Elektro Fuchs in Munderkingen. Deshalb hat er schon zwei Tage vor der offiziellen Anweisung sein Ladengeschäft geschlossen. Kunden haben die Möglichkeit, sich telefonisch beraten zu lassen und können auch weiterhin Elektrogeräte kaufen: „Einzelpersonen können nach Terminabsprache in den Laden kommen – natürlich auf Abstand und mit entsprechenden Desinfektionsmaßnahmen.“ Um die Gefahr einer Infizierung für die Mitarbeiter des Installationsbetriebs und die Kundendienstmonteure gering zu halten, arbeitet immer nur die Hälfte der insgesamt 16 Mitarbeiter, und das im Wechsel. So werden mögliche Infektionsketten verringert. „Wir achten sehr darauf, dass sich die Ein- oder Zwei-Mann-Teams nicht treffen“, betont Harald Fuchs.

Derzeit baut sein Unternehmen im Gewerbegebiet ein Servicezentrum samt neuem Ladengeschäft für Miele-Premiumprodukte. Auch diese Arbeiten verzögern sich nun. Ob die geplante Neueröffnung zu Beginn der zweiten Jahreshälfte erfolgen kann, ist noch offen. Laut Fuchs wird derzeit „mit angezogener Handbremse“ gefahren, es könne immer nur eine Baufirma mit wenigen Mitarbeitern auf der Baustelle sein. „Aber wir machen das Beste aus der Situation. Denn Homeoffice ist bei Handwerkern und modernen Dienstleistern halt einfach nicht möglich, weil wir gerade in schwierigen Zeiten für unsere Kunden da sein wollen.“

Schlegel Werbung, Unterstadion

Die Auftragslage ist sehr gut bei Schlegel Werbung in Unterstadion. Von wirtschaftlichen Einschränkungen sei das Unternehmen nicht groß betroffen, sagt Geschäftsführer Matthias Schlegel. Seine Firma produziert unter anderem reflektierende Aufkleber für Einsatzfahrzeuge, Sicherheitshinweise zur Anbringung an Maschinen und rutschfeste Folien für den Boden. Einzig Mitarbeiter, die in Außenstellen „schwieriger Branchen“ wie der Automobilindustrie arbeiten, seien teilweise in Kurzarbeit. Dass die wirtschaftlichen Einschränkungen bis mindestens 20. April aufrechterhalten werden, damit hat Schlegel bereits gerechnet. Das Unternehmen versuche daher, das Beste aus der Situation zu machen, sagt der Geschäftsführer. Jetzt sei beispielsweise eine gute Zeit, um in den oft leerstehenden Kindergärten Sicherheitsfolien an Fensterscheiben anzubringen, was sonst aufgrund der Auslastung zeitlich schwer zu planen sei. Auch bei der Folierung von Baumaschinen sei die Auftragslage global gesehen sehr gut. Das liegt sogar mit am Coronavirus: Es entstehen beispielsweise überall neue Krankenhäuser.

Kaufmannbau, Oberstadion

Kaufmannbau in Oberstadion setzt in der Corona-Krise verstärkt auf Digitalisierung. Kundengespräche, die sonst auf persönlicher Ebene vor Ort in Oberstadion stattfinden, werden nun über Skype geführt, Bauinfo-­Abende gibt es nur mehr auf Facebook oder Instagram. „Als kleines Unternehmen können wir unsere Kunden auch auf digitalem Weg erreichen“, ist Geschäftsführer Peter Kaufmann überzeugt. Dennoch: „Wenn es dann um einen Vertragsabschluss geht, ist das persönliche Gespräch einfach wichtig.“ Deshalb wurde zum Schutz eine Plexiglasscheibe auf dem Beratungstisch aufgebaut.

Seine Mitarbeiter fahren zwischenzeitlich mit ihren Privatautos auf die Baustellen. „Dadurch können wir Nähe zueinander auf der Anfahrt vermeiden.“ Auch bei der Arbeit selbst ist die Einhaltung des empfohlenen Abstandes Gebot. Im Werk wurde Schichtbetrieb eingeführt, die Hälfte der Büromitarbeiter arbeitet von zu Hause aus. An Baumaterial mangelt es nicht, weil Kaufmannbau fast alles ausschließlich aus Süddeutschland bezieht. „Wir hoffen, dass die Baustellen weiterhin offen bleiben und dass das vom Land versprochene Geld bei den Betrieben ankommt, die es wirklich brauchen“, sagt Kaufmann. Er hat auf die Veränderungen reagiert und ist recht zuversichtlich: „Die Welt dreht sich weiter und Leute werden auch weiterhin bauen. Bis jetzt läuft es – zumindest im privaten Baubereich – auftragsmäßig bei uns ganz normal.“