Anscheinend hat die Empfehlung, die zur Verfügung stehende Zeit auszunutzen, doch gefruchtet“, sagte Wolfgang Aleker, Schulleiter des Ehinger Johann-Vanotti-Gymnasiums, gestern gegen 12.30 Uhr auf dem Schulhof. Zu dieser Zeit hatten lediglich drei Abiturienten ihre Deutsch-Arbeiten bereits abgegeben. Im vergangenen Jahr hatten viele geglaubt, sie seien bereits um 11.30 Uhr fertig.

Zumindest beim Essay „Sprache – leicht gemacht“ mussten sich die Abiturienten durch eine Fülle von Texten durcharbeiten, um schließlich zu einem Fazit zu kommen. „Das Essay war dieses Jahr sehr anspruchsvoll“, sagte dazu Deutsch-Lehrerin Kerstin Rueß-Gaßmann.

Sätze ohne Konjunktiv

Die Abiturienten mussten sich mit den Vor- und Nachteilen einer einfachen Sprache befassen. Lässt sich mit Sätzen, die nur aus Subjekt, Prädikat und Objekt bestehen, alles ausdrücken? Wird eine Sprache ärmer, aber verständlicher, falls der Verfasser Konjunktiv und Genitiv vermeidet und auch auf Sprachbilder und Redewendungen verzichtet?

Timo Geiges aus Öpfingen zielte in seinem Fazit darauf ab, „dass es zur Verdummung führt, wenn man die leichte Sprache zu oft verwendet“. Gedichte oder andere Literatur würde komplett ihren Charakter verlieren, wenn man sie in leichte Sprache übersetzte, sagte der Abiturient.

Auch Ann-Catrin Dietz hatte den Essay gewählt. „Ich habe schon vier Essays geschrieben und dachte mir, dass mir das liegt“, sagte die Schülerin. Sie  kam zum Fazit, dass es gut sei, wenn es die leichte Sprache gibt. Besonders Flüchtlinge und Menschen mit einem geringeren Bildungsniveau profitierten von einer leichteren Sprache. Man müsse jedoch allgemein ein gewisses Sprachniveau halten. Fachliteratur, Prosa und Lyrik kämen ohne komplexe sprachliche Ausdrucksmittel nicht aus.

Wer beim diesjährigen Abitur auf Nummer sicher gehen wollte und etwas Arbeit in die Vorbereitung gesteckt hatte, kam mit dem Werkvergleich zwischen Peter Stamms Roman „Agnes“ und Max Frischs „Homo faber“ gut zurecht.

Werkvergleich „bewältigbar“

Schulleiter Aleker ist mit Bewertungen wie „leichtes Thema“ oder „schweres Thema“ sehr zurückhaltend. „Wenn ich sage, eine Aufgabe war leicht, meinen die Schüler automatisch, die Noten müssten gut ausfallen.“ Den diesjährigen Werkvergleich bezeichnet er deshalb als „bewältigbar, wenn man sich vorbereitet hat“. Fabian Deusch aus Ehingen wählte diese bewältigbare Aufgabe.

Essay und Erörterung schätzte der Schulleiter als „komplex“ ein. In der Erörterung stand ein 2012 veröffentlichter Artikel von Matthias Heine zur Diskussion. „Ohne Boulevardpresse ist die Demokratie in Gefahr“ lautete der Titel. Boulevardzeitungen, wie die im Springer-Verlag erscheinende Bild-Zeitung, seien für den Leser ein Einstieg in die anspruchsvollere Zeitungslektüre. Dabei verhehlt der Autor nicht, dass die Leser der Massenblättern auch geneigt sein könnten, ihr Leben lang beim Massenblatt zu bleiben. Wer sich gegen Massenblätter wende, sei von Konkurrenzwut geleitet, argumentiert Matthias Heine.

Für die Fans von Kurzgeschichten hielt das Deutschabitur Erich Kästners Erzählung „Spuk in Genf“ bereit. Die 1928 veröffentliche Geschichte beschreibt eine Szene in einer Gaststätte. „Wohlhabende Leute sitzen dort und sind schockiert über einen Mann, der in ein Glas beißt“, sagte Mirjam Linz. Die Abiturientin sieht in der Erzählung „Missstände zwischen Arm und Reich“. Johannes Sailer wählte ebenfalls die Kurzprosa und ging in seiner Arbeit „in Richtung Zivilcourage, weil da niemand eingreift“.

Wie beinahe alle Jahre waren auch gestern die Fans der Lyrik sparsam gesät: Theodor Fontanes „Alles still!“ und Alfred Lichtensteins Gedicht „Winter“ waren zu vergleichen. Zum Frühlingseinbruch mit Temperaturen um die 25 Grad lässt es sich aber vielleicht auch schlecht über den Winter schreiben.