Crailsheim Zwei Königinnen gehen ins Netz

Die Fünftklässler der Käthe-Kollwitz-Schule schauen, wie die Wildbienen und Hummeln heißen, die sie zuvor gefangen haben. Experte Rainer Prosi hilft bei der Bestimmung.
Die Fünftklässler der Käthe-Kollwitz-Schule schauen, wie die Wildbienen und Hummeln heißen, die sie zuvor gefangen haben. Experte Rainer Prosi hilft bei der Bestimmung. © Foto: Christine Hofmann
Crailsheim / Christine Hofmann 19.07.2018
Schüler der Käthe-Kollwitz-Schule engagieren sich im Projekt Crailsheimer Stadtbiene. Mit dem Monitoring zählen und bestimmen sie Hummeln und Wildbienen.

In Zweiergruppen laufen die Fünftklässler der Käthe-Kollwitz-Schule über die Blühstreifen in der Kurt-Huber- Allee und halten den Blick fest auf den Boden gerichtet. Sitzt da eine Wildbiene auf der Blüte? Oder kommt gar eine Hummel angeflogen? Schnell wird der Schmetterlings-Kescher gezückt und – zack – schon ist die Wildbiene ins Netz gegangen.

Schon zum dritten Mal sind die Schüler zur Bienen- und Hummelbestimmung mit Wildbienenexperte Rainer Prosi auf diesem Wiesenstück unterwegs. Als Teil des Projekts Stadtbiene soll mit diesem Monitoring festgestellt werden, welche Arten vorhanden sind und wie viele Wildbienen und Hummeln hier leben. Da die Aktion mehrmals wiederholt wird, kann auch eine Entwicklung aufgezeigt werden.

Die Schüler sind mit großem Eifer bei der Sache. Kaum eine Minute, nachdem Prosi das Startsignal gegeben hat, kommen die ersten mit einem Fang zurück. Sie schieben die Hummel vorsichtig aus dem Netz in ein kleines Glasgefäß und verschließen es schnell mit einem Deckel. Das Glasröhrchen kommt in eine Kühltasche. „Im Dunkeln und in der Kälte werden die Bienen ganz ruhig. Dann können wir sie später leichter bestimmen“, erklärt Prosi.

Der erste Fang ist sicher verstaut, da kommt auch schon die nächste Gruppe angelaufen. „Wir haben was“, ruft Sarah (11) schon von Weitem. Der Bienenexperte wirft einen kurzen Blick auf die Hummel im Glaskolben und fragt: „Ist das ein Männchen oder ein Weibchen?“ Die Frage kann Sarah leicht beantworten, schließlich kennt sie sich inzwischen schon recht gut aus: „Die Hummel hat lange Fühler, also ist es ein Männchen.“

Die elfjährige Chiara ist besonders mutig. Sie traut sich, eine Steinhummel auf ihrer Hand krabbeln zu lassen. „Das ist gar nicht schlimm“, sagt sie. „Es kitzelt nur etwas.“

Die Kühltasche füllt sich stetig: Ackerhummeln, Steinhummeln, veränderliche Hummeln und Honigbienen sitzen schon träge in ihren gläsernen Gefängnissen. Kurz bevor der Schlusspfiff das Ende der Fangaktion anzeigt, gibt es noch einen besonderen Treffer: Eine gelbbindige Furchenbiene wird gefangen. „Sehr schön, jetzt haben wir sogar noch die Biene des Jahres“, freut sich Rainer Prosi.

Nun geht es an die Auswertung. Kolben für Kolben wird aus der Tasche geholt. Die Schüler vergleichen die Bienen und Hummeln mit den Abbildungen im Bestimmungsbuch, das Prosi mitgebracht hat. Leon (11) dokumentiert alles genau auf einer Liste. „Von den Ackerhummeln haben wir die meisten“, stellt er fest. Auch zwei Königinnen sind dabei. Luca (12) öffnet die Gefäße und entlässt die Bienen, die mit Licht und Wärme schnell wieder munter werden, zurück in die Freiheit. Die Schüler beobachten, wie sie sich gleich eine neue Blüte suchen. „Ich dachte vorher immer, Bienen sind gefährlich“, sagt Silvan (10). „Das stimmt aber gar nicht. Man muss vorsichtig sein, dass man sie beim Fangen nicht zerdrückt.“

Vom Bienen- und Hummel­monitoring profitieren die Schüler und das Projekt Stadtbiene gleichermaßen. „Die Schüler freuen sich sehr auf diese Aktionen“, berichtet der Klassenlehrer Hans-Georg Gehringer. „Es ist ­unglaublich, wie gut sie sich ­inzwischen schon auskennen.“ Rainer Prosi nickt zustimmend: „Wir bekommen hier eine ge­wisse Diversität heraus und können aufzeigen, dass das Projekt Stadtbiene funktioniert.“ Gleichzeitig hätten Kinder die Möglichkeit, ­direkt mit Wildbienen in Kontakt zu kommen. „So nah kommt man denen sonst nicht“, erklärt Prosi, und er freut sich, dass er wieder ein paar neue Menschen zu ­Bienenfreunden machen konnte.

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