DENKMAL Zu wenig Kohle für den Kauf des Wasserturmes

Der Crailsheimer Wasserturm ist mehr als 100 Jahre alt.
Der Crailsheimer Wasserturm ist mehr als 100 Jahre alt. © Foto: Wolfgang Rupp
Crailsheim / Andreas Harthan 08.04.2017
Ausgerechnet im Bahn-Jubiläumsjahr lässt sich die Stadt die Chance entgehen, das Kulturdenkmal Wasserturm, das ein Wahrzeichen der Stadt ist, zu kaufen.

Seit 2015 wissen Verwaltung und Gemeinderat, dass der langjährige Besitzer des Wasserturmes bereit ist, das Kulturdenkmal an die Stadt zu verkaufen. Seither wurde verhandelt. Das Ergebnis: Crailsheim schaut ausgerechnet in dem Jahr, in dem es das 150jährige Bestehen als Eisenbahnstadt feiert, in die Röhre. Der Besitzer war zwar bereit gewesen, von seiner ursprünglichen Preisvorstellung abzurücken, wollte aber mindestens 200 000 Euro haben. Eine Mehrheit des Gemeinderates war aber nicht bereit, viel mehr als 100 000 Euro zu bezahlen, obwohl die Verwaltung zum Kauf geraten hatte. Der Wasserturm, einer der Letzten seiner Art im Land, wechselte dennoch den Besitzer: von privat zu privat. Und das zu einem Preis von mehr als 200 000 Euro. Er gehört jetzt einem im Altkreis ansässigen Geschäftsmann.

“Besorgniserregend“

Weil der beim Notar war, bevor der Gemeinderat in seiner Sitzung in der vergangenen Woche einen Bebauungsplan für das Gelände rund um den Wasserturm aufstellte, dürfte der Plan des Stadtparlaments, über das ebenfalls in der jüngsten Sitzung beschlossene Vorkaufsrecht künftig in Sachen Wasserturm mit im Boot zu sein, ins Leere laufen. Immerhin: Der neue Besitzer deutete auf HT-Anfrage an, seine neue Immobilie renovieren zu wollen. Das ist auch dringend notwendig. Ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass annähernd 300 000 Euro erforderlich sind, um das technikgeschichtliche Kulturdenkmal aus dem Jahr 1912 auf Vordermann zu bringen. Dass Sanierungsarbeiten nicht länger aufgeschoben werden können, zeigt auch der neue Film von Waldemar Jauch, der zu Beginn der Woche im Rathaussaal uraufgeführt wurde. Der Filmemacher hat im Innern des Turmes drehen und so dokumentieren können, dass der Zahn der Zeit an manchen Stellen schon gewaltig an der Stahlkonstruktion nagt. Jauch will seinen Film „Crailsheimer Bahnhofsgeschichte und -geschichten“ auch als­

„Denkanstoß“ verstanden wissen, sich Gedanken über die Zukunft des Wasserturms zu machen. Jauch ist überzeugt: „Die Zeit drängt.“

“Mit Nachdruck“

Wie durch ein Wunder hat der mehr als 100 Jahre alte und fast 25 Meter hohe Turm, der bis Mitte der 1970er-Jahre Dampfloks mit Wasser versorgt hat, die Luftangriffe der Alliierten im Zweiten Weltkrieg überstanden. Auch der nach seiner Stilllegung drohende Abriss konnte gerade noch abgewendet werden. 1978 stellte sich das Landesdenkmalamt schützend vor das Gebäude und verfügte: „Die Denkmaleigenschaft wird mit Nachdruck festgestellt.“ Seit Anfang der 1980er-Jahre wird der Turm, dessen Behälter 600 Kubikmeter Wasser fassen kann, gastronomisch genutzt. Schon in seinem 2012 erschienenen Buch „100 Jahre Crailsheimer Wasserturm“ (Baier Verlag) hat Jochen Weidner von „besorgniserregenden Schäden“ geschrieben. Das Schadensbild hat sich seither nicht verbessert, wie alle diejenigen bestätigen, die die Gelegenheit hatten, sich im Innern des Wasserbehälters umzuschauen.

Kommentar „Da muss sich was ändern“

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